Ausstellungsprogramm 2009 Belvedere
DIE MACHT DES ORNAMENTS
Orangerie, Unteres Belvedere
21. Januar – 17. Mai 2009
1908 von Adolf Loos mit seiner berühmten Schrift Ornament und Verbrechen aus der Kunst verbannt, hat sich das Ornament innerhalb des letzten Jahrzehnts wieder etabliert. In der zeitgenössischen Kunst bilden geometrische, forale, abstrakte oder kalligrafsche Elemente Ordnungssysteme, welche als subversive Sprache zur Infragestellung von Religion und Tradition dienen, kulturelle Identität stiften, über die Rolle der Frau, über Totalitätsansprüche und Stereotypen nachdenken lassen.
Die Ausstellung in der Orangerie spannt einen Bogen vom Wien der Jahrhundertwende bis in die Gegenwart. Werke von Gustav Klimt, Josef Hoffmann und Carl Otto Czeschka werden zeitgenössischen Positionen aus Österreich und Deutschland (Adriana Czernin, Maria Hahnenkamp, Brigitte Kowanz, Raimund Pleschberger, Esther Stocker, Jörn Stoya), den USA und Großbritannien (Sarah Morris, Philip Taaffe), Indien (Sakshi Gupta, Raqib Shaw, Hema Upadhyay), Pakistan (Aisha Khalid, Imran Qureshi, Rashid Rana), dem Libanon (Mona Hatoum) und dem Iran (Parastou Forouhar, Shirin Neshat, Monir Shahroudy Farmanfarmaian) gegenübergestellt.
EMPFINDUNG
Oder in der Nähe der Fehler liegen die Wirkungen
Augarten Contemporary
5. Februar – 24. Mai 2009
Die Ausstellung Empfndung oder in der Nähe der Fehler liegen die Wirkungen im Augarten Contemporary widmet sich der Analyse von Farbe, Form und Material, ihren Wirkungen und den Empfndungen, die sie auslösen.
Das Belvedere entwickelte die Schau gemeinsam mit der Akademie der bildenden Künste Wien. Die Künstlerin Kathi Hofer war mit ihrer Arbeit zur “Ereignishaftigkeit der Empfindung im Kino” impulsgebend für die Auseinandersetzung mit der “Analyse der Empfndungen”, wie Ernst Mach seine berühmte Schrift aus dem Jahr 1876 betitelte. In einem Seminar unter der Leitung von Sabeth Buchmann, Professorin für Kunstgeschichte der Moderne und Nachmoderne am Institut für Kunst- und Kulturwissenschaften, diskutierten Kathi Hofer und Belvedere-Kuratorin Eva Maria Stadler gemeinsam mit Studierenden eine Reihe von kunst- und kulturgeschichtlichen Texten zum Thema. Parallel entstanden künstlerische Arbeiten, die spezifsche Aspekte der Debatten behandeln. In der Ausstellung werden diesen Werken zeitgenössische Positionen von Gerard Byrne, Tony Conrad, Jeroen de Rijke und Willem de Rooij, Josiah McElheny, Ulrike Müller, Constanze Ruhm, Tanja Widmann, Heimo Zobernig und dem Berliner Bildhauer Julian Göthe, derzeit Artist in Residence im Augarten Contemporary, als Bezugspunkte zur Seite gestellt.
Alfons MUCHA
Unteres Belvedere
12. Februar – 1. Juni 2009
Das Belvedere präsentiert im Frühjahr 2009 die erste umfassende Alfons Mucha-Ausstellung in Österreich. Großformatige Gemälde, Pastelle, Zeichnungen, Plakate und Interieurs zeugen von der beeindruckenden künstlerischen Bandbreite Muchas (1860–1939), der als Werbegrafiker und Dekormaler bekannt geworden ist. Von ersten illustratorischen Werken über den Pavillon de l’Homme und seine Ausstattung des Pavillons für Bosnien und Herzegowina für die Weltausstellung in Paris 1900 bis zu seinem großen Zyklus Slawisches Epos verfolgte der tschechische Künstler, der sein Handwerk in Wien, München und Paris erlernt hatte, die Übermittlung einer universellen Botschaft: seiner Vision von einer Versöhnung der Nationen und der Religionen.
Im Unteren Belvedere werden in thematisch gegliederten Sektionen (Biografe – Frühwerk, Plakate, Documents décoratifs – Figures décoratives, Le Pater – Ilsée Princesse de Tripoli, Pastelle, Weltausstellung Paris 1900 – Pavillon für Bosnien und Herzegowina, Boutique Fouquet, Obecní dům, Slawisches Epos) etwa 200 Werke aus öffentlichen und privaten Sammlungen zu sehen sein.
Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München, und dem Musée Fabre, Montpellier.
Meisterwerke im Kontext: Lovis Corinth
Oberes Belvedere
25. März – 19. Juli 2009
Ab 2009 präsentiert das Belvedere eine neue Ausstellungsserie: Jeweils im Frühjahr und Herbst demonstrieren Sonderpräsentationen ausgewählter Werke der Sammlung die hohe Qualität der Bestände – etwa der internationalen Klassischen Moderne, der deutschen Romantik oder des französischen Impressionismus. Gezeigt werden sowohl Retrospektiven einzelner Künstler als auch Schlüsselwerke wichtiger stilistischer Entwicklungen von der Gotik bis in die Gegenwart. Begleitende Publikationen belegen den neuesten Stand der wissenschaftlichen Aufarbeitung.
Den Anfang dieser Ausstellungsserie macht eine Schau mit zehn Gemälden von Lovis Corinth. Der aus Ostpreußen stammende und in München ausgebildete Maler avancierte nach 1900 innerhalb kürzester Zeit neben Max Liebermann zu einem der gefragtesten Künstler der Berliner Secession. Das Belvedere besitzt Werke aus allen entscheidenden Schaffensphasen des Künstlers, sodass die Entwicklung seiner expressiven Malerei anschaulich nachvollzogen werden kann.
Die Ausstellung ist in einem eigenen Raum innerhalb der Sammlung zu sehen.
OSWALD OBERHUBER
Die Leidenschaften des Prinzen Eugen
Orangerie, Unteres Belvedere
29. Mai – 13. September 2009
Oswald Oberhuber, 1931 in Meran geboren, ist eine der wesentlichen Persönlichkeiten des österreichischen Kunstbetriebs. Mit seinen frühen informellen Plastiken bis hin zu seinen Konzeptkunstausstellungen hat er das Kunstgeschehen dieses Landes entscheidend geprägt. Der Umgang mit Architektur, räumlichen Situationen und auch mit dem öffentlichen Raum nimmt in seiner Arbeit einen großen Stellenwert ein.
Für die Ausstellung in der Orangerie konzipiert Oberhuber eine raumgreifende Installation, in welcher er sich mit Prinz Eugen von Savoyen, dem Erbauer und zeitweiligen Bewohner des Belvedere, auseinandersetzt. Mittels Malerei, Skulptur und Fotografe untersucht Oberhuber die Fähigkeiten des berühmten Prinzen als Feldherr, Bauherr und Förderer von Wissenschaft und Kunst sowie auch dessen Neigung zu Natur und Tierwelt.
ARS VIVA 08/09
Inszenierung / Mise en Scène
Augarten Contemporary
6. Juni – 27. September 2009
Der Augarten Contemporary zeigt Werke der vier Preisträger des vom Kulturkreis der deutschen Wirtschaft vergebenen „ars viva“-Preises 2008/09 für die bildende Kunst. Die diesjährige Auslobung des Förderpreises stand unter dem Thema „Inszenierung / Mise en scène“. Keren Cytter (*1977, Israel), Manuel Graf (*1978, Deutschland), Simon Dybbroe Møller (*1976, Dänemark) und Tris Vonna-Michell (*1982, Großbritannien) wurden aus 50 Künstlern ausgewählt, in deren Werken die Refexion theatraler Themen, Ausdrucks- und Inszenierungsformen von zentraler Be- deutung ist.
Die Jury überzeugte, dass bei Simon Dybbroe Møller und Tris Vonna-Michell der jeweils situative Vollzug des Werks in den Handlungen und Erfahrungen der Besucher für die Konzeption der Arbeiten von Bedeutung ist. Bei Keren Cytter und Manuel Graf spielt das experimentelle Sichtbarmachen von Inszenierungsstrategien im Medium Film oder auch in der Architekturtheorie eine wichtige Rolle.
Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit dem Museum im Kulturspeicher Würzburg und dem Museum Abteiberg, Mönchengladbach.
FERDINAND GEORG WALDMÜLLER
Unteres Belvedere
9. Juni – 11. Oktober 2009
Ferdinand Georg Waldmüller (1793 – 1865) war einer der bedeutendsten österreichischen Maler der Biedermeierzeit. Ob in der Eroberung der Landschaft und in der daraus resultierenden glaubhaften Wiedergabe von Nähe und Ferne, ob in der treffenden Charakterisierung des menschlichen Antlitzes, ob in einer detailgetreuen, fein erarbeiteten Zeichnung von stoffichen Details oder in der launigen Schilderung des Bauernalltags: Seine Werke waren für eine ganze Künstlergeneration richtungweisend – schildernd, erklärend, moralisierend und sozialkritisch zugleich. Auch mit seinem Eintreten für das Naturstudium und die Freilichtmalerei und damit gegen die akademische Maltradition wies Waldmüller weit in die Zukunft.
Das Belvedere ist im Besitz des Waldmüller-Archivs und der weltweit größten Sammlung seiner Werke. In der rund 120 Werke umfassenden Retrospektive werden die Hauptwerke aus der Sammlung des Belvedere durch Leihgaben aus nationalen und internationalen Sammlungen ergänzt. Einige bislang verschollen geglaubte Gemälde werden erstmals öffentlich präsentiert.
Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit dem Musée du Louvre, Paris.
WIENER MUSTERZIMMER
Gilbert Bretterbauer | Peter Kogler | Florian Pumhösl | Gerwald Rockenschaub Lisa Ruyter | Esther Stocker
Orangerie, Unteres Belvedere
23. September 2009 – 31. Januar 2010
Wiener Musterzimmer ist ein Ausstellungsprojekt an der Schnittstelle von Kunst und Design. Den Ausgangspunkt bildet die Idee eines Idealraums, in dem alle raumbildenden Elemente, Materi- alien, Texturen, Strukturen und Farben aufeinander abgestimmt sind. Dieses Thema kann von den für diese Ausstellung ausgewählten Künstlern völlig frei interpretiert werden, formalistisch-abstrakt oder illustrativ-innenarchitektonisch. Als gemeinsamer Rahmen für die „Musterzimmer“ sind sechs gleiche, schachtelförmige und im Raum variable Elemente mit den Außenmaßen 384×384×271,5 cm vorgegeben.
Die österreichischen bzw. in Österreich lebenden Künstler Gilbert Bretterbauer, Peter Kogler, Florian Pumhösl, Gerwald Rockenschaub, Lisa Ruyter und Esther Stocker gehören zu den bekanntesten ihrer Generation und wurden im Hinblick auf spezielle Aspekte ihrer Arbeit wie ihre systematischen Untersuchungen zu Muster und Ornament, die Beschäftigung mit Zeichen und Symbolen, deren Addition, Mutation und serielle Anwendung, aber auch ihre interdisziplinäre Arbeitsweise und ihr Interesse an den Bezugsfeldern Design, Mode und Architektur für dieses Projekt ausgewählt. Die Künstler bringen ihr in der Kunstproduktion entwickeltes, originäres, hoch spezialisiertes und unverbrauchtes Formenvokabular in den Designprozess ein. Ihr Interesse am Projekt liegt in der Überprüfung der Selbstbehauptungskraft ihrer künstlerischen Formensprache in alltagskulturellen Kontexten.
Die Ausstellung wird von Edelbert Köb, Direktor des Museum Moderner Kunst Wien, kuratiert.
HERBERT BOECKL. RETROSPEKTIVE
Unteres Belvedere
21. Oktober 2009 – 31. Januar 2010
Herbert Boeckl (1894-1966) zählt zu den Hauptvertretern der Moderne in Österreich. Er war ein bedeutender Vermittler von zentralen künstlerischen Idealen der Moderne vor dem Ersten Weltkrieg über die Zwischenkriegszeit bis in die Wiederaufbauzeit nach 1945. Als Maler und auch als Professor und später als Rektor der Akademie der bildenden Künste in Wien prägte der Adolf Loos-Schüler und Autodidakt mit seinen Ansichten zu Kunst und Ästhetik die heimische Kunst- welt.
Aufbauend auf den Errungenschaften der “Neukunstgruppe” um Egon Schiele und Oskar Kokoschka avancierte Boeckl in den 1920er–Jahren zum Hauptvertreter der expressiven modernen Malerei Österreichs, die sich vor allem mit Figuren und Landschaften befasste. Die intensive Au- seinandersetzung mit den Errungenschaften von Paul Cézanne seit einer Studienreise nach Paris 1923 legte die Basis für eine neue, tektonische Auffassung der figurativen Malerei. In den 1930er Jahren variierte Boeckl den zeittypischen Trend zur Klassik mit einem aufwühlend-pastosen Stil, der Körper zu Sinnträgern existentieller Fragen umdeutete - erkennbar vor allem in den bekannten Zeichnungen der Serie zur „Anatomie“. Nach dem weitgehenden Rückzug vom offziellen Kunstbetrieb während des Krieges setzte Boeckl ab 1945 die Lehre des Kubismus mit einem neuen, collageartigen Stil fort, der neben der Malerei auch in Fresken und Wandteppichen Anwendung fand.
Die Retrospektive einer der zentralen Figuren der modernen Kunst Österreichs präsentiert in einem Werküberblick der Jahre 1914–1964 rund 120 Ölbilder, Aquarelle, Zeichnungen und Collagen, darunter etwa die Entwürfe für den größten sakralen Freskenzyklus der europäischen Mod- erne, den Boeckl 1952–1960 in der Engelkapelle im Stift Seckau in der Steiermark malte.
Kuratoren
Agnes Husslein-Arco
Veronika Pirker-Aurenhammer (Mittelalter)
Michael Krapf (Barock)
Sabine Grabner (19. Jahrhundert)
Stephan Koja (20. Jahrhundert)
Eva Maria Stadler (21. Jahrhundert)
Dietrun Otten (Sonderausstellungen)
Gastkuratoren
Sabine B. Vogel (Die Macht des Ornaments)
Sabeth Buchmann, Kathi Hofer (Empfndung. In der Nähe der Fehler liegen die Wirkungen)
Jean Louis Gaillemin (Alfons Mucha)
Edelbert Köb (Wiener Musterzimmer)
Matthias Boeckl (Herbert Boeckl)
Kontakt
Belvedere
Prinz Eugen-Straße 27
A-1030 Wien
T + 43 1 79557-0
info@belvedere.at
www.belvedere.at
Besucheradressen
Oberes Belvedere
Prinz Eugen-Straße 27
A-1030 Wien
Unteres Belvedere
Orangerie, Prunkstall
Rennweg 6
A-1030 Wien
Augarten Contemporary
Scherzergasse 1a
A-1020 Wien
Stichwörter / Tags: Ausstellungsprogramm, Österreich, Belvedere, Wien
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