„DENKEN IST UNGESUND“ TALK-SHOW IM RAHMEN DER AUSSTELLUNG „UWE LAUSEN. ENDE SCHÖN ALLES SCHÖN“
MIT MARGRIT BREHM, MARTIN BÜSSER, TANIA MARTINI, ROBERTO OHRT UND KLAUS WALTER. MODERATION: MATTHIAS ULRICH (SCHIRN)
Mittwoch, 19. Mai 2010, 19 Uhr
Schirn Kunsthalle Frankfurt
Eintritt frei (ohne Ausstellungsbesuch)
Anmeldung erforderlich: Tel. 069-29 98 82-112, fuehrungen@schirn.de
Im Rahmen der Ausstellung „Uwe Lausen. Ende schön Alles schön“ veranstaltet die Schirn Kunsthalle Frankfurt am Mittwoch, 19. Mai 2010 um 19 Uhr eine Talk-Show unter dem provokanten Titel „Denken ist ungesund“. Moderiert von Matthias Ulrich, Kurator der Schirn, diskutieren die Autorin Margrit Brehm, die taz-Wissenschaftsredakteurin Tania Martini, die Autoren Roberto Ohrt und Martin Büsser sowie der Musikjournalist Klaus Walter über die politische Seite im Leben und Werk Uwe Lausens sowie über die gesellschaftlichen Verhältnisse im Nachkriegsdeutschland der 1960er-Jahre.
Kunst und Politik sind im Werk von Uwe Lausen eng miteinander verknüpft. Seine künstlerische Sprache ist beeinflusst vom prosperierenden Nachkriegsdeutschland und einer Weiterführung der patriarchalen Herrschaft der 1950er- und 1960er-Jahre. Lausens Befreiungsversuche aus den gesellschaftlichen Konventionen führen ihn nach dem Abitur zunächst zum Studium der Philosophie und Rechtswissenschaften nach Tübingen und München, bevor er über die Literatur zur Kunst findet. Es folgen der Anschluss an verschiedene künstlerische Gruppierungen wie SPUR und Situationistische Internationale sowie längere Phasen intensiven Drogenkonsums, die im Alter von 29 Jahren mit dem Freitod des Künstlers enden. Seine Kritik an der Gesellschaft und der Versuch, Widersprüche und Spannungen in der bundesdeutschen Gesellschaft aufzudecken, finden sich in den Motiven und vieldeutigen Anspielungen seiner Bilder wieder. Dabei kristallisieren sich Themenkomplexe wie „Der Künstler als Killer“, „Faszination Sex und Gewalt“ oder „Das Wohnzimmer als Tatort“ heraus. Das Wohnzimmer deutscher Neubauwohnungen – immer wieder durch Blümchentapeten, Sitzmöbel und dicke Teppiche angedeutet – bleibt dabei nicht nur verhasstes Substitut für das vor Biederkeit erstarrende Wirtschaftswunder. Spätestens ab 1967 wird es für Lausen gleichsam zum Ort des Verbrechens, des Mordes, Selbstmordes und der Vergewaltigung.
Die Teilnehmer der Diskussionsrunde beschäftigen sich mit Lausens Identität als Künstler, der Ästhetisierung des Politischen und utopischen Aspekten seiner Kunst im Spiegel der künstlerischen Strömungen und Künstlergruppen der Zeit und diskutieren die besondere Bildsprache des Malers, die durch motivische Zweckentfremdungen und das Stilmittel des Samplings geprägt ist.
KURZBIOGRAFIEN DER TEILNEHMERINNEN UND TEILNEHMER
Dr. Margrit Brehm (Autorin und Kuratorin, Karlsruhe) studierte Kunstgeschichte und Literatur in Freiburg, Wien und Rom und promovierte über die „Fortuna Critica“ von Michelangelo Merisi, gen. Caravaggio. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind die wechselseitigen Einflüsse zwischen zeitgenössischer Kunstproduktion und gesellschaftlichen Phänomenen beziehungsweise der durch sie geprägten Wahrnehmungsmechanismen. Sie veröffentlichte Untersuchungen zu Postminimalismus, „Bad Painting“ und zur zeitgenössischen japanischen Kunst sowie zahlreiche Texte u. a. über John M. Armleder, Tracey Emin, Tobias Rehberger, Cindy Sherman und Paul Thek. Von 1992 bis 2002 war die promovierte Kunsthistorikerin stellvertretende und interimistische Leiterin der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden und von 2003 bis 2005 Chefkuratorin am Museum der Moderne Salzburg. Seit 2006 ist Dr. Margrit Brehm freiberuflich als Autorin und Kuratorin tätig.
Martin Büsser (Autor und Journalist, Hamburg) studierte Vergleichende Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft in Mainz und arbeitet heute als Autor und Journalist, u. a. für konkret, Intro, Jungle World und Die Zeit. Seine Themenschwerpunkte liegen im Bereich der Kulturpolitik, Cultural Studies und Subkulturen. Martin Büsser ist Mitherausgeber der Buchreihe „testcard – Beiträge zur Popgeschichte“, veröffentlichte das Buch „Antifolk“ (2005) und war Herausgeber der Publikation „Emo – Portrait einer Szene“ (2009).
Tania Martini (Autorin und Journalistin, Wien) studierte Politikwissenschaften und arbeitet heute als Redakteurin für Geisteswissenschaften und das politische Buch für die Tageszeitung taz. In den 1990er-Jahren war sie Mitherausgeberin der Subtropen und von 2004 bis 2008 Redakteurin der Zeitschrift Wespennest in Wien.
Dr. Roberto Ohrt (Ausstellungsmacher und Autor, Hamburg) promovierte 1988 zum Thema „Phantom Avantgarde – Eine Geschichte der Situationistischen Internationale und der modernen Kunst“ und veröffentlichte zahlreiche Schriften zu den Situationisten und Künstlern wie Martin Kippenberger, Veronique Bourgoin, Raymond Pettibon, Andreas Hofer, Paul Thek, André Butzer oder Jason Rhoades. Roberto Ohrt organisierte Ausstellungen für das Centre Georges Pompidou, das ZKM Karlsruhe, den Golden Pudel Club (Hamburg), die Transcontinental Nomadenoase (Miami und Mexiko City) oder das Museum der Moderne Salzburg und ist Mitbegründer der Akademie Isotrop (Hamburg, 1996–2001) und der Edition Silverbridge (Paris/San Francisco). Kürzlich erschien die Publikation „Heilige Furcht“ (Fundus Verlag, 2009) sowie eine Auswahl der Schriften von Edgar Wind in gemeinsamer Herausgeberschaft mit John Krois.
Matthias Ulrich (Kurator der Schirn, Frankfurt am Main) studierte Soziologie und Philosophie in Frankfurt am Main und arbeitete im Anschluss für die Kerstin Engholm Galerie in Wien. Seither kuratierte Matthias Ulrich Ausstellungen u. a. mit Hans Schabus, Yael Bartana und Dave Muller. Seit 2004 ist er als Kurator an der Schirn Kunsthalle Frankfurt und kuratierte u. a. die Ausstellungen „Die Jugend von Heute“, „Die Eroberung der Straße. Von Monet bis Grosz“, „In Concert 1 + 2“ und „Playing the City I+II“. In Einzelausstellungen zeigte Matthias Ulrich Künstler wie Jan de Cock, Ayse Erkmen und die Icelandic Love Corporation.
Klaus Walter (Autor, Musikjournalist und DJ, Frankfurt am Main) ist seit Mitte der 1970er-Jahre als Autor und DJ in den Themenfeldern Popkultur, Sport und Politik tätig. In den 1980er-Jahren arbeitete er als Redakteur bei der Zeitschrift Pflasterstrand und seit 1984 als Radio-DJ beim Hessischen Rundfunk. Seine Sendung „Der Ball ist rund“ wurde von den Lesern der Fachzeitschriften Spex und Intro mehrfach zur besten Radiosendung Deutschlands gewählt. Seit Januar 2008 arbeitet Klaus Walter als Redakteur und Moderator beim Internetradio ByteFM, das 2009 den Grimme Online-Award gewann. 2005 veröffentlichte er „Plattenspieler“, ein gemeinsames Gesprächsbuch mit Frank Witzel und Thomas Meinecke. 2009 folgte die Fortsetzung unter dem Titel „Die Bundesrepublik Deutschland“. Derzeit arbeitet Klaus Walter an einem Buch über die Geschichte der Frankfurter Subkulturen.
DIE AUSSTELLUNG „UWE LAUSEN. ENDE SCHÖN ALLES SCHÖN“
Uwe Lausens Werk zählt zu den stärksten, jedoch bislang immer noch wenig bekannten Positionen der figurativen Malerei der 1960er-Jahre in Deutschland. Anlässlich seines vierzigsten Todestags im Jahr 2010 widmet die Schirn dem mit 29 Jahren durch Freitod aus dem Leben geschiedenen Autodidakten eine große Überblicksausstellung. Innerhalb von nur neun Jahren schuf Lausen ein von rasanten Entwicklungssprüngen gekennzeichnetes künstlerisches Werk, in dem er auf überzeugende Weise den ab 1964 aus England und Amerika einbrechenden Einfluss der Pop-Art in eine sehr eigene und zeitgemäße Sprache übersetzte. Dabei ging es ihm nicht um die Schilderung der banalen Konsumwelt, sondern um die schonungslose Darlegung menschlicher und gesellschaftspolitischer Dramen. In verzweifelt aggressiver Form, die sich in seinen Arbeiten in einem kühlen Realismus niedergeschlagen hat, übte Lausen Kritik an den gesellschaftlichen Zwängen der Zeit und nahm dabei Tendenzen vorweg, die im Deutschen Herbst offen zutage traten. Gleichzeitig entwickelte er eine markante und kontrastreiche Bildsprache, die aus heutiger Sicht höchst aktuell ist und ein jüngeres Publikum ebenso begeistert wie Lausens eigene Generation. Die Ausstellung in der Schirn umfasst neben 50 Gemälden und ebenso vielen Arbeiten auf Papier auch einen der Wohnsituation des Künstlers nachempfundenen Raum. Hier sind Aufnahmen von Uwe Lausen mit dem Musiker Hans Poppel und Texte des Künstlers zu hören sowie Fotografien seiner Ehefrau, der Fotografin Heide Stolz, zu sehen.
ORT: SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT, Römerberg, D-60311 Frankfurt. INFORMATION: www.schirn.de, E-Mail: fuehrungen@schirn.de, Telefon: (+49-69) 29 98 82-112, Fax: (+49-69) 29 98 82-240. EINTRITT TALK-SHOW: frei. EINTRITT AUSSTELLUNG: 7 €, ermäßigt 5 €. ANMELDUNG: erforderlich unter Tel. 069-29 98 82-112, fuehrungen@schirn.de.
Medienmitteilung
Schirn Kunsthalle Frankfurt
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