Die Liebieghaus Skulpturensammlung präsentiert sich neu
Die Liebieghaus Skulpturensammlung präsentiert sich nach einer fünfeinhalbmonatigen Umbauphase ab 13. März 2008 neu.
Im Zuge dieser größten Infrastrukturmaßnahme seit 1990 wurde als markantestes Zeichen ein übergreifendes Farbkonzept eingeführt. Einzelobjekte und Werkgruppen heben sich in den Sammlungssälen nun präzise von roten, blauen, dunkelgrünen und grauen Wänden ab und gewinnen damit deutlich an Prägnanz. Eine weitere wesentliche Neuerung stellt das innovative Lichtkonzept dar. Die Lichtdecken wurden vollkommen erneuert, Hunderte neu installierte Strahler lassen die einzelnen Exponate akzentuiert hervortreten und ihre volle Wirkung im Raum entfalten. Außerdem wurde das original erhaltene Dachgeschoss der Villa mit seiner prachtvollen historistischen Innenausstattung erstmals öffentlich zugänglich gemacht und in atmosphärische Studioli-Räume verwandelt, die eine lebhafte Vorstellung des Sammelns und Forschens im 19. Jahrhundert vermitteln. In die Umbaumaßnahmen wurden alle Sammlungsteile vom Mittelalter bis zum Klassizismus sowie Ostasien einbezogen. Die Antikenabteilung wird anlässlich der Ausstellung „Launen des Olymp. Der Mythos von Athena, Marsyas und Apoll“ ab 22. Mai neu vorgestellt. Neben den baulichen Maßnahmen wurde auch das Vermittlungsprogramm des Liebieghauses erweitert: Erstmals gibt es einen Museumsführer, der die Meisterwerke aller Epochen vereint, erläuternde Texte zu den Objekten und Räumen, einen Audioguide für Erwachsene und Kinder sowie eine Reihe von neuen Vermittlungsprogrammen wie die neue internationale Vortragsreihe „Liebieghaus Positionen“. Die Neupräsentation wird dem Publikum vom 13. bis 20. März im Rahmen einer Festwoche mit zahlreichen Vermittlungsprogrammen vorgestellt.
„Das Liebieghaus gehört zu den schönsten Orten in Frankfurt und beheimatet zugleich eine der qualitätsvollsten Skulpturensammlungen Europas,“ so Max Hollein, Direktor des Liebieghauses. „Aufgrund seiner Geschichte verbindet das 1909 eröffnete Museum auf einzigartige Weise musealen Repräsentationsraum mit dem privaten Ambiente einer historistischen Stadtvilla. Mit der Neugestaltung, welche die Skulpturen durch Licht und Farbe eindrucksvoll hervortreten lässt, wird das Haus den Anforderungen des zeitgemäßen Museumsbetriebs gerecht werden können, ohne dabei – und das war uns besonders wichtig – seine historische Einzigartigkeit und intime Ausstrahlung einzubüßen.“
Prof. Dr. Felix Semmelroth, Kulturdezernent der Stadt Frankfurt, hält die Neugestaltung des Liebieghauses „für außerordentlich gelungen und wegweisend in seinem Umgang mit gewachsenen Strukturen. Die Neugestaltung ist jedoch nicht nur für die Zukunft des Liebieghauses von zentraler Bedeutung, sondern auch für das gesamte Museumsufer, innerhalb dessen die Skulpturensammlung mit ihren insgesamt 3.000 Exponaten aus fünf Jahrtausenden ein ganz besonders Kleinod darstellt. Dass es jetzt in neuem Licht erstrahlt, dafür gebührt vor allem Max Hollein, dem Direktor des Liebieghauses, und den Sammlungskuratoren sowie den Architekten großer Dank.“
Ziel der Neupräsentation, die von der Leitung des Hauses gemeinsam mit dessen Kuratoren Vinzenz Brinkmann (Antike und Ostasien), Maraike Bückling (Renaissance bis Klassizismus) und Stefan Roller (Mittelalter) erarbeitet wurde, war es, den einzigartigen Charakter des Liebieghauses zu akzentuieren sowie die Besonderheiten der Exponate und der einzelnen Stile prononciert, prägnant und damit klar erkennbar vor Augen zu führen. In Zusammenarbeit mit den Architekten Wilfried Kühn und Nina Beitzen des Berliner Büros Kühn Malvezzi wurde eine Lösung entwickelt, deren augenfälligstes Zeichen ein raumübergreifendes Farbkonzept ist, das die bisher weißen Wände ersetzt. Warmgraue, rote, blaue und dunkelgrüne Wände bilden einen kontrastreichen Hintergrund, vor dem sich die Exponate besonders gut abheben. Sockel und Podeste sind durchgehend in Anthrazit gehalten und variieren je nach Raum und Exponat in Größe und Form.
Ein weiterer wichtiger Beitrag zur Neugestaltung ist das ganzheitliche Lichtkonzept: Neben einer ausgewogenen Grundbeleuchtung werden die Objekte mittels hochwertiger, in umlaufende Schienensysteme eingesetzter, steuerbarer und extrem energiesparender kleiner LED-Strahler individuell ausgeleuchtet. Mit nur 2,5 Watt pro Strahler bzw. 5 Watt bei zwei Strahlern kann ein Objekt statt mit bisher mindestens 50 Watt aus einer Höhe von 5 bis 6 Metern optimal ausgeleuchtet werden. Dank dieser innovativen LED-Technik können die Skulpturen eine fokussierte und optimale Raumwirkung entfalten, ohne dass sichtbare Halogenstrahler den Gesamteindruck des Raumes beeinträchtigen. In weiteren Räumen sorgen Lichtdecken mit warmweißen und tageslichtweißen Leuchtstofflampen hinter Milchglasplatten für einen Tageslichteindruck. „Für uns ist das Lichtkonzept nicht zuletzt auch in ästhetischer Hinsicht die ideale Lösung“, so Max Hollein, Direktor des Liebieghauses, „da es sich durch sein elegantes Design gegenüber den Skulpturen völlig zurücknimmt.“
Für das Lichtkonzept zeichnet die Lichtdesignfirma supersymetrics verantwortlich. Das auf dem Sektor innovativer Lichtlösungen international führende österreichische Unternehmen Zumtobel Lighting GmbH hat den Umbau des Liebieghauses durch die Zurverfügungstellung der gesamten Lichtkörper großzügig gefördert. Unterstützung erfuhr das Liebieghaus auch durch den internationalen Technologiekonzern Schott, der 800 maßangefertigte Opalika-Milchglasplatten zu einem Vorzugspreis geliefert hat.
Aber nicht nur die Sammlungspräsentation, auch das Liebieghaus selbst erlebt eine Neuinszenierung. Die ursprünglichen Räume der historistischen Villa, die 1896 nach Plänen des Münchner Architekten Leonhard Romeis errichtet wurde und zu einem seiner schönsten Bauten zählt, wurden wieder hergestellt. Im Rahmen des Konzeptes von Kühn Malvezzi wurden Blickachsen und Raumbezüge neu inszeniert. Dafür wurden Eingänge in die Räume an die originalen Stellen zurückverlegt und mit neuen Leibungsverkleidungen versehen. In den Sammlungssälen schafft eine die Kontinuität zwischen der Villa und der 1909 angefügten Galerie betonende Grundbeleuchtung im Zusammenspiel mit dem gefilterten Tageslicht eine gleichmäßige Grundstimmung. Ein Einblick in das historische Erscheinungsbild des Hauses erschließt sich den Besuchern nun erstmals wieder im Dachgeschoss, dessen original erhaltene Räume und Möbel im Zuge der Neugestaltung adaptiert und öffentlich zugänglich gemacht wurden.
Festwoche: 13. bis 20. März 2008
Liebieghaus Skulpturensammlung, Schaumainkai 71, 60596 Frankfurt am Main
Öffnungszeiten: Di, Fr−So 10.00−17.00 Uhr, Mi und Do 10.00−21.00 Uhr, Montag geschlossen
Eintritt: 7 Euro, ermäßigt 5 Euro, Familienticket 14 Euro, freier Eintritt für Kinder bis 12 Jahre
Fotos Neupräsentation: Norbert Miguletz
Stichwörter / Tags: Frankfurt, Liebieghaus Skulpturensammlung, Skulptur
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