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wechselausstellungen.de | 25. August 2009

Die Pinakothek der Moderne erwirbt 280 Multiples und zehn Originale von Joseph Beuys aus der Sammlung Klüser

Nur wenige Museen in Deutschland verfügen über einen so bedeutenden eigenen Bestand an Werken von Joseph Beuys wie die Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne. Seit ihrer Eröffnung ist die Pinakothek der Moderne in der glücklichen Lage, neben der zentralen Großskulptur »Das Ende des 20. Jahrhunderts« (1986 von PIN. Freunde der Pinakothek der Moderne erworben) einen ergänzenden Block von Beuys Arbeiten zeigen zu können, die als Leihgaben der Sammlung Klüser einen eigenen Raum mit Werken von 1948 bis 1985 füllen.
Dieses Ensemble wurde nun durch einen bedeutenden Komplex von 280 Multiples des Künstlers erweitert. Es ist eine exemplarische Auswahl der insgesamt 550 von Joseph Beuys geschaffenen Auflagenobjekte. Ein Großteil dieser Exponate wird jetzt erstmals in München der Öffentlichkeit vorgestellt. Entstanden in den Jahren zwischen 1965 und 1986, nehmen die alle Lebensbereiche durchdringenden, vielschichtigen Ideen des Künstlers in diesen Multiples konkrete Gestalt an. Sie verdichten sich zu einer Enzyklopädie seines komplexen Denkens und tragen seine Botschaft wie durch ein dichtes Netz von »Antennen« in die Welt.
Der bereits bestehende Beuys-Schwerpunkt der Pinakothek der Moderne erfährt durch diese Erwerbung einen Quantensprung. Er wurde ermöglicht durch die substanzielle Förderung einer dem Hause langjährig verbundenen, privat getragenen Stiftung, die ungenannt bleiben möchte.

Ein weiterer nicht minder bedeutungsvoller Zugewinn ist die Übertragung von zehn Originalen von Joseph Beuys in den Bestand der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Ein gewichtiger Teil der von Bernd und Verena Klüser aufgebauten und seit der Eröffnung als Leihgabe in der Pinakothek der Moderne gezeigten Sammlung wird durch das großzügige Entgegenkommen des Sammlerpaares endgültig in den Bestand des Museums übergeben. Darunter befinden sich eine von Beuys eingerichtete Vitrine (1969-85), die Zinkwanne »Jason II« (1962/80), die Wandarbeit »7 Evolutionäre Schwellen« (1985) und die monumentale, nach Angaben von Beuys post mortem ausgeführte Bronzebadewanne. Das Bronzemodell für den großen Guss befindet sich als Teil des Werks »Badewanne für eine Heldin« (1950/1961/1984) ebenfalls in der Sammlung.

Dieser von zwei Seiten getragene, substanzielle Zuwachs konnte nur durch eine Public Private Partnership gelingen: einerseits die Kooperation zwischen den privaten Sammlern und dem Freistaat zum Nutzen des Museums, andererseits die engagierte Förderung des Hauses durch die Schenkung einer privat getragenen Stiftung. Durch diesen Glücksfall wird die Pinakothek der Moderne dauerhaft zu einem Zentrum für die Begegnung mit der Kunst von Joseph Beuys. Von den Multiples gibt es in Deutschland nur noch im Kunstmuseum Bonn einen Werkkomplex, der in Umfang und Bedeutung vergleichbar ist.

In der Pinakothek der Moderne ist die Beuys-Sammlung in den Räumen 17-20 zu sehen und wird konstant erweitert. Zuletzt kamen als Leihgaben aus der Sammlung Klüser zwei frühe Bronzekreuze und die »Rückenstütze eines feingliedrigen Menschen« hinzu. Auch hier besteht die Absicht, diese Exponate auf Dauer im Museum zu belassen.

Die Künstlerräume in der Pinakothek der Moderne verbinden sich nunmehr zu einer Sammlung, die das Schaffen herausragender europäischer und amerikanischer Künstler in einzigartigen Werkkomplexen oder Installationen vorstellt, von Beuys über Polke zu Palermo oder den ebenfalls in jüngster Zeit geschenkten Arbeiten von Tadeusz hin zu Warhol, Flavin, Judd und Sandback. Die Exponate verdeutlichen exemplarisch den für die Kunst der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts essenziellen transatlantischen Dialog. In der spezifischen Auswahl zeigen sie darüber hinaus, wie eng viele Arbeiten durch ihre Entstehungsgeschichte mit München verbunden sind.
So ist ein Großteil der Beuys-Originale Zeugnis des langjährigen Kontaktes zwischen Beuys und seinem Freund Bernd Klüser. Eine nennenswerte Anzahl der Multiples wurde in München konzipiert wie auch das übergreifende Werkverzeichnis der Multiples hier entstanden ist.1970 erstmals herausgegeben von Bernd Klüser und Jörg Schellmann, verdient dieser umfangreiche Band hier besondere Erwähnung, weil er am Anfang von Bernd Klüsers Galeristen- und Verlegertätigkeit stand. In deren Verlauf gab es zahlreiche Ausstellungen, Projekte und Publikationen mit Joseph Beuys, die in die Geschichte eingegangen sind. Herausragend unter diesen Projekten war das Environment »zeige deine Wunde« im Februar 1976 in der Fußgängerunterführung Maximilianstrasse/Altstadtring. Als es gelang, das Lenbachhaus mit Hilfe eines Mäzens für den Ankauf dieses wichtigen Werkes zu gewinnen, kam es zu einem öffentlichen Skandal mit allerdings gutem Ausgang. Der Streit führte zu einer langfristigen Veränderung des Kunstklimas in der Stadt, zu einer profilierten, internationalen Öffnung der öffentlichen Sammlungen. Vier Jahre später war München dank der Galerie Klüser auch Begegnungsort von Joseph Beuys und Andy Warhol. Eines der dort ausgestellten Beuysportraits, die Warhol kurz zuvor aus Anlass eines Zusammentreffens mit seinem kongenialen europäischen Kollegen hergestellt hatte, wurde bereits im Jahre 2000 für die Sammlung Moderner Kunst erworben und bildet die Scharnierstelle zwischen dem Beuys-Block und dem Warhol- Komplex in der Pinakothek der Moderne und im Museum Brandhorst. Die Sammlung ist Spiegel des internationalen und regionalen Kunstgeschehens geworden. Mit den jüngsten Erwerbungen erhält sie ein neues Gravitationszentrum, das sich erst im Laufe der wechselnden Präsentationen der nächsten Jahre in seinem ganzen Reichtum, seiner Tiefe und Impulskraft erschließen wird.

Kuratorin: Corinna Thierolf

Pressekonferenz:
09.09.2009, 11.00
mit Herrn Staatsminister Dr. Wolfgang Heubisch

Pinakothek der Moderne

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