Expertenführung mit Esther Schlicht im Rahmen der Ausstellung „Zelluloid. Film ohne Kamera“
Dienstag, 22. Juni 2010, 19 Uhr
Schirn Kunsthalle Frankfurt
Eintritt 7 €, ermäßigt 5 €, Abendkasse, kein Vorverkauf
Anmeldung erforderlich: Tel. 069-29 98 82-112, fuehrungen@schirn.de
Im Rahmen der Ausstellung „Zelluloid. Film ohne Kamera“ veranstaltet die Schirn Kunsthalle ein umfangreiches Rahmenprogramm. Am Dienstag, 22. Juni 2010 um 19 Uhr führt Esther Schlicht, Kuratorin der Ausstellung, durch den abwechslungsreichen Parcours der „Filme ohne Kamera“ und stellt herausragende Beispiele des Genres von den 1930er-Jahren bis in die Gegenwart vor. Gemeinsam ist allen Werken, dass das Bild nicht mit der Kamera aufgezeichnet, sondern durch die direkte künstlerische Bearbeitung des Filmstreifens generiert wird. Der neuseeländische Maler und Filmemacher Len Lye (1901–1980) beschreibt die Arbeit an seinem Film Free Radicals (1958) als direkte handwerkliche Auseinandersetzung: „Ich wand meinen ganzen Körper, um eine Spannung in meinen Schultern zu erzeugen – versuchte ein angestrengtes Gefühl höchster Präzision in die Finger beider Hände zu leiten, welche die Nadel hielten, und mit einer plötzlichen Bewegung trieb ich die Nadel durch das Zelluloid und vollendete meinen Entwurf.“ Das Filmmaterial wird auf diese Weise aus seinem konventionellen Verwendungszusammenhang gelöst und gleichsam als Leinwand interpretiert, die der Künstler direkt gestaltet. Das fotografische Bild als Grundlage des Filmmediums wird beim „direct film“ durch eine Vielzahl handwerklicher Bildverfahren ersetzt, die von Malerei und Zeichnung über das Ritzen und Kratzen in der Filmemulsion bis zur Collage oder komplizierten chemischen und physikalischen Prozeduren reicht. In immer neuen Ansätzen wird dabei auch das Verhältnis zur bildenden Kunst ausgelotet: Der „Film ohne Kamera“ erweist sich als eine einzigartige Zwischenform, in der nicht so sehr der Film zur Kunst, sondern vielmehr die Kunst zum Film wird.
Esther Schlicht studierte Kunstwissenschaft und Medientheorie sowie Philosophie, Filmwissenschaft und Film in Köln, Paris und Karlsruhe und arbeitet seit 2004 als wissenschaftliche Mitarbeiterin und seit 2006 als Ausstellungsleiterin und Kuratorin an der Schirn Kunsthalle Frankfurt. Sie realisierte die Ausstellungsprojekte „Die Nackte Wahrheit. Klimt, Schiele, Kokoschka und andere Skandale“ (mit Tobias Natter, 2005), „Max Beckmann. Aquarelle und Pastelle“ (mit Siegfried Gohr und Mayen Beckmann, 2006) sowie „Picasso und das Theater“ (mit Olivier Berggruen, 2006). Esther Schlicht kuratierte die Ausstellungen „René Magritte 1948. La Période vache“ (2008) und „Kunst für Millionen. 100 Skulpturen der Mao-Zeit“ (2009) und zeigte in Einzelausstellungen Siegrun Appelt („114 KW“, 2006) und John Bock („John Bock. Filme“, 2007).
WEITERE VERANSTALTUNGEN IM RAHMEN DER AUSSTELLUNG
Dienstag, 3. August, 19 Uhr
Expertenführung mit Heide Häusler (Projektleiterin der Ausstellung)
Dienstag, 17. August, 20 Uhr
Performance „Alchemie”: Film und Klangprojektion der Künstler Jürgen Reble (ehemals Schmelzdahin) und Thomas Körner
Im Rahmen der Performance „Alchemie” wird eine zehn Meter lange Filmschleife bei laufender Projektion in ihrer Zersetzung gezeigt. Dazu wird das Zelluloid während der Vorführung mit verschiedenen Chemikalien behandelt. Die Betrachter werden Zeugen der Zerstörung, auf deren Höhepunkt die Projektion die Bilder verbrennt und sich selbst beendet.
ORT: SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT, Römerberg, D-60311 Frankfurt. INFORMATION: www.schirn.de, E-Mail: fuehrungen@schirn.de, Telefon: (+49-69) 29 98 82-112, Fax: (+49-69) 29 98 82-240. EINTRITT: 7 €, ermäßigt 5 €, Abendkasse, kein Vorverkauf. ANMELDUNG: erforderlich unter: Tel. (+49-69) 29 98 82-112, fuehrungen@schirn.de
Medienmitteilung
Schirn Kunsthalle Frankfurt