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Kunstausstellungen und Pressenews aus Kunstmuseen, Kunsthallen und Galerien
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wechselausstellungen.de | 24. November 2009

Haus der Kunst Ausstellungsprogramm 2010

Jahrespressekonferenz: Donnerstag, den 3. Dezember um 11 Uhr
Die Kuratoren stellen das Programm 2010 vor


Goldene Zeiten
Teil 1: Steven Claydon, Diango Hernández und Mai-Thu Perret

15.01.2010 - 11.04.2010
Teil 2: Sung Hwan Kim
12.02.2010 - 11.04.2010

Tagtäglich ereignen sich Dinge, die das Potenzial haben, Geschichte zu werden bzw. zu schreiben. Aber wer entscheidet, welche Ereignisse Teil des historischen Kanons werden? Wessen Geschichte wird erzählt und von wem? Die vier zeitgenössischen Künstler, die in dieser Ausstellung vertreten sind, teilen die Überzeugung von Geschichte als instabilem Begriff: Geschichte ist immer auch eine Frage von Interpretation, Erzählung und Fiktion, sie ist fragmentarisch und nicht linear.
Der erste Teil von ’Goldene Zeiten’ zeigt im klassischen Setting einer musealen Präsentation skulpturale und installative Arbeiten von Steven Claydon, Diango Hernández und Mai-Thu Perret.
Steven Claydon (geb. 1969 in London; lebt in London) hat mit Köpfen wie “Walkonian” (2006) und “Spaka Spou” (2007) ernst und erhaben wirkende Skulpturen geschaffen, die an die althergebrachte Ästhetik von Denk- und Mahnmälern erinnern. Gleichzeitig wirken diese Köpfe zeitenthoben, als stammten sie aus einer möglichen Version von Zukunft. Eine zentrale Rolle spielen für Claydon Motive der Verehrung und die Repräsentation von Verehrtem. Dem entsprechend beschäftigen ihn die bestimmten Formen und Materialien zugeschriebenen Vorstellungen und Werte, die er in seinen Arbeiten gegeneinander ausspielt. Seine Skulpturen entstehen in dem Bewusstsein, dass die Bedeutung historischer Objekte auch auf Interpretationen basiert und somit nicht vor Umschreibungen bewahrt ist.
Diango Hernández (geb. 1970 Sancti Spiriti, Kuba; lebt in Düsseldorf) beschäftigt sich mit den Prozessen von Geschichtsschreibung, die für sein Heimatland Kuba charakteristisch sind: der Rhetorik von Fidel Castros politischen Reden; der Vorstellung einer “gelungenen” Revolution, wie sie der Bevölkerung über Jahre vermittelt und implementiert wurde; die schleichende Veränderung von Fidel Castros Regentschaft hin zu einem totalitären System. Bis heute wird in Kuba auf politischer Ebene der Schein einer erfolgreich vollzogenen Revolution aufrecht erhalten. Für Diango Hernández ist die Isolation Kubas vor allem verhinderte Verständigung. Seine Installationen sind Bilder für unterdrückte unmöglich gemachte Kommunikation: ein Rohrleitungsnetz, das sich seinen Weg durch häusliche Gegenstände bahnt und in einem ausgetrockneten Wasserhahn endet; Lautsprecher unter Kinositzen mit abgeschnittenen Kabeln; Tasten von Schreibmaschinen auf der Wasseroberfläche in einem Becken aus rostigem Stahl. In ihnen mischen sich seine individuellen Erlebnisse mit kollektiven Erfahrungen der gesamten Bevölkerung. Mai-Thu Perret (geb. 1976 in Genf, Schweiz; lebt in Genf) hat Literaturwissenschaft studiert und überträgt Erzähltechniken des Romans auf die bildende Kunst. Seit 1998 arbeitet sie an “The Crystal Frontier”: eine fiktive Frauenkommune in der Wüste von New Mexico, deren Existenz Perret mit ebenso fiktiven Dokumenten und Artefakten belegt. Im Haus der Kunst zeigt Mai-Thu Perret nun ein neues Projekt, das sie als ein mögliches historisches Vorbild dieser Kommune ansieht, als deren “archetypische mögliche Vergangenheit”: ein Film, der sich mit dem Bildhauer-Ehepaar Katarzyna Kobro und Wladyslaw Strzeminski beschäftigt, beide Hauptfiguren der polnischen Avantgarde der 1920er-Jahre. Biografischen Szenen werden mit Szenen aus “We” verwoben, einem 1921 vollendeten russischen Sciene-fiction-Roman von Yevgeny Zamyatin über das Leben in einer totalitären Gesellschaft im 26. Jahrhundert. Der Film wird auf die vergrößerte, pavillonähnliche Version einer konstruktivistischen Skulptur von Katarzyna Kobro projiziert. Der zweite Teil der Ausstellung findet in der Mittelhalle (Galerie der Freunde) im Haus der Kunst statt. Mit seiner Präsentation setzt Sung Hwan Kim (geb. 1975 in Seoul, Südkorea; lebt in New York) einen räumlichen und zeitlichen Kontrapunkt zu Teil 1 der Ausstellung. Kim erfasst das Wesen von Geschichten mit einfachsten Mitteln und verdeutlicht diese in Installationen mit Videos, Wandzeichnungen und Artefakten aus seinen Performances. Die Videos, die teils auf eigenen Performances, teils auf schlichten Szenen mit Personen aus seinem Umfeld basieren, sind weniger Dokumentationen, als ausschnitthafte Neuerzählungen aus einem unerwartet individuellen Blickwinkel. Der Besucher wird in ein persönliches Universum eingeführt, in dem ihm Kims teils surreal erscheinende Geschichten durch Bilder, Worte und Musik vermittelt werden. Hochgradig subjektiv, vermitteln sie dennoch den Eindruck, dass sie ein Körnchen Wahrheit bergen.
Die Ausstellung wird von Patrizia Dander und Julienne Lorz kuratiert.
Mit Unterstützung von Outset Contemporary Art Fund e.V. und Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung

Ed Ruscha
50 Jahre Malerei

12.02.2010 - 02.05.2010
In Kooperation mit Hayward Gallery, London, dort 14.10.2009 - 10.01.2010

“Wie jeder andere bin auch ich ein frustrierter Film-Regisseur”, sagte Ed Ruscha augenzwinkernd in einem Interview. Ed Ruscha nutzt eine Vielzahl künstlerischer Ausdrucksformen: Er hat einen Film gedreht und ist ausgebildeter Grafiker; er ist Buchkünstler, Konzeptkünstler, er malt und fotografiert, und die Ausdrucksformen eines Mediums fließen bei der Anwendung eines anderen mit ein; eher als ein “frustrierter Film- Regisseur” ist Ed Ruscha ein Maler, in dessen Werk grafischer Bildaufbau, Wortlandschaften und die Ästhetik des Films eine entscheidende Rolle spielen. Die Ausstellung konzentriert sich auf Ed Ruschas Gemälde.
Wohl mindestens so prägend wie die Begegnung mit dem Abstrakten Expressionismus während seines Studiums am Chouinard Institute dürfte sein Aufbruch in die Stadt gewesen sein, in der sich dieses Institut befindet: Los Angeles. 1956 brach Ed Ruscha mit einem Ford auf der Route 66, damals eine der großen Verkehrsadern, vom kleinstädtischen Oklahoma Richtung Westen auf. Die Rast- und Tankstellen der Route 66 sowie die weite Leere dazwischen wurden für die Generation der 50er-Jahre, von denen viele einfach drauflos fuhren, zu Ikonen: ein amerikanischer Mythos vom Highway, der gleichzeitig Freiheit und Gefahr bedeutete. Die Schriftzüge von Reklametafeln in einer menschenleeren, wie durch die Windschutzscheibe erlebten Landschaft sind von Anfang an in Ed Ruschas Werk präsent. Wie Realitätssplitter stürzen einzelne Worte und steile Diagonalen auf den Betrachter zu.
In Los Angeles fasziniert Ed Ruscha die Ausrichtung der gesamten Stadt auf Hollywood, und ganz allgemein die Phänomene einer Massenkultur. Vergessenes und Weggeworfenes wie eine Schachtel mit Rosinen malt er flachgedrückt, als wäre ein Auto über die Leinwand gefahren (Box Smashed Flat, 1960). Er will die Banalität des Alltags nicht anklagen, sondern zeigt ihre vielfältigen Erscheinungsformen.
Im Film avanciert der Vorspann in diesen Jahren zu einer eigenständigen künstlerischen Kurzform: Wie die Ouverture in der Oper, stimmt der Vorspann den Zuschauer auf den Charakter der Figuren und einzelne Motive der Handlung ein. Diese Randphänomene filmischer Ästhetik greift Ed Ruscha auf: in Bildern wie “Western” (1991), auf denen Senkrechtstreifen wie zerkratztes Zelluloid über den Silhouetten von Indianerzelten liegen, oder “Triumph” (1994) mit dem Schriftzug “The End”, üblicherweise das letzte Standbild eines Spielfilms.
1970 malte Ed Ruscha kein einziges Bild, und von 1971 stammt sein Ausspruch “Ich kann mich nicht dazu bewegen, Farbe auf die Leinwand zu bringen. Ich finde dort keine Aussage mehr.” Sein Nachdenken, welche Bildfindungen Bestand und Daseinsberechtigung haben können, hat ihn seitdem jedoch immer wieder zu neuen bzw. veränderten Lösungen geführt. Neben der internationalen Anerkennung, die ihm sehr früh zuteil wurde, ist er seit den 90er-Jahren für die Kunstszene von Los Angeles zu einem Vorbild geworden.

Weniger ist mehr
Bilder, Objekte, Konzepte
aus Sammlung und Archiv von Herman und Nicole Daled
1966-1978

30.04.2010 - 25.07.2010

Seit Mitte der 1960er-Jahre haben der Brüsseler Arzt Herman Daled und seine damalige Frau Nicole eine Sammlung konzeptueller Kunst aufgebaut. “Je déteste le decor” – dieser Ausspruch von Herman Daled verdeutlicht seine Verweigerung, Kunst einfach nur an die Wand zu hängen, sie zu instrumentalisieren. Herman und Nicole Daled stehen in ihrer Radikalität den zeitgleich arbeitenden Künstlern in nichts nach. Ihre kompromisslose Haltung in Bezug auf die Auseinandersetzung mit einer der wichtigsten Strömungen der jüngeren Kunstgeschichte geht dabei weit über die gängige Praxis des Sammelns hinaus. Grundlage ist die enge Beziehung und der Diskurs mit den Künstlern, die im Hause Daled gern gesehene Gäste sind. Ganz im Sinne der von ihnen entwickelten Vorstellung einer Kunst, die den intellektuellen Gehalt eines Werks über dessen materielle Ausformung stellte, versteht sich das Paar weniger als Sammler, denn als Produzenten, die den Künstlern Möglichkeiten verschaffen, ihre Arbeit auch jenseits der gängigen Mechanismen des Marktes zu realisieren. Davon zeugen nicht nur die eigentlichen Werke, sondern in ebenso bedeutender Weise die akribisch gesammelten und archivierten Dokumente, die Aktionen oder temporär ausgeführte Arbeiten belegen.
Der vielleicht wichtigste Künstler der Sammlung ist Marcel Broodthaers, von dem allein an die 50 Werke in der Sammlung sind. Darüber hinaus enthält sie u.v.a. Werkgruppen von Daniel Buren, Jan Dibbets, Robert Filliou, Dan Graham, Douglas Huebler, On Kawara, Sol LeWitt, Niele Toroni, Lawrence Weiner, Cy Twombly, James Welling.
Die Ausstellung konzentriert sich ausschließlich auf die von 1966 bis 1978 produzierten Arbeiten. Sie wird nicht nur die Werke präsentieren, sondern darüber hinaus die Genese der Sammlung anhand der reichen Dokumente beschreiben, und damit ein lebendiges Zeitbild – eine “Biografie” (Herman Daled) – der intensiven, radikalen Kunstszene in den 1960/70er Jahren entwerfen.

Michael Schmidt
Grau als Farbe
Fotografien bis 2008

21.05.2010 - 22.08.2010

Mit dieser großen Ausstellung setzt das Haus der Kunst seine Reihe monografischer Ausstellungen stilbildender Positionen der Gegenwartsfotografie fort. Nach Bernd und Hilla Becher, Robert Adams, Lee Friedlander und William Eggleston wird nun Michael Schmidt eine speziell auf die Ausstellungsarchitektur des Ostflügels vom Haus der Kunst entworfene Inszenierung seiner Arbeiten der letzten vier Jahrzehnte präsentieren.
Schwarzweißfotografie, so Michael Schmidt, neutralisiere die farbige Welt und reduziere sie soweit wie irgend möglich auf ein breites Spektrum an Grauwerten; so könne sich der Betrachter seine Meinung über ein Foto von einem neutralen Standpunkt aus bilden, ohne emotional durch seine subjektive Wahrnehmung von Farbe abgelenkt zu sein.
Mehr noch als ein Schwarzweißfotograf ist Michael Schmidt jedoch ein Fotograf der Grautöne: “Grau ist meine Farbe. Es gibt ja tausend Abstufungen von Grau. Schwarz und Weiß sind bei mir immer das dunkelste Grau und das hellste Grau.” (ZEIT Magazin 17.5.1996)
Bis in die 90er-Jahre fotografiert Michael Schmidt in der Regel in der Stadt, in der er 1945 geboren wurde: Berlin. Nach der Währungsreform 1949 zog die Familie mehrmals zwischen Ost- und Westberlin hin und her, bis sie 1955 endgültig nach West-Berlin floh. Die Mauer, die das Leben in dieser Stadt prägte, wird 1987 mit “Waffenruhe” Thema von Michael Schmidts fotografischer Arbeit. Ein Jahr später wird der Fotograf durch eine Einzelausstellung im MoMA in New York international bekannt.
Den Bildern von Michael Schmidt fehlt jede oberflächliche Attraktion; sie sind ohne Ereignis und denkbar weit vom fotografischen Konzept des “entscheidenden Moments” entfernt. Seine frühen Stadtteilporträts von Kreuzberg und Wedding, entstanden in den späten 70er-Jahren, richteten den Blick auf Brachen und Leerstellen: die Randgebiete zwischen den Wohnblocks der Nachkriegszeit und noch nicht wieder bebautem Grund. Auch die Porträts von Angestellten aus dieser Zeit sind eine nüchterne, unsentimentale Bestandsaufnahme in ähnlich sachlichem Dokumentarstil. Als Doppelporträt angelegt, zeigen sie die Personen jeweils an ihrem Arbeitsplatz und in ihren Privaträumen; diese Ähnlichkeit der Situationen führt zu ähnlichen Posen und suggeriert ein genormtes Verhalten. Einzelne Gegenstände der Inneneinrichtung oder Büroausstattung – Zimmerlilien, Nierentische, Grastapeten, Bürotelefone und Aktenschränke mit Schiebetüren – sind für den Betrachter heute Symbole deutscher Kulturgeschichte. Immer wieder verändert Michael Schmidt einen einmal ergründeten Ansatz; bei später entstandenen Porträts isoliert er die Person aus ihrem Zusammenhang, und in “Waffenruhe” ersetzt er den Dokumentarstil durch das Fragmentarische, Ausschnitthafte. In “Ein-heit” (1991-1994), eine Sammlung von 161 Einzelbildern über die deutsche Wiedervereinigung, nimmt Michael Schmidt neben eigenen Bildern auch andere auf, die er in Zeitschriften, Zeitungen und Propagandamaterial gefunden hat – denn ein gedrucktes Bild ist für ihn “genauso Realität wie alles andere”. So verquickt er individuelle mit kollektiven Erinnerungen, vermischt Bilder aus Ost- mit Bildern aus Westberlin. Für den Betrachter wird durch den absichtsvollen Mangel an Informationen, die das Bild bereithält, eine eindeutige Zuordnung zu einem bestimmten Ort, Moment oder politischen System unmöglich: zum Ornament aufgestellte Turnerinnen, Militärparaden, Fabrikarbeiterinnen, Porträts von Göring, Adenauer und Honecker, sie alle ergeben gemeinsam ein großes Fragezeichen: Ost und West, was war das eigentlich? Die Arbeit handelt auf einer allgemeingültigen Ebene die Zeichensprache politischer Systeme ab. Zugleich untersucht sie zutiefst menschlich die scheinbar schicksalhaft vorgegebenen Rollen der agierenden Individuen.
Seit den 90er-Jahren hat Michael Schmidt den Radius seiner Aktivitäten ausgeweitet: auf Reisen durch die deutsche Provinz entstand die Serie “Irgendwo”. Die neuesten Arbeiten der Ausstellung zeigen Sichten auf das Meer, die Schmidt auf Reisen aufgenommen hat.
Die umfassende Übersichtsausstellung wird von Thomas Weski kuratiert.
Mit Unterstützung von Bayerische Hausbau GmbH

Thomas Mayfried
Ephemera
Grafik Design etc.

21.05.2010 - 22.08.2010

2003 war das Haus der Kunst München auf der Suche nach einem neuen Erscheinungsbild: Das neue Team plante, das Haus auch den Themen Architektur, Design, Mode, Film und Fotografie zu öffnen. Das Haus lud zu einem Wettbewerb ein und wählte aus den eingereichten Vorschlägen den Entwurf von Thomas Mayfried. Er hatte mit den Assoziationen Cinema, Bühne, Zirkus jongliert; für das veränderte Ausstellungsprogramm des Hauses war eine grafische Entsprechung gefunden. Das Gebäude des Haus der Kunst ist eines der ersten architektonischen Propagandaprojekte des NS-Regimes. Die historische Innenarchitektur sowie die Originalbeschriftung in Versalien sind zum Großteil noch vorhanden. Der von Chris Dercon initiierte Kritische Rückbau stellte den baulichen Originalzustand peu à peu wieder her, um so den offenen Umgang mit der Geschichte zu ermöglichen. Beide Aspekte, der Kritische Rückbau und das pluralistisch angelegte Programm, waren Grundlage der neuen Corporate Identity.
Thomas Mayfried führte das absolute Gegenteil der NS-Versalien ein: Kleinschreibung, Asymmetrie und eine wenig prätentiöse Schrift, die Helvetica, eine der weitest verbreiteten Schriften weltweit. Seit den 1960er-Jahren bis 2003 wurden immer wieder Abstraktionen der Fassade als Logo verwendet. Da nun der Umgang mit der Geschichte des Gebäudes Bestandteil des künstlerischen Programms wurde, galt es auch eine neue Form von Logo zu finden. Thomas Mayfried führte die prägnante Wortmarke “hausderkunst” ein, mit der die Abbildung der Architektur des Hauses im Logo glücklich abgeschafft war. Für das neue hausderkunst-Logo und um die Idee von Cinema, Bühne usw. zu illustrieren wählte Thomas Mayfried eine Punktschrift. Dieser Schriftfont, entworfen vom Schweizer Designer Mischa Leiner, lässt sich perfekt mit der Helvetica kombinieren, da er auf Basis derselben Proportionen gezeichnet wurde.
Die Präsentation ermöglicht einen Blick in das Studio des Designers und den Prozess des Entwerfens, zeigt Einflüsse und favourites. Arbeiten von Jean-Luc Godard, William Klein, Alexander Rodtschenko, Dan Graham, Massimo Vignelli u.a. stehen neben stilbildenden Designs für andere Kunstmuseen wie z.B. Arbeiten von Wim Crouwel für das Stedelijk Museum Amsterdam, von Mevis & van Deursen für das Museum Boijmans Van Beuningen oder etwa von Spin für die Whitechapel Gallery London.
Die Ausstellung wird kuratiert von Swantje Grundler und Thomas Mayfried.

Die Zukunft der Tradition - die Tradition der Zukunft
100 Jahre nach der Ausstellung “Meisterwerke muhammedanischer Kunst”

17.09.2010 - 09.01.2011

1910 fand im Münchener Ausstellungspark, heute Theresienhöhe, ein einmaliges und nie wiederholtes Ereignis statt: Mit fast 3.600 Exponaten in 80 Räumen zeigte und würdigte eine Ausstellung das gesamte Spektrum der visuellen Kultur der islamischen Welt. Aus ihrem Titel “Meisterwerke muhammedanischer Kunst” sprach der damalige eurozentrische Blick. Dennoch setzte diese Ausstellung neue Maßstäbe für Rezeption und Erforschung islamischer Kunst im Westen. Bahnbrechend war ihre puristische Präsentation, die neue kunsthistorische Verbindungen herstellte und die einzelnen Exponate als Kunstwerke zelebrierte. Der dreibändige Ausstellungskatalog hat Museen und Universitäten, die sich mit islamischer Kunst in Europa und den USA beschäftigten, bis weit in die 1950er-Jahre beeinflusst. Unter den hunderttausend Besuchern waren Pioniere der westlichen modernen Kunst, unter anderem Wassily Kandinsky und Franz Marc, die von der islamischen Abstraktion tief beeindruckt waren und sie als Vorbild und Richtwert erkannten.
Anlässlich des 100. Jahrestages dieser Ausstellung lädt das Haus der Kunst Künstler, Kuratoren und Institutionen aus verschiedenen Gegenden ein, auf die Ausstellung von 1910 zu reagieren. Es ist unser Anliegen, dies in aller Bescheidenheit zu tun, denn wie der ägyptische Kurator Bassam el Baroni richtig bemerkt hat: “Es kann noch einmal 100 Jahre dauern, bis sich ein tieferer Sinn für kulturelle und künstlerische Reziprozität herausgebildet hat; im Jahr 2110 werden wir Begriffe wie ‘islamisch’ oder ‘nahöstlich’ vielleicht nicht mehr verwenden müssen.”
Die Ausstellung ist kreisförmig angelegt. Eine Dokumentation über die historische Ausstellung führt den Besucher in die Mitte dieses Kreises. In diesem Zentrum mit dem Titel “Tradition” werden rund dreißig der berühmtesten Teppiche, Vasen, illuminierten Handschriften und andere Exponate der Ausstellung von 1910 gezeigt. Im inneren Kreis werden Repräsentanten der östlichen Moderne des 20. Jahrhunderts ausgestellt; der äußere Kreis ist den Zeitgenossen gewidmet.
Kuratorenteam: Chris Dercon, Direktor am Haus der Kunst; Professor Dr. Avinoam Shalem, Professor für Geschichte der islamischen Kunst an der Ludwig-Maximilians- Universität München und Max-Planck-Fellow am Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte in Florenz; Dr. León Krempel, Kurator am Haus der Kunst. Ein Katalog wird die Ausstellung begleiten.
Anlässlich des 100. Jahrestages der Ausstellung von 1910 sind auch in verschiedenen anderen Institutionen in München – dem Museum für Völkerkunde, der Bayerische Staatsbibliothek, dem Filmmuseum und der Villa Stuck – im Herbst 2010 Ausstellungen und Veranstaltungsreihen geplant.
Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes und die Schörghuber Unternehmensgruppe
Unterstützt von Goethe-Institut Ägypten

Marlene Dumas - “Tronies”
29.10.2010 - 06.02.2011

Im Blickfeld der Schau steht die erst in jüngster Zeit von der kunstgeschichtlichen Forschung entdeckte Bildaufgabe der “Tronie”: Darstellungen von Köpfen, die sich durch starken Ausdrucksgehalt und besonders virtuose Handhabung der künstlerischen Mittel auszeichnen. Als selbständige Bildaufgabe hatte sich die Tronie um 1630 bei Jan Lievens und Rembrandt in Leiden etabliert. Das bekannteste Beispiel ist das berühmte Gemälde “Mädchen mit dem Perlenohrring” von Johannes Vermeer (um 1660-70). Auch berühmte flämische Maler wie Rubens und Van Dyck haben sich dieser Gattung gewidmet. Die Tronies unterscheiden sich von verwandten Formen der Figurenmalerei durch Eigenschaften, die sie für ein zeitgenössisches Publikum interessant machen: Anders als Bildnisse wurden sie für den freien Markt geschaffen; und anders als Figurenbilder und religiöse Einzelfiguren lassen sie sich nicht auf moralische oder erzählende Inhalte festlegen. Vielmehr loten sie das Spektrum menschlicher Physiognomie und Affektäußerung aus und spiegeln charakterologische Vorstellungen, die der Frühgeschichte der Psychologie angehören.
Um die Artikulation von Affekten geht es auch bei Marlene Dumas. Im Gegensatz zu den niederländischen Malern, die vom lebenden Modell ausgingen, arbeitet Marlene Dumas, die 1976 aus Südafrika nach Amsterdam übersiedelte, überwiegend mit Kopien von fotografischen Reproduktionen aus Büchern und Printmedien. Immer wieder bezieht sie sich auf Werke der Kunstgeschichte: Gemälde von Caravaggio und Courbet, oder auch spätgotische Bildhauerei. Für eine Gegenüberstellung mit niederländischen Tronies kommen zum einen Einzelblätter aus ihren Serien von Papierarbeiten wie “Females” (1992-93) oder “Models” (1994) in Frage. Zum anderen bieten sich ihre oft überlebensgroß gemalten Gesichter an, die häufig anspielungsreiche Titel wie “The Believer” (2005) tragen. Eines der jüngsten Bilder in dieser Kategorie, “Waterproof Mascara” (2008), erinnert an die barocke Metapher von der Welt als Bühne, auf der jeder seine ihm zugewiesene Rolle zu spielen hat.
Marlene Dumas war 1990 auf Einladung der damaligen Staatsgalerie Moderner Kunst in den Räumen des Haus der Kunst präsent (”The Origin of the Species”). Die neueren Einzelausstellungen in Kapstadt (2007-08), Tokio (2007), Los Angeles, New York und Houston (2008-09) belegen, wie stark sich ihre internationale Bedeutung seitdem gefestigt hat. Das Haus der Kunst setzt nun auf eine intime Präsentation. Ausgewählte Gemälde und Zeichnungen, darunter auch neue und nie gezeigte, treten in den Dialog mit Glanzlichtern der niederländischen Malerei.

Stand: 20.11.2009, Änderungen vorbehalten

Haus der Kunst



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