Iris Berben liest aus dem Buch “Meine Leben” von Isabelle Choko
Sonntag, 19. April 2009 um 19 Uhr, Sprengel Museum Hannover (Auditorium)
Iris Berben, eine der bekanntesten und profiliertesten deutschen Schauspielerinnen, engagiert sich seit vielen Jahren gegen Vergessen, gegen Antisemitismus und für Toleranz. Ende der 1990er Jahre liest sie gemeinsam mit ihrem Sohn an Schulen aus dem Buch „Mama. Was ist Auschwitz?“, ein großer Erfolg werden 2002 ihre von Michael Verhoeven inszenierten gegenüberstellenden Lesungen aus den Tagebüchern von Anne Frank und Joseph Goebbels. Mit ihren Lesungen „Hitlers Tischgespräche aus dem Führerhauptquartier und Aufzeichnungen von Holocaust-Opfern“ erinnert sie 2004 an das grausamste Kapitel deutscher Geschichte. Für ihr politisches Engagement erhält sie unter anderem das Bundesverdienstkreuz und wird vom Zentralrat der Juden in Deutschland mit dem Leo-Baeck-Preis ausgezeichnet.
Isabelle Choko wird 1928 als Izabela Sztrauch in Łódź geboren und wächst in einer bürgerlichen jüdischen Familie auf. Nach dem Einmarsch der deutschen Besatzer 1939 wird die Familie in das neu eingerichtete Ghetto eingewiesen, dort sterben Isabelles Vater und Großmutter, sie selbst und ihre Mutter entgehen der Deportation – bis das Ghetto aufgelöst wird. Auf eine Zeit in Auschwitz-Birkenau folgen Monate der Zwangsarbeit in einem Lager bei Celle, und im Februar 1945 werden Mutter und Tochter in das KZ Bergen-Belsen gebracht. Hier stirbt Isabelles Mutter, kurz vor der Befreiung. Isabelle gelangt mit einem Krankentransport des Roten Kreuzes nach Schweden. 1946 geht sie zu Verwandten nach Paris. In der Auseinandersetzung mit ihren Erinnerungen beginnt Isabelle Choko zu schreiben, und als Zeitzeugin engagiert sie sich seit Jahren unter anderem in Begegnungen mit jungen Menschen.
Anschließend besteht die Möglichkeit zum Gespräch mit der Autorin.
Eintritt: 5,00 € / ermäßigt 3,00 € (Vorverkauf ab 14.4.)
Gemeinsame Veranstaltung von Stiftung niedersächsische Gedenkstätten und Sprengel Museum Hannover
Isabelle CHOKO
Isabelle Choko wird 1928 als Izabela Sztrauch in Łódź geboren und wächst in einer bürgerlichen jüdischen Familie auf. Für die damalige Zeit ungewöhnlich ist die Tatsache, dass beide Elternteile berufstätig sind, und die Schule, die Izabela besucht, gehört zur pädagogischen Avantgarde.
Nach dem Einmarsch der deutschen Besatzer 1939 wird die gesamte Familie in das neu eingerichtete Ghetto eingewiesen, dort sterben Izabelas Vater und ihre Großmutter, sie selbst und ihre Mutter entgehen zunächst der Deportation und können sich verstecken – bis das Ghetto im August 1944 aufgelöst wird. Auf eine Zeit in Auschwitz-Birkenau folgen Monate der Zwangsarbeit in einem Lager bei Celle (Hambühren „Waldeslust“). Dort muss Izabela im Straßen- und Gleisbau arbeiten und ihre Mutter im Salzbergwerk. Durch Zufall lernt Izabela einen jungen Kriegsgefangenen aus Frankreich kennen, dieser unterstützt sie und ihre Mutter mit heimlich übergebenen Paketen. Im Februar 1945 werden die Frauen in das Konzentrationslager Bergen-Belsen gebracht. Hier stirbt Izabelas Mutter, kurz vor der Befreiung.
Izabela selbst überlebt nur knapp und gelangt mit einem Krankentransport des Roten Kreuzes nach Schweden. 1946 geht sie zu Verwandten nach Frankreich. Aus Izabela wird Isabelle.
Auf die Neuorientierung in einem fremden Land folgen Schule und Ausbildung, Heirat, die Geburten dreier Söhne, extrem unterschiedliche berufliche Stationen, teils in Selbständigkeit – und ein großer öffentlicher Erfolg: 1956 ist Isabelle Choko französische Schachmeisterin. Nach Beginn des Rentenalters gelingt ihr eine zweite Karriere als Kunstsachverständige, dabei gilt ihr Hauptinteresse der Malerei aus Haiti.
Schon sehr früh jedoch holen Isabelle immer wieder schreckliche Erinnerungen ein. Sie beginnt zu schreiben, wo immer sie sich gerade aufhält, und auf diesen Notizen basiert der erste Teil ihres Berichts. Seit vielen Jahren engagiert sich Isabelle Choko als Zeitzeugin in Begegnungen mit jungen Menschen, und Fragen, die ihr immer wieder auch zu ihrem späteren Leben gestellt werden, beantwortet sie im zweiten Teil des Buches.
Zusammen mit einer französischen Gruppe ehemaliger Häftlinge des Konzentrationslagers Bergen-Belsen kommt Isabelle Choko zu den Gedenkfeiern im April 2000. Der Gedenkstätte übergibt sie ein Manuskript: Der Bericht umfasst die Zeit von ihrer Kindheit bis zur Befreiung in Bergen-Belsen. Als eine Mitarbeiterin der Gedenkstätte ihr vorschlägt, den Bericht bis in die Gegenwart fortzusetzen, ist dies nur der letzte Anstoß, denn immer wieder hatten schon Kinder und Jugendliche Isabelle nach ihren Vorträgen Fragen nach ihrem späteren Leben, Beruf, Kindern und Enkelkindern gestellt.
So entstand das vorliegende Buch.
Stichwörter / Tags: Hannover, Iris Berben, Isabelle Choko, Sprengel Museum Hannover
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