Jahresrückblick 2008 und Programmvorschau 2009 Städel Museum, Liebieghaus Skulpturensammlung und Schirn Kunsthalle Frankfurt
Städel Museum: internationale Ausstellungshighlights im Altmeisterbereich mit „Cranach der Ältere“ und „Der Meister von Flémalle und Rogier van der Weyden“, Besuchersteigerung um 15 %, massive Sammlungserweiterung / Liebieghaus Skulpturensammlung: Neueröffnung der Sammlungsbereiche, größte Infrastrukturmaßnahme seit 1990, Besuchersteigerung um 143 % / Schirn Kunsthalle Frankfurt: großer Erfolg der Ausstellung „Impressionistinnen“, Besuchersteigerung um 42 %, dritterfolgreichstes Jahr in der über 20-jährigen Geschichte der Schirn.
Das Jahr 2008 war für alle drei Häuser – das Städel Museum, die Liebieghaus Skulpturensammlung und die Schirn Kunsthalle Frankfurt – ein außerordentlich erfolgreiches Jahr. In allen Häusern konnten die Besucherzahlen gesteigert werden: im Städel Museum um 15 % auf 314.557, im Liebieghaus um 143 % auf 78.867 und in der Schirn Kunsthalle um 42 % auf 356.421 Besucher. 2008 war für die Schirn damit das dritterfolgreichste Jahr in ihrer über 20-jährigen Geschichte.
Eine große Anzahl von Ausstellungen, die das Städel Museum und die Schirn Kunsthalle 2008 erarbeitet haben, wurde von namhaften nationalen und internationalen Ausstellungshäusern und Museen übernommen. Städel-Ausstellungen wurden in der Royal Academy of Arts in London und im Kunstmuseum Basel gezeigt, die aktuelle Ausstellung „Der Meister von Flémalle und Rogier van der Weyden“ wird im Anschluss an ihre Präsentation in Frankfurt in der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin zu sehen sein. Die von der Schirn konzipierte Ausstellung „Impressionistinnen“ war im Fine Arts Museum of San Francisco zu sehen, die Ausstellung „Die totale Aufklärung. Moskauer Konzeptkunst 1960–1990“ in der Fundación Juan March in Madrid.
Das Städel Museum hat 2008 mit den Ausstellungen „Cranach der Ältere“ und „Der Meister von Flémalle und Rogier van der Weyden“ zwei herausragende Projekte im Bereich der alten Meister realisiert, die bei Publikum und Wissenschaft große Resonanz fanden. Zahlreiche weitere Projekte und Sammlungspräsentationen zeugten auch 2008 von dem hohen wissenschaftlichen Standard des Hauses und dem Anspruch, den Besuchern die neuen Forschungsergebnisse sowie die Inhalte der Kunst im Allgemeinen in Form von Vorträgen, Symposien, Führungen, Programmen für Kinder, Jugendliche, Schüler und Familien zielgruppengerecht zu vermitteln.
Da Vermittlung jedoch nicht erst vor Ort stattfindet, wurde 2008 nach einjähriger Entwicklungs- und Umsetzungsphase die Website des Städel Museums völlig neu strukturiert und wesentlich erweitert online gestellt. Die neue Seite bietet ausführliche Informationen über das Haus und seine Sammlungen, Künstlerbiografien, Videostreams, eine „Mein Städel“-Community, Tagclouds, Social Bookmarks und vieles mehr.
Im Hinblick auf die Sammlungserweiterung zählt das Jahr 2008 zu den bedeutendsten in der 200-jährigen Geschichte des Städel Museums. Sowohl im Bereich der alten Meister als auch vor allem in dem der zeitgenössischen Kunst konnten maßgebliche Werke für die Sammlung gesichert werden – durch Ankäufe des Städelschen Museums-Vereins, des Städelkomitees 21. Jahrhundert und des Städel Museums, durch großzügige Schenkungen privater und öffentlicher Stifter sowie durch Übergaben umfangreicher und bedeutender Konvolute aus der DZ BANK Kunstsammlung und der Sammlung Deutsche Bank. Insgesamt konnte die Städel-Sammlung 2008 um rund 1000 Kunstwerke erweitert werden. Die wichtigste Neuerwerbung im Bereich der alten Meister stellt das Altarbild des Meisters der von Grooteschen Anbetung aus dem frühen 16. Jahrhundert dar, das von der Mäzenin Dagmar Westberg für das Städel erworben wurde. Für die Graphische Sammlung konnten u. a. eine Zeichnung von Claude Lorrain und eine Radierung von Rembrandt Harmensz van Rijn für das Städel gesichert werden. Ein anderer Schwerpunkt lag bei der zeitgenössischen deutschen Kunst mit Neuzugängen von Wolfgang Tillmans, Thomas Bayrle, Günter Fruhtrunk, Peter Roehr, Werner Tübke, Wolfgang Mattheuer und anderen. Durch die Übergabe von insgesamt über 200 Werken bzw. Werkkomplexen von 76 Künstlern aus der Kunstsammlung der DZ BANK an das Städel im Frühjahr 2008 konnte der wichtige Sammlungsbereich Fotografie mit Werken von Richard Avedon bis Andy Warhol aufgebaut werden. Im Herbst 2008 übergab die Deutsche Bank dem Städel Museum 600 Werke aus ihrer bedeutenden Kunstsammlung. Die Auswahl beinhaltet herausragende Gemälde von Georg Baselitz, Joseph Beuys, Günther Förg, Anselm Kiefer, Konrad Klapheck, Martin Kippenberger, Markus Lüpertz, Sigmar Polke, Gerhard Richter, Dieter Roth sowie bedeutende Werke auf Papier und ein breites Spektrum an Druckgraphiken.
Einen großen Schritt in Richtung Realisierung machte 2008 das Projekt der Städel-Erweiterung. Im Februar 2008 ging aus dem Architekturwettbewerb der Entwurf der Frankfurter Architekten Schneider + Schumacher als Gewinner hervor, der eine unterirdische Bebauung des Städelgartens vorsieht. Der Bau wird die Sammlung der Kunst nach 1945 aufnehmen.
Die Liebieghaus Skulpturensammlung erlebte 2008 die größte Infrastrukturmaßnahme seit 1990: Im März wurde das Haus nach sechsmonatiger Schließzeit mit einer Neupräsentation der Sammlungsaufstellung vom Mittelalter bis zum Klassizismus sowie Ostasiens und einem gänzlich veränderten Farb-, Licht- und Vermittlungskonzept wiedereröffnet. Das bisher nicht öffentlich zugängliche Dachgeschoss der Villa mit seiner prachtvollen original erhaltenen historistischen Ausstattung wurde in atmosphärische Studioli-Räume verwandelt. Neben ausführlichen, zweisprachigen Saal- und Objekttexten wurde ein Museumsführer, der erstmals die Meisterwerke aller Epochen vereint, publiziert. Darüber hinaus wurden Audioguides für Erwachsene und Kinder entwickelt sowie eine Reihe von neuen Vermittlungsprogrammen ins Leben gerufen, wie z. B. die Vortragsreihe „Liebieghaus Positionen“. Gleich dem Städel Museum wurde auch die Website des Liebieghauses völlig neu gestaltet, deutlich erweitert und mit Web-2.0-Features versehen.
Aufgrund der Neupräsentation, der beiden Ausstellungen „Die Launen des Olymp. Der Mythos von Athena, Marsyas und Apoll“ und „Bunte Götter. Die Farbigkeit antiker Skulptur“ sowie der deutlich erweiterten Vermittlungsprogramme konnte das Liebieghaus 2008 seine Besucherzahlen mit 78.867 Besuchern um 143 % steigern sowie über 30 % an neuen Besuchern hinzugewinnen.
Die Schirn Kunsthalle Frankfurt hat 2008 mit insgesamt sieben neuen Ausstellungen und zahlreichen Veranstaltungen ein umfangreiches Programm realisiert. Mit der Ausstellung „Impressionistinnen – Berthe Morisot, Mary Cassatt, Eva Gonzalès, Marie Bracquemond“ präsentierte sie die weibliche Seite des Impressionismus. Die Ausstellung war mit 185.000 Besuchern nach der Retrospektive von Wassily Kandinsky 1989 die bestbesuchte Ausstellung in der Geschichte der Schirn. Künstler wie Michael Sailstorfer und Terence Koh produzierten neue Projekte für die Schirn. Ausstellung wie „All-Inclusive. Die Welt des Tourismus“ griffen aktuelle Themen auf. Die gemeinsamen Vermittlungsprogramme von Schirn, Städel und Liebieghaus wurden 2008 weiter ausgebaut, besonders erfolgreich war die „Sommerakademie08“, eine Berufsorientierung für Schülerinnen und Schüler.
Mit einer Gesamtbesucherzahl von 356.421 konnte die Schirn ihr Ergebnis 2008 im Vergleich zum Vorjahr um 105.278 Besucher bzw. um 42 % steigern.
Das Ausstellungsjahr 2009 beginnt in der Schirn mit der Ausstellung „E.W. Nay. Bilder der 1960er-Jahre“ (22. Januar – 26. April 2009). Im Februar eröffnet die Ausstellung „Darwin. Kunst und die Suche nach den Ursprüngen“ (5. Februar – 3. Mai 2009), die sich mit den Auswirkungen des Darwinismus auf die bildende Kunst beschäftigt. Anlässlich der Buchmesse präsentiert die Schirn die Ausstellung „Kunst für Millionen. 100 Skulpturen der Mao-Zeit“ (24. September 2009 – 3. Januar 2010). Sie zeigt die Skulpturengruppe „Hof der Pachteinnahme“, eines der wichtigsten Werke der modernen chinesischen Kunstgeschichte.
Die Liebieghaus Skulpturensammlung feiert 2009 ihr 100-jähriges Jubiläum mit einer Ausstellung des bedeutenden französischen Bildhauers der Aufklärung Jean-Antoine Houdon (28. Oktober 2009 – 28. Februar 2010). Außerdem wird 2009 die Neupräsentation der Antikensammlung eröffnet und erstmals ein Schaudepot eingerichtet werden (ab 24. April).
Das Städel Museum zeigt 2009 mit den Ausstellungen „Michelangelo. Zeichnungen und Zuschreibungen“ (6. März – 7. Juni 2009) in der Graphischen Sammlung und den großen Sonderausstellungen „Caravaggio in Holland“ (1. April – 26. Juli 2009) und „Botticelli“ (13. November 2009 – 28. Februar 2010) erneut hochkarätige Präsentationen alter Meister.
Städel Museum
Liebieghaus Skulpturensammlung
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