Jahresvorschau 2012 und Rückblick 2011 Schirn Kunsthalle, Städel Museum und Liebieghaus Skulpturensammlung
Schirn Kunsthalle Frankfurt: Hochattraktives Programm mit den Höhepunkten „Edvard Munch“, „Jeff Koons. The Painter“ und dem Impressionisten „Gustave Caillebotte“ / Städel Museum: Feierliche Eröffnung des Erweiterungsbaus steht knapp bevor, Tage der offenen Tür am 25. und 26. Februar 2012, Ausstellungshighlights „Claude Lorrain“, „Die Schwarze Romantik. Von Goya bis Max Ernst“ und „Raffael. Zeichnungen“ / Liebieghaus Skulpturensammlung: Überraschende Ausstellung „Jeff Koons. The Sculptor“ im Dialog mit der Sammlung.
Das Ausstellungsjahr 2012 bietet in allen drei Häusern – der Schirn Kunsthalle, dem Städel Museum und der Liebieghaus Skulpturensammlung – ein hochattraktives und facettenreiches Programm. In der Schirn Kunsthalle lassen die Ausstellungshighlights „Edvard Munch“, „Jeff Koons. The Painter“ und „Gustave Caillebotte“ ein sehr besucherstarkes Jahr erwarten. Den Auftakt bildet die Ausstellung „Edvard Munch. Der moderne Blick“ (9. Februar – 13. Mai 2012) mit einer neuen Sicht auf das Schaffen des weltberühmten Künstlers. Erstmals wird Munchs Auseinandersetzung mit modernen Aufnahmetechniken wie Fotografie und Film sowie zeitgenössischen Bühnenbildern in den Fokus der Aufmerksamkeit gestellt. Ende Februar eröffnet die Ausstellung des hoch gefragten US- amerikanischen Malers und Bildhauers George Condo. Unter dem Titel „George Condo. Mental States“ (22. Februar – 28. Mai 2012) werden seine provokant-ironischen Werke erstmals umfassend in Deutschland präsentiert. Im Frühling wird die deutsch-iranische Künstlerin Bettina Pousttchi mit „Framework“ (19. April – 17. Juni 2012) den architektonischen und historischen Kontext der Schirn in Form von bearbeiteten großformatigen Fotografien interpretieren, die zwei Monate lang an der Fassade sowie in der Rotunde der Schirn zu sehen sein werden. Eine weitere junge künstlerische Position präsentiert die Schirn im Juni mit „Michael Riedel. Kunste zur Text“ (15. Juni – 9. September 2012). Riedel thematisiert in seinen Werken die Aspekte der Reproduzierbarkeit und Wiederholung von Kunst und Kunstwerken. Ein ganz besonderes Highlight in diesem Jahr wird die große Ausstellung „Jeff Koons“ (21. Juni – 23. September 2012) sein. An gleich zwei Orten in Frankfurt werden im Sommer 2012 die Werke von einem der wohl bekanntesten zeitgenössischen Künstler zu sehen sein. Die Schirn präsentiert in beiden Galerien eine groß angelegte Retrospektive seines malerischen Werks. Parallel dazu werden im Liebieghaus einige der weltbekannten Skulpturen von Jeff Koons gezeigt. Im Herbst lenkt die Schirn den Blick mit der Ausstellung „Gustave Caillebotte. Ein Impressionist und die Fotografie“ (18. Oktober 2012 – 20. Januar 2013) auf den in Frankreich stark beachteten und in Deutschland bislang wenig bekannten impressionistischen Maler. Mit ungewöhnlichen Bildausschnitten und urbanen Sujets nahm Caillebotte auf eindrückliche Weise den fotografischen Blick des frühen 20. Jahrhunderts vorweg und überführte ihn in erstaunlich moderne Gemälde. Die Themenausstellung „Privat“ (1. November 2012 – 3. Februar 2013) greift die heutzutage gesellschaftlich so virulente Frage von Privatsphäre und Intimität auf. Das Jahr 2013 startet mit einem weiteren Ausstellungsereignis: Anlässlich des 80. Geburtstages von Yoko Ono am 18. Februar 2013 widmet die Schirn der bedeutenden Künstlerin eine umfassende Retrospektive (15. Februar – 12. Mai 2013).
Das Städel Museum beginnt das Jahr Anfang Februar mit der hochkarätigen Ausstellung „Claude Lorrain. Die verzauberte Landschaft“ (3. Februar bis 6. Mai 2012). Präsentiert werden 130 Werke aus allen Schaffensphasen des bedeutendsten Landschaftsmalers des 17. Jahrhunderts, darunter 13 Gemälde sowie zahlreiche Zeichnungen und Druckgrafiken. Den Höhepunkt des Jahres 2012 bildet die Eröffnung der 3.000 qm umfassenden Sammlungspräsentation „Gegenwartskunst“ im neu errichteten Erweiterungsbau des Städel Museums. Der Neubau und die Präsentation der Gegenwartskunst werden am 25. und 26. Februar 2012 im Rahmen von Tagen der offenen Tür erstmals dem Publikum präsentiert werden. Die Graphische Sammlung des Städel Museums zeigt ab 8. März die Ausstellung „Freiheit des Sehens. Zeichenkunst von Kobell bis Corinth aus dem Städel Museum“ (8. März bis 28. Mai 2012). „Malerei in Fotografie. Strategien der Aneignung“ (22. Juni bis 23. September 2012) widmet sich dem wechselseitigen Verhältnis von Malerei und zeitgenössischer Fotokunst. Die große Themensausstellung des Städel 2012 ist der Romantik gewidmet. Unter dem Titel „Die Schwarze Romantik. Von Goya bis Max Ernst“ (21. September 2012 bis 20. Januar 2013) beschäftigt sich die Ausstellung erstmals in Deutschland ausgiebig mit der dunklen Seite der romantischen Strömung und ihrer Fortführung im Symbolismus und Surrealismus. Anhand von mehr als 130 Gemälden, Skulpturen, Grafiken, Fotografien und Filmen spürt sie der Faszination zahlreicher Künstler für das Abgründige und Geheimnisvolle nach. Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Kulturfonds Frankfurt RheinMain im Rahmen des Projekts „Impuls Romantik“. Dem großen Renaissancekünstler Raffael widmet sich eine einzigartige Ausstellung in der Graphischen Sammlung. „Raffael. Zeichnungen“ (9. November 2012 bis 3. Februar 2013) präsentiert erstmals in Deutschland das zeichnerische Werk des großen italienischen Meisters. Das Städel Museum bewahrt mit elf Blättern den umfangreichsten und bedeutendsten Bestand an Raffael-Zeichnungen in Deutschland. Ergänzend zu den Frankfurter Zeichnungen ist es gelungen, wertvolle Leihgaben aus bedeutenden internationalen Sammlungen zu gewinnen. In Vorbereitung befindet sich außerdem die Ausstellung „Raffael und das Bildnis Julius’ II. Bildpropaganda eines Renaissance-Papstes“, die ab November/Dezember 2012 im Städel gezeigt werden wird. Sie widmet sich der wissenschaftlichen Forschung rund um das kürzlich vom Städel erworbene und viel besprochene Papstbildnis von Raffael und seiner Werkstatt.
Die Liebieghaus Skulpturensammlung zeigt noch bis 4. März 2012 die Ausstellung „Niclaus Gerhaert. Der Bildhauer des Mittelalters“. Im Sommer findet im Liebieghaus eine für das Haus untypische, aber umso reizvollere Ausstellung statt: Parallel zur Schirn werden im Liebieghaus unter dem Titel „Jeff Koons. The Sculptor“ berühmte sowie auch ganz neue Skulpturen von Jeff Koons zu sehen sein. Sie werden in einen spannenden Dialog mit dem historischen Gebäude und der eine Zeitspanne von 5.000 Jahren umfassenden Skulpturensammlung treten.
Rückblick
Das Jahr 2011 war für das Städel Museum, die Liebieghaus Skulpturensammlung und die Schirn Kunsthalle Frankfurt außerordentlich ereignisreich. Im Städel Museum wurden die Sanierungsarbeiten im Altbau abgeschlossen und die Sammlungsbereiche „Kunst der Moderne“ und „Alte Meister“ ab November 2011 in neuem Glanz wiedereröffnet. Die Ausstellung „Beckmann & Amerika“ im Ausstellungshaus konnte mit 94.471 Besuchern eine erfolgreiche Bilanz verzeichnen. Trotz Schließung des Altbaus während des nahezu gesamten Jahres erzielte das Städel eine Gesamtbesucherzahl von 153.537. Während der Schließzeit hat das Städel zwei Ausstellungstourneen aus Sammlungsbeständen zusammengestellt. Meisterwerke des 19. und 20. Jahrhunderts aus dem Städel waren in Lausanne, Melbourne, Wellington und Rom zu sehen. Eine weitere Ausstellung mit hochrangigen Werken der holländischen und flämischen Malerei des 17. Jahrhunderts wurde im Guggenheim Museum in Bilbao, in Tokyo und in Aichi in Japan gezeigt. Insgesamt wurden die beiden Sammlungspräsentationen von über einer Million Besuchern gesehen. Die Sammlung und die Ausstellungen der Liebieghaus Skulpturensammlung wurde 2011 von 60.496 Gästen besucht. Die Ausstellungen der Schirn zogen 2011 insgesamt 278.848 Besucher an.
Im Städel Museum wurde 2011 unter der Leitung des Architekturbüros schneider+schumacher, das auch für die im Bau befindliche Erweiterung des Städel verantwortlich ist, der gesamte Altbau brandschutztechnisch ertüchtigt und barrierefrei gemacht. Im Zuge der Sanierungsarbeiten wurden zudem die Säle und Kabinette nach Plänen der Architekten Kuehn Malvezzi architektonisch und technisch optimiert.
Die Sanierung hat das Städel zum willkommenen Anlass genommen, die Sammlungen neu zu ordnen. Die „Kunst der Moderne (1800–1945)“ im Gartenflügel gibt einen konzentrierten Überblick über die Entwicklung der europäischen Malerei und Skulptur im 19. und 20. Jahrhundert und zeigt neben bekannten und beliebten Werken von Courbet, Liebermann, Monet, Picasso, Beckmann, Kirchner u. v. m. eine Reihe von wichtigen Neuzugängen und überraschenden Positionen. Gänzlich neu ist die Integration von Fotografien in die „Kunst der Moderne“.
Mit der Eröffnung des Mainflügels mit der neu eingerichteten Präsentation der Sammlung „Alte Meister (1300–1800)“ fanden die Sanierungsarbeiten im Städel- Altbau, der nun auch über einen vom Haus erfolgreich betriebenen Museumsshop mit Buchhandlung und Café verfügt, ihren Abschluss. Die Sammlungspräsentation „Alte Meister“ bietet einen eindrucksvollen Überblick über die Geschichte der abendländischen Malerei vom Mittelalter bis zum Barock.
Sowohl im Bereich der Moderne als auch der alten Meister kann die Sammlung eine Reihe von Neuzugängen aufweisen. Einen Höhepunkt bilden die Ankäufe des Bildnisses von Papst Julius II. von Raffael und seiner Werkstatt sowie eines Luther- Bildnisses von Lucas Cranach d. J. Als Schenkungen aus Privatbesitz erhielt das Städel u. a. eine „Madonna mit Kind“ von Guercino, das zentrale Werk „Oberon“ von Georg Baselitz sowie das Porträt Leo Trotzkis von Eugen Schönebeck. Durch Ankäufe des Städelkomitees 21. Jahrhundert kamen Werke von Jean Fautrier, Isa Genzken, Leon Golub, Jörg Immendorff, Arnulf Rainer, Tobias Rehberger, Günther Uecker u. a. in die Sammlung. Im Bereich Moderne galten die Ankäufe der über 200 Fotografien umfassenden Sammlung Wiegand sowie von Werken von Malern aus dem Umfeld der Neuen Sachlichkeit wie Karl Hubbuch, Anton Räderscheidt und Volker Böhringer als Marksteine. Eine kapitale Erwerbung des Städelschen Museums-Vereins stellt Félix Vallottons „Blonder Akt“ von 1921 dar.
Ein Vorbote der Sammlung der Gegenwartskunst ist der neu gestaltete Metzler- Saal. Für den Raum hat der international renommierte Künstler Thomas Demand eigens eine Arbeit entwickelt, die durch Eleganz und künstlerische Qualität besticht. Der Saal bildet seither sowohl ein eigenständiges Kunstwerk als auch einen überaus festlichen Rahmen für Veranstaltungen.
Der Metzler-Saal gibt den Blick auf die unterirdische Ausstellungshalle frei, wo die Arbeiten mittlerweile auf der Zielgeraden angelangt sind: In den vergangenen zwölf Monaten hat sich der Erweiterungsbau der Architekten schneider+schumacher vom Rohbau zu einer fast fertigen, spektakulär anmutenden Museumshalle entwickelt. Der Boden ist gegossen, die Ausstellungswände sind errichtet, und die eindrucksvolle Treppe, das Verbindungsstück zwischen Neu- und Altbau, ist hergestellt. Derzeit werden die ersten Arbeiten für die Sammlungspräsentation der Gegenwartskunst gehängt.
Die Liebieghaus Skulpturensammlung hat 2011 mit zwei Ausstellungen für Aufmerksamkeit gesorgt. Die Ausstellung „Elfenbein. Barocke Pracht am Wiener Hof“ konzentrierte sich auf die Blütezeit der Elfenbeinkunst im Wien des 17. Jahrhunderts und präsentierte rund 36 großartige, virtuose Schnitzereien, die das große Können der Künstler eindrucksvoll dokumentieren. „Niclaus Gerhaert. Der Bildhauer des Mittelalters“ war die zweite 2011 im Liebieghaus eröffnete Ausstellung. Der Niederländer Niclaus Gerhaert von Leyden ist zweifellos einer der wichtigsten und einflussreichsten Künstler der Spätgotik. Seine Werke überzeugen durch eine überraschende Modernität und die große Lebensnähe ihrer Figuren. Ausstellung und Katalog haben auch in der Fachwelt sehr große Resonanz gefunden.
Die Schirn Kunsthalle Frankfurt, die 2011 ihr 25-jähriges Jubiläum feierte, bot erneut ein abwechslungsreiches Programm. Den größten Besuchererfolg mit 92.307 Personen verzeichnete die Ausstellung „Surreale Dinge. Skulpturen und Objekte von Dalí bis Man Ray“. Eine herausragende Wiederentdeckung eines wichtigen deutschen Künstlers bot die Ausstellung „Eugen Schönebeck. 1957–1967“. „Playing the City“ fand seine verdiente zweite Fortsetzung im Frankfurter Stadtraum. Die Ausstellungen „Clemente. Palimpsest“, „Erró. Porträt und Landschaft“ sowie „Kienholz. Die Zeichen der Zeit“ stellten Künstlerpersönlichkeiten in den Fokus, deren Werk auch heute noch hohe Aussagekraft und Aktualität zukommen.
Die Schirn und das Städel haben 2011 ihr Angebot im Internet deutlich erweitert. Das Städel hat seinen Webauftritt an das neue Corporate Design angepasst und einen neuen Blog gestartet (http://blog.staedelmuseum.de), der Hintergrundberichte über den Museumsbetrieb liefert. Die Schirn hat mit ihrem Onlinemagazin (www.schirn-magazin.de) ein erfolgreiches erstes Jahr bestritten. Das Magazin hat pro Monat mittlerweile rund 12.000 Leser. Die Ausstellungsfilme der Schirn, die vom Haus in Eigenregie produziert werden, erreichten 2011 auf dem Schirn-YouTube-Kanal über 160.000 User. Digital, aber auch ganz analog kann man in der Schirn im 2011 neu gegründeten Schirn-Circle Mitglied werden. Der Schirn-Circle, Teil der Freunde der Schirn Kunsthalle e. V., möchte vor allem berufstätige Kunstinteressierte im Alter von 25 bis 40 Jahren mit besonderen Veranstaltungen aktiv an der kulturellen Diskussion teilnehmen lassen und den Austausch untereinander fördern (http://schirncircle.de).
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Stichwörter / Tags: Ausstellungsprogramm, Frankfurt, Liebieghaus Skulpturensammlung, Schirn Kunsthalle, Städel Museum
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