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wechselausstellungen.de | 1. April 2009

Live-Internetführungen zur Veranstaltungsreihe „Zeit und Ewigkeit“

Mit der Veranstaltungsreihe „Zeit und Ewigkeit“ setzt die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe ab April 2009 die sehr erfolgreiche Kooperation mit dem Roncalli-Forum fort. In den monatlich stattfindenden Veranstaltungen erschließen jeweils ein Theologe und ein Kunsthistoriker gemeinsam ein Kunstwerk.

Ein Novum bildet in der kommenden Reihe eine zusätzliche virtuelle Führung, die im Anschluss an die Führung vor den Originalen am Mittwochnachmittag, um 14 Uhr, exklusiv via Internet angeboten wird. In Fortführung zu bereits bestehenden Onlineangeboten auf der Homepage der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, werden diese Internetführungen nun interaktiv gestaltet sein. Referenten und Besucher treffen sich in einem „virtuellen Museumsraum“ und können dort miteinander sprechen und diskutieren. Da die hier genutzte Internetkonferenzsoftware erstmals für Museumsführungen eingesetzt wird, fördert das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg diese innovative Form der Kulturvermittlung als Pilotprojekt.

Im neuen Veranstaltungszyklus „Zeit und Ewigkeit“ werden von April 2009 bis April 2010 vielfältige Gesichtspunkte des Themas Zeit betrachtet: Die erste Führung widmet sich Rembrandts Selbstbildnis aus der Zeit um 1650, an dem die Fähigkeit des Malers, das Leben des Dargestellten im Porträt erkennbar darzustellen, thematisiert wird. Hierauf folgt eine Betrachtung von Max Beckmanns „Stillleben mit gestürzter Kerze“ von 1930 als Metapher der Vergänglichkeit. In einer weiteren Veranstaltung wird die Auseinandersetzung mit der Unendlichkeit im Konstruktivismus am Beispiel von Lázló Moholy-Nagys „Komposition E IV (Konstruktion VII)“ aus der Zeit um 1922 besprochen. Ein weiterer wichtiger Aspekt der Zeit ist ihr direkter Einfluss auf die Entstehung eines Werkes. In Hetum Grubers 1973 begonnener Zeichnung „Etwas machen, dessen Fertigstellung unabsehbar ist“ zeigt sich dies auf sehr anschauliche Weise. Der „ewige Moment“ ist eine Idee, die Künstler wie Philosophen gleichermaßen begeistert hat. Sie findet Ausdruck in Johann Liss’ sinnlich barocker Darstellung von „Venus und Adonis“. In den alltäglichen Szenen, denen sich der holländische Maler Pieter de Hooch in der Mitte des 17. Jahrhunderts in seinen Gemälden zuwandte, begegnet uns in einem festgehaltenen Augenblick zeitlose Schönheit. Lucas Cranachs d. Ä. „Friedrich der Weise in Verehrung der apokalyptischen Muttergottes“ aus der Zeit um 1515 stellt als Zusammenschau einer historischen und einer überzeitlich heiligen Realität eine weitere interessante Facette der Zeit in der Kunst vor.

Im nach 1788 entstandenen „Bildnis der Madame Simon“ von Pierre Paul Prud’hon wird in einer realistischen Darstellung der für uns Menschen unmittelbarste Aspekt der Zeit, das Alter, thematisiert. Moritz von Schwind verband 1841 in seinem Fresko „Die Einweihung des Freiburger Münsters“ für das Treppenhaus der Kunsthalle verschiedene Zeitebenen des Mittelalters und des 19. Jahrhunderts zu einer zeitlich simultanen Bildkomposition. Das Gedächtnis und die Lebenserfahrung der Betrachter bilden ebenfalls einen Gesichtspunkt der Zeit in der Kunst, in dem sie wie in Antoni Tàpies reliefhafter Bildtafel „Großes Kastanienbraun mit schwarzen Zeichen“ von 1961 unmittelbar in die Deutung des Werkes einbezogen sind. Ein Kunstwerk selbst kann aber auch als Zeitzeuge dienen. Ein interessantes Beispiel hierfür ist Hubert Roberts „Der Abbruch der Häuser auf der Notre-Dame-Brücke in Paris 1786“ von 1787 - ein Zeitdokument.

Aufgrund des Themenschwerpunkts konnte das Deutsche Uhrenmuseum Furtwangen als weiterer Kooperationspartner gewonnen werden. Hierdurch wird die Serie neben theologischen und kunsthistorischen auch durch zwei technik- und kulturgeschichtliche Beiträge bereichert: Die erste Führung in Furtwangen wird sich mit der vom „Priestermechaniker“ Thaddäus Rinderle 1787 geschaffenen astronomisch-geographischen Kalenderuhr beschäftigen, die trotz ihrer klösterlichen Herkunft in ihrem allegorischen Bildschmuck keinerlei christliche Motive aufweist. Den Abschluss der Reihe bildet eine Führung zur ersten Quarzuhr von Adolf Scheibe und Udo Adelsberger aus den frühen 1930er Jahren, mit der buchstäblich eine neue Zeit anbrach.

Die Führungen vor den Originalen in der Kunsthalle finden monatlich jeweils an einem Dienstagabend um 20 Uhr und am darauf folgenden Mittwoch um 13 Uhr statt. Die zwölf Internetführungen, mittwochs um 14 Uhr, werden aus der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe ins Deutsche Uhrenmuseum nach Furtwangen übertragen. An zwei Terminen, im Januar und April 2010, können Besucher der Kunsthalle über das Internet live an Führungen im Uhrenmuseum teilnehmen.

Hauptzweck der Internetführungen ist die Verfügbarkeit hochwertiger Bildungsangebote ohne Ortsbindung. Hierdurch wird immobilen Menschen oder Schülern in ländlichen Gebieten ein neuer Zugang zu kultureller Bildung geboten. Es ist daher sehr erwünscht, dass neben den beiden Museen weitere Institutionen, z. B. Pfarrgemeinden, Altersheime oder Volkshochschulen, und insbesondere Einzelpersonen an der Internetführung aktiv teilnehmen.

Hierzu sind lediglich ein Internetanschluss und das Programm Vitero nötig, das vom Kultusministerium kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Interessenten erhalten weitere Informationen unter www.fortbildung-bw.de/zeit_und_ewigkeit, info@roncalli-forum.de oder auf den Internetseiten der beteiligten Museen.

Als Vorgeschmack auf die Internetführungen können ab Ende April kurze Ankündigungsfilme für alle Führungen, die die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe live anbietet, im Virtuellen Museum unter www.kunsthalle-karlsruhe.de eingesehen werden. Jene Kunsthistoriker, die auch die Live-Führungen übernehmen, stellen die Werke in knappen Beiträgen vor.

Pressekonferenz am Montag, 6. April 2009, 14.30 Uhr

Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

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