Tag der Forschung - Eine Initiative deutscher Kunstmuseen
Sonntag, 4. Juli 2010, 10.00-18.00 Uhr
Liebieghaus Skulpturensammlung
Eintritt frei
Am Sonntag, den 4. Juli 2010 rückt die Liebieghaus Skulpturensammlung gemeinsam mit zahlreichen weiteren renommierten Museen in Deutschland das Thema der Forschung in den Fokus ihrer Betrachtung. Zum „Tag der Forschung“ geben die Museen des „Leipziger Kreises – Direktoren deutscher Kunstmuseen“ spannende Einblicke in ihre vielseitige Forschungstätigkeit. In der Liebieghaus Skulpturensammlung bietet der „Tag der Forschung“ die einmalige Gelegenheit, anhand von zahlreichen Expertenführungen und einer Buchvorstellung einen Blick hinter die Kulissen der aktuellen archäologischen, kunsthistorischen, historischen und restauratorischen Untersuchungen des Museums zu werfen. Auch der eigenen Lust am Forschen kann an diesem Tag – dessen vielseitiges Programm sich an Kinder und Erwachsene richtet – nachgegangen werden. Der Eintritt zum „Tag der Forschung“ im Liebieghaus ist frei.
Sammeln, Bewahren, Forschen und Vermitteln sind die klassischen Aufgaben eines jeden Museums. Insbesondere aber die museale Forschung erhält und erweitert das Wissen über das natürliche und kulturelle Erbe, das in den Museen bewahrt wird. Sie bietet die wissenschaftliche Fundierung einer jeden Sammlung und Ausstellung. Konservierung und Restaurierung tragen ihrerseits zu einem bestmöglichen Bewahren der Werke für Folgegenerationen bei. Die hochinteressante Forschungstätigkeit bleibt der Öffentlichkeit jedoch häufig verborgen. Gemeinsames Anliegen einer Reihe von Deutschlands bedeutendsten Kunstmuseen ist es deshalb, mit einem bundesweiten „Tag der Forschung“ am 4. Juli 2010 das Museum nicht nur als Ausstellungsort, sondern auch als wissenschaftliche Forschungseinrichtung im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu verankern.
Der „Tag der Forschung“ ist eine Initiative des „Leipziger Kreises – Direktoren deutscher Kunstmuseen“. Die Teilnehmer sind: Bayerische Staatsgemäldesammlungen München; Hamburger Kunsthalle; Kunsthalle Bremen; Klassik-Stiftung Weimar; Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf; Kunstsammlungen Chemnitz; Liebieghaus Skulpturensammlung, Frankfurt am Main; Museum Ludwig, Köln; Museum der bildenden Künste Leipzig; Museum Folkwang Essen; Sprengel Museum Hannover; Staatliche Kunsthalle Karlsruhe; Staatliche Museen zu Berlin; Staatsgalerie Stuttgart; Wallraf-Richartz- Museum, Köln
Programmübersicht „Tag der Forschung” im Liebieghaus
10.30 Uhr
Zur Neuerwerbung der „Kreuzigungsgruppe mit den drei Marien und dem Evangelisten Johannes”, Ton gebrannt, Portugal, 18. Jh.
Dr. Maraike Bückling und Dipl.-Restaurator Harald Theiss, mit Live-Untersuchung durch das Digitalstereomikroskop der Firma Keyance, Leinfelden-Echterdingen
Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Liebieghaus Skulpturensammlung erwarb die Förderstiftung Liebieghaus eine portugiesische Kreuzigungsgruppe aus Terrakotta aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Üppige Gewänder umhüllen die rund 25 cm großen Figuren der Muttergottes, der Maria Salome, der Maria Magdalena und des Johannes. Diese verschiedenen Gewänder gaben dem Fassmaler Gelegenheit, die einzelnen Gewandpartien, ihre Innenseiten und Fütterungen mit einer überaus reichen, einzigartigen Fassung auszustatten. Sowohl die Muster- und Farbenvielfalt als auch die unterschiedliche Fasstechniken – Lüstertechnik, Mordentvergoldung, Pinselmalerei, Sandelungen und Vergoldungen – machen den Reichtum der Fassung aus. Mit Hilfe eines speziellen Digitalmikroskops der Firma Keyance können die Untersuchungsergebnisse durch Projektion auf einen Bildschirm dem Besucher direkt am Original vorgestellt werden.
11.00 Uhr
Buchvorstellung „Circumlitio, The Polychromy of Antique and Medieval Sculpture“
Hg. Vinzenz Brinkmann und Oliver Primavesi, Liebieghaus Skulpturensammlung
Weltweit beschäftigen sich Wissenschaftler mit der Erforschung der Farbigkeit antiker und mittelalterlicher Skulptur. In der Fachwelt ist das bildungsbürgerliche Ideal einer marmorweißen Antike längst als historischer Irrtum ad acta gelegt. Die antike und mittelalterliche Wirklichkeit farbiger Skulptur gehört heute zu den unumstößlichen Gewissheiten. Die zahlreichen Aktivitäten und Projekte zur Erforschung dieser Thematik wurden zuletzt in einem internationalen Kolloquium in der Frankfurter Liebieghaus Skulpturensammlung vorgestellt und diskutiert. Die aktuellen Beiträge von 20 internationalen Wissenschaftlern bündelt nun der vorliegende reich bebilderte englischsprachige Band „CIRCUMLITIO, The Polychromy of Antique and Medieval Sculpture“, der im Rahmen des „Tag der Forschung“ vom Herausgeber und Autor Prof. Dr. Vinzenz Brinkmann vorgestellt wird. Die Beiträge spannen einen Bogen von der kontroversen Forschungsgeschichte, dem Stand der Rekonstruktion historischer Maltechniken und den neuesten naturwissenschaftlichen Methoden zur Analyse materieller Farbreste bis hin zur veränderten Wirkung und Bedeutung der Gattung Skulptur durch die Farbe.
11.00 Uhr
Studioli und Schaudepot
Die atmosphärischen Studioli-Räume im original erhaltenen Dachgeschoss der Villa vermitteln eine lebhafte Vorstellung des Sammelns und Forschens im 19. Jahrhundert. Die aufwändigen Wandvertäfelungen, Einbauten und Möbel im Stil der Neoklassik und der Neorenaissance erzeugen dabei die typische Atmosphäre der – häufig privaten – Forschungsleidenschaft der deutschen Gründerzeit. Im Untergeschoss des Hauses ermöglicht das Schaudepot einen ungewohnten und spannenden Einblick in die normalerweise verborgenen Magazinbestände der Sammlung. Eine nach Größen, Materialien und konservatorischen Aspekten geordnete Objektzusammenstellung schafft überraschende Beziehungen und ungewohnte Vergleichsmöglichkeiten zwischen den sonst räumlich getrennt voneinander präsentierten Kunstwerken.
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.
11.30 Uhr
Restaurierung und Forschung
Dipl.-Restaurator Harald Theiss
Ausgehend von den Restaurierungsarbeiten an der Renaissance-Figur eines Johannes Baptista werden verschiedene technologische Aspekte im Zusammenhang mit der Entstehung und Fassung von Bildwerken erläutert. Darüber hinaus werden Erkenntnisse vorgestellt, die im Zuge der Vorbereitung einer großen Ausstellung gewonnen werden konnten, welche im Herbst 2011 zu dem bedeutenden spätgotischen Bildhauer Niclaus Gerhaert von Leyden im Liebieghaus stattfinden wird.
Die Teilnehmerzahl ist auf 10 Personen begrenzt.
12.00 Uhr
Was ist was? Und warum? (Familienführung)
In dieser Führung können Sie mit Ihren Kindern auf Entdeckungstour gehen.
Welche Geschichten stellen die Figuren und Reliefs im Liebieghaus dar?
Und woran erkennen wir, dass es sich um genau diese Geschichte handelt?
12.30 Uhr
Zur Restaurierung der „Thronenden Muttergottes“, Holz, polychrom gefasst, Oberrhein, um 1470
Manfred Schürmann, Restaurator, mit Live-Untersuchung durch Röntgenfluoreszenzanalyse mit der Firma AnalytiCON, Rosbach v. d. Höhe
Die thronende Muttergottes kam vor einigen Jahren von zahlreichen Farbschichten überzogen ins Liebieghaus, wo sie mit großem Aufwand auf ihre gut erhaltene ursprüngliche Fassung freigelegt wurde. In der tragbaren Röntgenfluoreszenzanalyse werden nun die für einen Werkstoff, zum Beispiel ein Farbpigment, ganz typischen metallischen Bestandteile gemessen.
14.00 Uhr
Objektgeschichten. Zur Herkunft von einzelnen Bildwerken
Dr. Eva Mongi-Vollmer
Bis zum Moment der Aufnahme in das Inventar des Museums hat ein Kunstwerk meist eine wechselvolle Geschichte erfahren. War es einst Nutz-, Pracht- oder Kultobjekt in öffentlichen, privaten oder sakralen Räumen, durchlief es anschließend häufig zunächst eine oder mehrere private Sammlungen, bevor es schließlich in den Besitz des öffentlichen Museums kam. Die notwendige Frage nach der Herkunft des Objektes ist allerdings selten lückenlos zu beantworten. In der Führung werden an ausgewählten Beispielen die Erfolge wie die Grenzen dieser Forschung vorgestellt.
14.30 Uhr
Die kleinen Forscher (Kinderführung)
Wie haben die Archäologen den Tempel des Sahure entdeckt? Wie haben sie die Funde ausgegraben und gesichert? Schlüpft auch ihr in die Rolle eines Archäologen und schaut euch die spannenden Geschichten auf den Reliefs an!
15.00 Uhr
Studioli und Schaudepot
Die atmosphärischen Studioli-Räume im original erhaltenen Dachgeschoss der Villa vermitteln eine lebhafte Vorstellung des Sammelns und Forschens im 19. Jahrhundert. Die aufwändigen Wandvertäfelungen, Einbauten und Möbel im Stil der Neoklassik und der Neorenaissance erzeugen dabei die typische Atmosphäre der – häufig privaten – Forschungsleidenschaft der deutschen Gründerzeit. Im Untergeschoss des Hauses ermöglicht das Schaudepot einen ungewohnten und spannenden Einblick in die normalerweise verborgenen Magazinbestände der Sammlung. Eine nach Größen, Materialien und konservatorischen Aspekten geordnete Objektzusammenstellung schafft überraschende Beziehungen und ungewohnte Vergleichsmöglichkeiten zwischen den sonst räumlich getrennt voneinander präsentierten Kunstwerken.
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.
15.00 Uhr
Sahure. Tod und Leben eines großen Pharao
Anhand von hochkarätigen Originalen – Reliefs, Skulpturen, Vasen, Bildern und wertvollen Papyri – veranschaulicht die Ausstellung die Verehrung des Pharao Sahure, einem politisch wie kulturell herausragenden Vertreter des Alten Reichs – der sogenannten Pyramidenzeit. Die Führung gibt einen spannenden und lehrreichen Einblick in die eindrucksvollen Bauten und den Totenkult dieses wichtigen ägyptischen Herrschers und erläutert zusätzlich die Grabungs- und Forschungsgeschichte der einzigartigen Pyramidenanlage.
16.00 Uhr
Ludwig Borchardts Forschungen in Ägypten
Prof. Dr. Vinzenz Brinkmann
Der deutsche Archäologe und Entdecker der Berliner Nofretete, Ludwig Borchardt, führte im Auftrag der Deutschen Orientgesellschaft Anfang des 20. Jahrhunderts die erste erfolgreiche Grabung in Abusir durch. Dabei konnten bis heute Dutzende von einzigartig schönen Reliefs geborgen werden. Die originalen Grabungstagebücher Borchardts, farbige Aquarelle und Rekonstruktionszeichnungen, aber auch aktuelle Pläne und moderne Computergraphiken vermitteln ein umfassendes Bild der spannenden Grabungsgeschichte des Totentempels von Sahure und würdigen Ludwig Borchardt als eine wegweisende und neue Maßstäbe setzende Forscherpersönlichkeit im Bereich der Ägyptologie.
17.00 Uhr
100 Fragen an ein Objekt – Der Besucher als Forscher (Führung für Erwachsene)
In dieser Führung sind Sie gefragt! Schauen Sie sich die Skulpturen im Liebieghaus genau an. Was können Sie selbst entschlüsseln? Welche wichtigen Fragen muss man an ein Werk stellen um auf die Lösung zu kommen?
Treffpunkt für alle Führungen ist das Foyer der Liebieghaus Skulpturensammlung.
Die Teilnehmerzahl ist teilweise begrenzt. Tickets erhalten Sie eine Stunde vor Führungsbeginn an der Kasse. Eine Führungsgebühr wird nicht erhoben.
Projektleitung: Dr. Eva Mongi-Vollmer (Städel Museum und Liebieghaus Skulpturensammlung)
Ort: Liebieghaus Skulpturensammlung, Schaumainkai 71, 60596 Frankfurt
Information: www.liebieghaus.de, E-Mail: info@liebieghaus.de, Telefon: +49(0)69 650049-110, Fax: +49(0)69 650049-150
Eintritt: Der Eintritt zum Tag der Forschung und zu allen Führungen ist frei
Medienmitteilung
Liebieghaus Skulpturensammlung