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wechselausstellungen.de | 21. Januar 2010

Vorschau 2010 und Jahresrückblick 2009 für Städel, Liebieghaus und Schirn

Städel Museum: bestes Besucherergebnis seit 2003, Botticelli-Schau entwickelt sich zur meistbesuchten Ausstellung der Städel-Geschichte, bedeutende Neuerwerbungen, Erweiterungsbau im Zeitplan
Liebieghaus Skulpturensammlung: Feierlichkeiten und Jubiläumsausstellung zum 100-jährigen Bestehen des Hauses, zusätzliche Sammlungsflächen erschlossen, Neugestaltung der Sammlung abgeschlossen, höchste Besucherzahl in der Geschichte des Hauses
Schirn Kunsthalle Frankfurt: viel beachtete Ausstellungen zu Darwin oder Skulpturen der Mao-Zeit, zahlreiche innovative Vermittlungsangebote.

Frankfurt am Main, 21. Januar 2010. 2009 war für alle drei Häuser – das Städel Museum, die Liebieghaus Skulpturensammlung und die Schirn Kunsthalle Frankfurt – ein sehr erfolgreiches Jahr. Während die Liebieghaus Skulpturensammlung mit 82.564 Besuchern 2009 das besucherstärkste Jahr ihrer hundertjährigen Geschichte verzeichnete, konnte das Städel Museum mit 328.773 Besuchern das beste Ergebnis seit 2003 erzielen und seine Besucherzahlen ein weiteres Jahr in Folge steigern. Rund ein Drittel der Gesamtbesucherzahl entfällt auf die Mitte November eröffnete Ausstellung des Renaissancemalers Sandro Botticelli. Mit einem täglichen Besucherdurchschnitt von rund 3.200 Personen liegt die Botticelli-Ausstellung deutlich über den bislang besucherstärksten Ausstellungen des Städel – 36 % über „Rembrandt“ (2003, 245.716 Gesamtbesucher) sowie 55 % über „Cranach der Ältere“ (2007/08, 204.960 Gesamtbesucher). Bis heute haben insgesamt bereits rund 190.000 Besucher die noch bis zum 28. Februar geöffnete Botticelli-Ausstellung gesehen. Die Schirn Kunsthalle Frankfurt begeisterte mit einem anspruchsvollen Programm mit viel beachteten Ausstellungen wie „E.W. Nay. Bilder der 1960er Jahre“, „Darwin. Kunst und die Suche nach den Ursprüngen“, „The Making of Art“ oder „Kunst für Millionen. 100 Skulpturen der Mao-Zeit“ 2009 insgesamt 249.040 Besucher.

Städel Museum

Das Jahr 2009 war für das Städel Museum in vielerlei Hinsicht ein sehr aktives Jahr. Insgesamt wurden 13 Ausstellungen von großer thematischer Vielfalt präsentiert. Das Spektrum reichte von Ausstellungen wie „Der Meister von Flémalle und Rogier van der Weyden“, „Caravaggio in Holland. Musik und Genre bei Caravaggio und den Utrechter Caravaggisten“, „Michelangelo. Zeichnungen und Zuschreibungen“ bis zu Einzelpräsentationen zeitgenössischer Künstler wie Dierk Schmidt oder Peter Roehr. Den absoluten Höhepunkt des Jahres bildet die im November 2009 eröffnete Ausstellung „Botticelli“, die über 40 Werke des großen Meisters der Renaissance aus allen Schaffensperioden sowie weitere 40 seiner Zeitgenossen zeigt.

Jedoch nicht nur im Bereich der Wechselausstellungen, sondern auch bei der Erweiterung der Sammlung war das Städel 2009 sehr erfolgreich. Durch die Unterstützung der Mitglieder des Städelkomitees 21. Jahrhundert konnten zentrale Werke für den Sammlungsbereich der Gegenwartskunst im Städel erworben werden. Dazu zählen unter anderem Gemälde von Hermann Glöckner, Gerhard Hoehme, Victor Vasarely, eine 11-teilige Serie von Amelie von Wulffen oder John M. Armleders „Furniture Sculpture“. Durch die Adolf und Luisa Haeuser- Stiftung konnte ein bedeutendes Gemälde von Josef Albers für das Städel gesichert werden. Darüber hinaus wurde die Sammlung durch großzügige Schenkungen von Künstlern oder Sammlern bereichert. So gelangten Werke von Ernst Wilhelm Nay, Raimund Girke, Martin Barré und Raoul de Keyser als Schenkungen in die Sammlung. Auch die Graphische Sammlung des Städel konnte ihren Bestand um wichtige Werke erweitern: Neu hinzugekommen sind unter anderem ein Aquarell von Karl Schmidt-Rottluff, eine Tuschmalerei von Henri Michaux, eine Zeichnung von Antony Gormley sowie Druckgrafiken von John Baldessari, Max Ernst, Sol LeWitt, Matthäus Merian, Jackson Pollock, Frank Stella oder Sebastiano Vaiani.

Nicht nur die Erweiterung der Sammlungsbestände zeugt von einer aktiven Museumsarbeit, auch die kunsthistorische Forschung wurde kontinuierlich vorangetrieben. Mit dem neuen zweibändigen Bestandskatalog der „Flämischen Gemälde im Städel Museum 1550–1800“ wurde die Reihe der international viel beachteten Bestandskataloge des Städel um einen weiteren wesentlichen Sammlungsbereich ergänzt.

Ebenso intensiv wie mit der Erforschung seiner Sammlung hat sich das Städel mit deren Vermittlung beschäftigt. Neben den umfangreichen Vermittlungs- und Bildungsprogrammen mit täglichen Veranstaltungen wurden auf der Website www.staedelmuseum.de aufbauend zahlreiche Aktivitäten im Bereich des Social Networking gestartet, um die Ausstellungen und Programme an neue Zielgruppen zu kommunizieren. So erreicht das Städel mittlerweile über Social-Networking-Plattformen wie Twitter, Facebook, Flickr, YouTube oder FriendFeed ein junges Publikum, das diese Dienste als tägliche Kommunikationsforen nutzt. Die neu eingeführten Videoformate, mit denen das Städel seine Ausstellungen und die Sammlung vorstellt, finden nicht nur bei den Besuchern der Website großen Anklang, sondern werden auch von Online-Medien als zusätzliche Angebote genutzt.

Das größte Projekt des Städel – der Erweiterungsbau für die Präsentation von Gegenwartskunst – ist im September 2009 in die Phase der Realisierung getreten. Die erste große Maßnahme nach der Einrichtung der Baustelle, die Erstellung der Bohrpfähle rund um das Baufeld, konnte kürzlich abgeschlossen werden. Aktuell werden die Bohrpfähle rückverankert sowie Brunnen für die Wasserhaltung in der Baugrube gebohrt. Im März und April folgen die Geothermie-Bohrungen zur zukünftigen Nutzung der Erdwärme für die Heizungsanlage des Erweiterungsbaus. Bis April 2010 wird die Baugrube für den unterirdischen Neubau, der sechs bis acht Meter hoch sein wird, auf dem gesamten Baufeld ihre endgültige Tiefe erreichen. Nach Abschluss des Erdaushubs wird im nächsten Schritt die Bodenplatte gegossen. Abschnitt für Abschnitt findet daran anschließend die Erstellung der Wände und des Daches statt. Die Arbeiten an der Bodenplatte werden im Juli, der Rohbau des Erweiterungsbaus wird voraussichtlich im September/Oktober 2010 abgeschlossen sein. Die Fertigstellung des Erweiterungsbaus ist für Mitte 2011 vorgesehen.

Die Finanzierung des Erweiterungsbaus – die Kosten für den Bau betragen rund 30 Millionen Euro, für die Sanierung des Altbaus sind weitere zehn Millionen Euro veranschlagt – konnte 2009 maßgeblich vorangetrieben werden. Bis zum Spatenstich im September 2009 waren durch Spenden und Förderungen von öffentlicher und privater Hand rund 80 Prozent der Baukosten bereits gesichert. Die fehlenden 20 Prozent sollen durch weitere Großspenden, öffentliche Mittel sowie eine breit angelegte Spendenkampagne finanziert werden. Kürzlich verlautbarte das Land Hessen, die Städel-Erweiterung mit einer Million Euro zu unterstützen. Mit der im September 2009 gestarteten Spendenkampagne unter dem Motto „Frankfurt baut das neue Städel und alle bauen mit“ konnten bis heute weitere 705.000 Euro für die Realisierung des Erweiterungsbaus gesammelt werden. Damit sind bereits 14,1 Prozent der durch die Spendenkampagne anvisierten fünf Millionen Euro erzielt. Insgesamt haben sich über 2.000 Förderer für das Projekt engagiert. Über alle Aktivitäten rund um die Städel-Erweiterung informiert der Städel-Blog unter www.das-neue-staedel.de, der auch als zentrale Spendenplattform dient.

Im Zuge der Arbeiten anlässlich der Erweiterung des Städel Museums, welche die Erschließung und Anbindung des Neubaus über den Main- und Gartenflügel beinhalten, werden seit Langem vorhandene Mängel am Altbau beseitigt. Das gesamte Haus wird barrierefrei erschlossen, zusätzliche Fluchttreppen und -wege werden eingerichtet und weitere Brandschutzmaßnahmen getroffen. Ab 8. März 2010 wird hierfür der Main- und Gartenflügel des Städel Museums bis voraussichtlich Mai 2011 geschlossen. In dieser Zeit bleibt das Ausstellungshaus geöffnet – hier werden ab 23. April 2010 die große Retrospektive zu Ernst Ludwig Kirchner sowie anschließend eine Auswahl von Meisterwerken aus der Sammlung des Städel vom Mittelalter bis zur Gegenwart gezeigt.

Zusätzlich ergreift das Städel die Chance, Werke seiner Sammlung während der Umbauphase in Form von zwei Ausstellungstourneen einem breiten internationalen Publikum vorzustellen. Zwischen Februar 2010 und Februar 2011 werden „Meisterwerke des 19. und 20. Jahrhunderts aus der Sammlung des Städel Museums“ in Lausanne, Melbourne und Wellington gezeigt. Die zweite Ausstellungstournee – „Das Goldene Zeitalter. Holländische und flämische Meisterwerke aus dem Städel Museum“ – bringt hochrangige Werke der holländischen und flämischen Malerei des 17. Jahrhunderts nach Bilbao, Tokyo und an eine weitere Station in Japan.

Liebieghaus Skulpturensammlung

Die Liebieghaus Skulpturensammlung feierte 2009 ihr 100-jähriges Bestehen. Als einer der Höhepunkte des Jubiläumsjahres wurde im April die Neuaufstellung des Sammlungsbereichs Antike, in den auch Werke des Klassizismus integriert sind, der Öffentlichkeit vorgestellt. Eine weitere Neuerung der Sammlungspräsentation betraf die Einrichtung des Schaudepots im Untergeschoss, mit der neue Präsentationsflächen erschlossen wurden. Mit der Neugestaltung der Antikensammlung und der Einrichtung des Schaudepots findet die 2007 begonnene Neugestaltung des Liebieghauses ihren Abschluss. Aus Anlass des Jubiläums konnte außerdem vom Städelschen Museums-Verein mithilfe der Kulturstiftung der Länder und der Stadt Frankfurt aus Mitteln der Stiftung Kober mit dem Marsyas-Sarkophag „Alberici“ ein sensationelles Werk für die Antikensammlung erworben werden. Einen weiteren Höhepunkt im Rahmen der Feierlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum stellt die im Herbst eröffnete Ausstellung „Jean-Antoine Houdon: Die sinnliche Skulptur“ dar, die sich dem Werk des französischen Aufklärers widmet. Mit ihr wie mit dem im November veranstalteten international besetzten dreitägigen Kolloquium „SkulpturenOrte“ erweist sich das Liebieghaus einmal mehr als ein lebendiges Forum für die Auseinandersetzung mit Skulptur.

Schirn Kunsthalle Frankfurt

Die Schirn Kunsthalle bot mit ihren Ausstellungen auch 2009 zahlreiche Anknüpfungspunkte für Diskussionen und regte verschiedene Debatten an. Im Darwin-Jahr 2009 richtete sie mit der Ausstellung „Darwin. Kunst und die Suche nach den Ursprüngen“ das Augenmerk auf den bisher wissenschaftlich kaum bearbeiteten Einfluss der darwinistischen Theorien auf die bildende Kunst. Mit der Ausstellung „Kunst für Millionen. 100 Skulpturen der Mao-Zeit“ rückte sie parallel zum Ehrengast-Auftritt Chinas bei der Frankfurter Buchmesse ein äußerst kontrovers diskutiertes Werk der Kulturrevolution in den Fokus der Aufmerksamkeit. Rund um die insgesamt sieben Ausstellungen wurde auch 2009 ein zielgruppenspezifisches und außerordentlich vielschichtiges Vermittlungsprogramm angeboten. Als besonders wirkungsvoll erwiesen sich innovative Formate wie das Lehrerbildungsprogramm „Schirn bildet!“ oder die gemeinsam mit dem Städel und dem Liebieghaus veranstaltete „Sommerakademie“ – eine Berufsorientierung für Schülerinnen und Schüler. Neu ins Leben gerufen wurde das ebenfalls von allen drei Häusern getragene Projekt „Jungs machen Kunst“, das den Schwerpunkt auf die Entwicklung von männlichen Kindern und Jugendlichen legt.

Programmvorschau 2010

Das Programm der Schirn Kunsthalle für das Jahr 2010 umfasst außergewöhnliche Themenausstellungen und Einzelpräsentationen von Künstlern des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Im Mittelpunkt stehen zwei französische Maler, die zu Ikonen der bildenden Kunst geworden sind: Während die Einzelausstellung „Georges Seurat. Figur im Raum“ (4. Februar – 9. Mai 2010) das malerische und zeichnerische Œuvre des Hauptvertreters des Neoimpressionismus vorstellt, zeigt „Courbet. Ein Traum von der Moderne“ (15. Oktober 2010 – 30. Januar 2011) den prominenten Vertreter der französischen Malerei als Wegbereiter für die poetische Kunst der Moderne. Im Rahmen ihrer Ausstellungen zu aktuellen zeitgenössischen künstlerischen Positionen präsentiert die Schirn in diesem Jahr die Einzelausstellungen „Eberhard Havekost. Retina“ (15. Januar – 14. März 2010), „Peter Kogler. Projektion“ (1. Juli – 12. September 2010) sowie „Mike Bouchet. Neues Wohnen“ (1. Juli – 12. September 2010) und richtet mit einer dem Werk des Malers Uwe Lausen gewidmeten Retrospektive („Uwe Lausen. Ende schön Alles schön“, 4. März – 13. Juni 2010) ein zusätzliches Augenmerk auf die Kunst der 1960er-Jahre. Wenig bekannten Phänomenen der bildenden Kunst widmen sich zwei große Themenausstellungen im Sommer und Herbst des Jahres: „Zelluloid. Film ohne Kamera“ (2. Juni – 29. August 2010) beleuchtet ein besonderes Genre des künstlerischen Experimentalfilms, während „Weltenwandler. Die Kunst der Outsider“ (24. September 2010 – 9. Januar 2011) künstlerische Ausdrucksformen jenseits des „offiziellen“ Kunstschaffens zeigt. Darüber hinaus findet das erfolgreiche Projekt „Playing the City“ im Jahr 2010 seine Fortsetzung (9. – 26. September 2010). Erneut werden zahlreiche internationale Künstlerinnen und Künstler den städtischen Raum bespielen und Fragen nach seinen Mechanismen aufwerfen.

Die Liebieghaus Skulpturensammlung präsentiert 2010 die Sonderausstellung „Sahure – Leben und Tod eines großen Pharao“ (25. Juni – 28. November 2010). Mit zahlreichen bedeutenden Originalzeugnissen führt die Ausstellung in die Kunst und Kultur des Alten Reichs ein und zeigt zahlreiche Skulpturen der fünften Dynastie, wichtige Reliefwerke, aber auch originale gewaltige Architekturelemente.

Das Städel Museum zeigt vom 23. April bis 25. Juli 2010 im Ausstellungshaus die über 180 Werke umfassende Ausstellung „Ernst Ludwig Kirchner. Retrospektive“. Die erste Kirchner- Retrospektive seit 30 Jahren in Deutschland ermöglicht einen neuen Blick auf die verblüffende Modernität Kirchners, dessen exzessives Leben in seiner Kunst auf unvergleichliche Weise seinen Niederschlag fand. Im Anschluss daran werden von September 2010 bis April 2011 Werke aus der Sammlung des Städel präsentiert. Der Bogen der Sammlungspräsentation spannt sich von Jan van Eyck, Andrea Mantegna und Hans Holbein d. J. über Rembrandt, Nicolas Poussin und Giovanni Battista Tiepolo bis hin zu Max Beckmann, Pablo Picasso, Alberto Giacometti oder Gerhard Richter und umfasst eine hochkarätige Auswahl von Meisterwerken aller Schulen und Jahrhunderte aus der Sammlung des Städel Museums.

Pressemitteilung
Städel Museum
Schirn Kunsthalle
Liebieghaus Skulpturensammlung

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