Vortrag von Prof. Dr. Michael F. Zimmermann im Rahmen der Ausstellung „Georges Seurat. Figur im Raum“
Donnerstag, 25. März 2010, 19 Uhr
Schirn Kunsthalle Frankfurt
Eintritt frei (ohne Ausstellungsbesuch)
Im Rahmen der Ausstellung „Georges Seurat. Figur im Raum“ veranstaltet die Schirn Kunsthalle Frankfurt ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Vorträgen, Expertenführungen und Workshops. Am Donnerstag, den 25. März 2010 um 19 Uhr hält Prof. Dr. Michael F. Zimmermann (Lehrstuhl für Kunstgeschichte, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt) einen Vortrag zu dem Thema „Seurat zwischen Optik und Avantgarde“.
Seurats pointillistische Malerei hat man stets mit der physiologischen Optik (der Erforschung des Sehvorgangs im Auge, in den Nervenbahnen und im Gehirn) von Goethe bis zu Helmholtz, von Chevreul bis zu Rood erklärt. In dem Streit, ob wir flächig sehen, der Raum also eine Projektion ist, oder ob wir immer schon räumlich sehen, die Fläche also eine Abstraktion ist, bezog er Position für erstere Option. Er gab der Leinwand die Struktur der Retina. Dennoch lässt sich sein Werk nicht durch Nervenphysiologie erklären. Seurat schuf keine „optische“ Kunst, sondern eine neue Farben- und Formensyntax (eine Regel zur Definition von Form- und Farbelementen sowie zu ihrer Zusammenfügung wie in den Sätzen einer Sprache) – für eine neue Gesellschaft, deren Aufkommen er ersehnte. Er erfand die Malerei neu, indem er sie in Elemente der Farbe und auch der Linie zerlegte, aus denen er nach syntaktischen Regeln das visuelle Erlebnis rekonstruierte. Einer utopischen Grammatikalisierung der Kunst durch Jugendstil, Bauhaus und Konstruktivismus bereitete er damit den Weg. Kunst war seither nur noch als Sprache denkbar.
Prof. Dr. Michael F. Zimmermann studierte Kunstgeschichte, Philosophie und Geschichte an der Universität zu Köln und der Université de Paris-Sorbonne, Paris IV. Im Anschluss promovierte der Kunsthistoriker über das Thema „Seurat. Sein Werk und die kunsttheoretische Debatte seiner Zeit“ an der Universität zu Köln (1985) und habilitierte sich im Jahr 2000 an der Freien Universität Berlin. Michael F. Zimmermann war unter anderem als wissenschaftlicher Assistent an der FU Berlin (1985–1990) und am Kunsthistorischen Institut Florenz (1990–1991) tätig, bevor er als zweiter Direktor an das Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München kam (1991–2002). Von 2002 bis 2004 lehrte der Kunsthistoriker als ordentlicher Professor für Kunstgeschichte der Neuzeit und der Moderne an der Université de Lausanne und ist seit September 2004 Inhaber des Lehrstuhls für Kunstgeschichte an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.
DIE AUSSTELLUNG „GEORGES SEURAT. FIGUR IM RAUM“
Der französische Neoimpressionist Georges Seurat (1859–1891) gilt als Ikone der bildenden Kunst des 19. Jahrhunderts und als wichtigster Vertreter des von ihm entwickelten Pointillismus. Mit rund 60 Gemälden, Ölstudien und Zeichnungen aus öffentlichen und privaten Sammlungen aus u. a. London, Paris, Zürich, New York und San Francisco bietet die Ausstellung in der Schirn Kunsthalle einen repräsentativen Überblick und nimmt zugleich einen wichtigen Aspekt von Seurats Œuvre in den Blick: die Figur im Raum. Kein Bildthema vermag ähnlich viel über Seurats Kunst zu erzählen. Sowohl das malerische als auch das zeichnerische Werk des Künstlers künden von seinem großen Interesse an diesem Sujet, dem er sich während seiner gesamten Schaffenszeit widmete. Der Künstler orientierte sich zunächst an Gruppierungen wie der École de Barbizon, an Epochen wie der Renaissance oder an Künstlerkollegen wie Puvis de Chavannes, setzte die Sujets jedoch in einer neuen Maltechnik und in innovativen Kompositionen um. In der Auseinandersetzung mit den Bildvorstellungen der Impressionisten und den neuesten naturwissenschaftlichen Erkenntnissen der Physiologie und der Farbtheorie entwickelte Georges Seurat jene Malweise, die als Pointillismus in die Kunstgeschichte einging und späteren Kunstschaffenden zu einer wichtigen Inspirationsquelle wurde.
Die Ausstellung wurde organisiert vom Kunsthaus Zürich in Kooperation mit der Schirn Kunsthalle Frankfurt.
THEMENFÜHRUNGEN IM RAHMEN DER AUSSTELLUNG:
Mittwoch, 14. April 2010, 20 Uhr
Themenführung: „Farbe als Licht - Licht als Farbe. Gemälde und Ölstudien von Georges Seurat”
Donnerstag, 15. April 2010, 20 Uhr
Themenführung: „Figuren im Gegenlicht. Zeichnungen von Georges Seurat”
ORT: SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT, Römerberg, D-60311 Frankfurt. INFORMATION: www.schirn.de, E-Mail: fuehrungen@schirn.de, Telefon: (+49-69) 29 98 82-112, Fax: (+49-69) 29 98 82-240. EINTRITT VORTRAG: frei. EINTRITT AUSSTELLUNG: 8 €, ermäßigt 6 €. ANMELDUNG: erforderlich unter: Tel. 069-29 98 82-112, fuehrungen@schirn.de.
Medienmitteilung
Schirn Kunsthalle Frankfurt
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