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Bernhard Johannes Blume: Die Brett-Bilder
25. März – 28. Mai 2012
Kunsthalle Bremen
Kurz vor dem Tod von Bernhard Johannes Blume (1937–2011) wurde der Kunsthalle Bremen das Konvolut der Brett-Bilder geschenkt. Vom 25. März bis 28. Mai 2012 werden die Werke nun zum ersten Mal im noch verbliebenen Umfang gezeigt.
In den 1980er Jahren fertigte Bernhard Johannes Blume aus alten Billig-Möbeln, im Stil kleinbürgerlicher Wohnzimmerkultur, eine Anzahl von Brett-Bildern an, deren Pseudo-Furnier er mit philosophischen Begriffen versah. Das Zusammenspiel von Text und Bild-Struktur verrät sinnfällig Blumes ironisch-poetischen wie humorvollen Umgang mit dem metaphysisch-religiösen Erbe des Abendlandes.
Zusammen mit seiner Frau Anna bildete Bernhard Johannes Blume ein Künstlerpaar, welches vor allem für ihre meist in Serien ausgeführten großformatigen Fotografien bekannt ist.
„Es sind Bretter, die er aus jenen Alt-Möbeln zurechtsägte, die in unseren gemeinsamen Foto-Inszenierungen während der späten 1970er bis Mitte der 1980er Jahre eine bildgebende Rolle spielten. Bernhard Johannes Blume recycelte diese Pressspan-Möbel-Reste zu handlichen Bild-Objekten, indem er ihre ‚Echtholz‘-Imitationen ‚Eiche‘-, ‚Buche‘- oder ‚Birke-Natur‘ zur ‚sporadischen Fortschreibung seiner Malerei‘ nutzte. Im provisorischen Stil naiver selfmade-Typografie sprayte er seine ‚quasiphilosophischen Begriffe‘ durch zuvor geschnittene Klebeschablonen auf diese Bretter. Es sind Wörter und Begriffe, die den immer betulichen und letztlich ideologischen ‚Jargon der Eigentlichkeit‘ auf dem Pseudo-Furnier dieser Möbelreste ironisch ins Bild heben. Viele der für die Fotoinszenierungen gebrauchten Möbelteile wurden im Anschluss daran auf diese und andere Weise sukzessive ‚entsorgt‘. Ihr traumatischer Gehalt war schließlich ‚abgearbeitet‘.
Eines der wenigen Foto-Aktions-Möbel, die in Gänze erhalten blieben, war aber jener Wohnzimmerschrank, der in unserer 1984 entstandenen Groß-Foto-Serie Im Wahnzimmer eine tragende Rolle spielte. Die Kunsthalle Bremen kaufte den durch die Bilder-Serie zum bedeutsamen Objekt gewordenen Schrank zusammen mit einem exemplarischen Teil der ‚Wahnzimmer-Serie‘. Der Tischler des Museums stabilisierte den Schrank gemäß unserer Präsentations-Vorgabe so, dass er, entsprechend seiner räumlichen Position im Foto, als eine Art ‚Ready-made‘ an die Wand gehängt werden konnte.“
(Anna Blume in: Wunderkammermusik; Riemer, Kreul; DuMont Buchverlag; September 2011)
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Beiträgen von Anna Blume und Andreas Kreul im Salon-Verlag in Köln, der sämtliche Brett-Bilder farbig wiedergibt; Preis: 18 Euro (ISBN 978-3-89770-410-7).
