Moderne Zeiten. Die Sammlung. 1900-1945. Neue Nationalgalerie
Ausstellung ab 12. März 2010
Neue Nationalgalerie | Berlin
Die Sammlung kehrt zurück: nach langer Abwesenheit präsentiert die Nationalgalerie ab 12. März 2010 wieder ihren reichen Bestand zur Klassischen Moderne im Mies van der Rohe-Bau.

Ernst Ludwig Kirchner | Potsdamer Platz, 1914 | Öl auf Leinwand | 200 x 150 cm | Erworben 1999 aus Mitteln der Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, der Bundesregierung, der Ernst von Siemens Kunststiftung, der Kulturstiftung der Deutschen Bank und anderer. | © Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, Foto: Jörg P. Anders, Berlin
Die langfristig angelegte Ausstellung „Moderne Zeiten“ führt in aller Deutlichkeit die herausragende Qualität des Sammlungsbestandes der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor Augen, durch welchen die Neue Nationalgalerie den Überblick über das 19. Jahrhundert der Alten Nationalgalerie mit Präzision und Reichtum fortführt.
Der Fokus liegt erstmals ganz auf der Epoche von 1900 bis 1945, die damit ausgreifender und vielschichtiger als bisher vorgestellt werden kann. „Moderne Zeiten“ lenkt den Blick auf Hauptwerke der modernen Malerei und Bildhauerei in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Höhepunkte aus Expressionismus, Dada, Neuer Sachlichkeit, Bauhaus-Kunst und Surrealismus sind in der Sammlung der Nationalgalerie glanzvoll vereint: Von jenem monumentalen Fries, den Edvard Munch 1906/07 für die Berliner Kammerspiele malte, über Ernst Ludwig Kirchners kraftvolles Hauptwerk „Potsdamer Platz“ von 1914 bis hin zu den „Zwei Schwestern“ von Fernand Léger mit ihren industriell anmutenden Körpern von 1935. Vorgestellt wird jedoch nicht nur der Kanon der Avantgarden, sondern auch die Vielfalt der Kunst zwischen Figuration und Abstraktion.
Eine weitere, bedeutende Dimension erfährt die Sammlungspräsentation durch fortwährende Verweise auf die wechselhafte und politisch geprägte Geschichte der Nationalgalerie. Gesammelt wurde unter den jeweiligen Gegebenheiten von Kaiserreich, Weimarer Republik, Nationalsozialismus, Bundesrepublik und DDR.
Die Geschichte der Klassischen Moderne in der Nationalgalerie beginnt mit der „Galerie der Lebenden“, die 1919 im ehemaligen Kronprinzenpalais eröffnet wurde, der damaligen Dependance des auf der Museumsinsel gelegenen Stammhauses der Nationalgalerie. Während der 1920er Jahre wurde dort eine hervorragende Sammlung von Gegenwartskunst aufgebaut. Besonders der Expressionismus, aber auch andere stilistische Richtungen waren mit zahlreichen Meisterwerken vertreten.
Als die Weimarer Republik 1933 durch die Nationalsozialisten zerschlagen wurde, begann auch die Verfolgung der modernen Kunst. Diese wurde in öffentlichen und privaten, insbesondere jüdischen Sammlungen beschlagnahmt, diffamierend zur Schau gestellt, verkauft oder zerstört. Seinen Höhepunkt fand der nationalsozialistische Bildersturm in der Ausstellung „Entartete Kunst“, die im Juli 1937 in München, anschließend in Berlin und an anderen Orten gezeigt wurde. Auf diese Weise verlor die Nationalgalerie über 500 Kunstwerke.
Innerhalb der aktuellen Sammlungspräsentation erinnern Fotografien an ausgewählte Hauptwerke, die ehemals zum Bestand der Nationalgalerie gehörten. Diese Bilder sind als schwarz-weiße Reproduktionen in Originalgröße wiedergegeben. Die Fotografien sind ein Versuch, die Sammlungsgeschichte in Auswahl transparent zu machen. Die Präsentation „Moderne Zeiten“ bietet daher einerseits den höchsten ästhetischen Genuss von Kunst, andererseits regt sie auch an zur Reflexion über Geschichte, Kunst und Politik. In keiner anderen öffentlichen Sammlung in Deutschland werden derartige Zusammenhänge aufgrund der Bestände so anschaulich wie in der Nationalgalerie.
Der Gang durch die Sammlung folgt nicht streng der Chronologie, sondern wechselt zwischen Künstler-, Themen- und Zeiträumen. Drei Künstlerpersönlichkeiten werden in Einzelräumen gewürdigt: Ernst Ludwig Kirchner, Max Beckmann und Rudolf Belling. Eine thematische Orientierung gibt es etwa bei den Naturstudien der „Brücke“-Künstler oder beim Verhältnis von Mensch und Maschine.
Auf die Zeitgeschichte beziehen sich Räume zum Ersten und Zweiten Weltkrieg. Die Benennung der Ausstellungsräume folgt dabei jeweils den Titeln einzelner Hauptwerke.
Zwei Ausstellungssektionen setzen sich durch ihre Gestaltung von den übrigen Bereichen ab. Zum einen ist dies ein Raum, den das Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin in eigener Regie mit Zeichnungen und Grafiken aus ihrem reichen Bestand bespielt. Zum anderen handelt es sich um eine Sektion, welche der Gattung des Porträts gewidmet ist. Dort ist eine Vielzahl unterschiedlichster Porträts collageartig arrangiert, um den Variantenreichtum der in der Sammlung vertretenen Bildnisse vorzuführen. Eine Art geistige Schirmherrschaft übernimmt Charlie Chaplin. Mit dem Titel seines berühmten Filmes »Modern Times« (1936), einer Satire auf die moderne Arbeitswelt, ist die aktuelle Sammlungspräsentation in der Neuen Nationalgalerie überschrieben.
„Moderne Zeiten“ ist der erste einer auf zwei Teile angelegten Präsentation der Sammlungsbestände der Nationalgalerie zum 20. Jahrhundert. Im An- schluss an die Klassische Moderne werden ab Herbst 2011 Werke aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg gezeigt, bevor danach die besondere und schützenswerte Architektur Mies van der Rohes hoffentlich einer umfassenden Sanierung unterzogen und in ihren originalen Zustand zurückgeführt und erhalten werden kann.
Eröffnung der Ausstellung: Do 11. März 2010, 20 Uhr
Zur Eröffnung der Neupräsentation sprechen:
Michael Eissenhauer
Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin
Udo Kittelmann
Direktor der Nationalgalerie
Dieter Scholz
Kurator der Neuen Nationalgalerie
Geöffnet: Di + Mi 10-18 Uhr, Do 10-22 Uhr, Fr 10-18 Uhr, Sa+So 11-18 Uhr
Das Café in der Neuen Nationalgalerie ist geöffnet.
Medienmitteilung
Staatliche Museen zu Berlin