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wechselausstellungen.de | 6. September 2010

Nezaket Ekici. Zitate

04.09.2010 - 16.10.2010
Galerie DNA | Berlin

Ist schon Alles gesagt? Können wir nur noch zitieren? Geht es in der Kunst nicht darum, das Neue zu wagen?

Angenommen, es gibt nichts Neues unter der Sonne und es ist nicht möglich, wirklich “Neues” zu schaffen, dann wäre das doch halb so schlimm. Das Neue hat lediglich die Funktion, ein Erstaunen in uns auszulösen. Im übrigen zählt doch auch nur die individuelle Perspektive: Nur das, was für mich Neu ist, kann “Neu” genannt werden. Es ist dann irrelevant, ob es in der Geschichte der Menschheit schon einmal vorkam. Vielleicht wurde es schon gemacht, gesagt und getan, aber nicht überliefert.

Ein “neues” Kunstwerk kann sich immer nur mimetisch an bereits vorhandene Kunstwerke anlehnen. Jedes neue Kunstwerk ist ein Zitat und eingebunden in einen künstlerischen Verweisungszusammenhang. Zitate definieren sich über den Unterschied zu einem Ursprung, dem Original, von dem sie Zitate sind. Die Künstlerin bearbeitet die Unterscheidung von Original und Kopie und macht den künstlerischen Verweisungszusammenhang sichtbar, um klarer faßbar zu machen, was Kunst auszeichnet - jedoch nicht ohne eine Transformation einzuführen.

In der Ausstellung werden zwei Werke präsentiert, die sich mit dem Verhältnis von Original und Zitat beschäftigen.

Zum einen wird die Perfomance/Installation “Form it able” gezeigt, die am 10.8.2010 im theaterforum kreuzberg live mit der Künstlerin und 14 Modellen vor geladenem Publikum aufgeführt wurde. In der Ausstellung “Zitate” sieht man nun die Relikte wie Sockel, Musikständer, die Abbildungen der Malerei aus 600 Jahren Kunstgeschichte sowie die Videodokumentation der Performance. Die ausgestellte Arbeit „Form it able“ ist bereits als ein Zitat angelegt: Die Künstlerin und die Modelle zitieren kunstgeschichtliche Werke, indem sie diese nachstellen. Das die Modelle dabei passiv bleiben, da sie durch das Publikum in Position gebracht werden, läßt den Charakter des Zitats noch weiter in den Vordergrund rücken: Hier werden Zitate zitiert.

In der Ausstellung „Zitate“ wird dieser Gedanke noch weitergetrieben. Der Betrachter kann auf den leeren Sockeln die Figuren der auf Musikständern sichtbaren originalen Malerei nachahmen und so eigene Zitate einbringen. Die leeren Flächen sind sozusagen Möglichkeitsflächen für weitere Zitate von Zitaten von Zitaten.

Mit der Live-Performance “Defiant” wird am Eröffnungsabend der ausufernde Verweisungszusammenhang der Arbeit „Form it able“ wieder eingefangen. Der Betrachter sieht in der Performance die Künstlerin Nezaket Ekici auf einem Podest mit einem Kleid, das mit 4000 Zahnstochern besetzt ist sowie eine Live-Projektion der Aktion an der Wand. Original (Performance) und Zitat (Projektion) werden gleichzeitig sichtbar, jedoch wird mit dem Stachelkleid eine symbolische Grenze eingezogen, die verhindert, dass der Betrachter dem Phänomen des Zitierens und dem Original zu nahe kommt und es entschlüsselt: Die Stacheln halten den Betrachter auf Distanz. Der Unterschied von Original und Zitat behauptet sich widerspenstig (defiant) gegen Vereinnahmung. Dennoch könnte man fast sagen, Original und Zitat verschmelzen hier ununterscheidbar wie in einem Punkt miteinander.

Text: Dr. Andreas Dammertz

Galerie DNA

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