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wechselausstellungen.de | 8. Februar 2010

War hier eine Synagoge? Synagogenbauten in Polen. Wojciech Wilczyk - Fotografie und Projektion

14. Februar – 11. April 2010
Kunstsammlungen Chemnitz

Wojciech Wilczyk | Dabrowa Tarnowska | Synagoge, Berke Joselewicza Straße,  12.07.2007 | © Wojciech Wilczyk

Wojciech Wilczyk | Dabrowa Tarnowska | Synagoge, Berke Joselewicza Straße, 12.07.2007 | © Wojciech Wilczyk

Der polnische Künstler Wojciech Wilczyk, geboren 1961 in Krakau, fotografierte in einer dreijährigen Recherche ehemalige Synagogen und private Gebetshäuser in Polen. Herausgekommen ist dabei eine Dokumentation über Synagogen, die noch existieren, aber nicht mehr den jüdischen Gemeinden gehören. Heute verfallen die früheren Gebetshäusern oder werden anderweitig als Supermärkte, Wohnhäuser oder Polizeiwachen genutzt. Die vorhandene Architektur wurde in den meisten Fällen zerstört. Ornamente wurden abgeschlagen, Wände glatt geputzt und das Innere der Synagogen einfach entfernt. Man hat schlicht alles ausgelöscht, was an die frühere Nutzung erinnern könnte.

Wilczyk versucht mit sachlichem Blick, Fotografien der Erinnerung der jeweiligen Orte festzuhalten. Ohne Pathos und fernab jeglicher Postkartenästhetik dokumentiert Wilczyk historische Gebäude, die nur scheinbar mit der heutigen Gesellschaft verbunden sind und immer noch die Erinnerung an eine schwierige Vergangenheit wecken. Obwohl die meisten europäischen Juden vor dem Holocaust in Polen lebten, ist das Gedächtnis an die jüdische Tradition des Landes kaum mehr präsent. Wojciech Wilczyk wollte dieser schleichenden Verdrängung durch seine Dokumentation entgegenwirken. Sein melancholisch anmutendes Werk repräsentiert den Verlauf der Geschichte, die an den Bauwerken deutlich wird. Die unterschiedliche Nutzung der ehemaligen Gotteshäuser resultiert aber nicht nur aus der Geschichtsvergessenheit. Die Situation der Nachkriegsjahre führte dazu, Synagogen umzufunktionieren, denn das jüdische Leben war durch Vernichtung und Emigration fast völlig zum Erliegen gekommen.

Wojciech Wilczyk zählt zu einer Generation von Künstlern, die den Rahmen des künstlerischen Diskurses in Polen bestimmen. Neben seinen Kunstwerken und zahlreichen Veröffentlichungen nahm er an Konferenzen und Ausstellungen in führenden polnischen Institutionen teil. Er stellte die Verbindung zwischen den Generationen von Dokumentarfotografen her und gründete auch selbst eine Gruppe von Fotorealisten.

Die Kunstsammlungen Chemnitz zeigen neben 20 Arbeiten eine Projektion mit allen 310 Fotografien von Synagogenbauten in Polen. Nach Christian Tomaszewski im Jahr 2006 ist Wojciech Wilczyk der zweite zeitgenössische Künstler aus Polen, der in den Räumen der Kunstsammlungen Chemnitz präsentiert wird.
Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Museum Atlas Sztuki, Łódź, der polnischen Partnerstadt von Chemnitz.

Publikation: Herausgegeben von Ingrid Mössinger und Katharina Metz, mit Textbeiträgen von David Peleg, Adam Mazur, Eleonora Bergmann, Wojciech Wilczyk und Elzbieta Janicka und 20 Farbabbildungen, 10 Euro.

PRESSEGESPRÄCH: Freitag, 12. Februar 2010, 11 Uhr
AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG: Samstag, 13. Februar 2010, 19 Uhr

Medienmitteilung
KUNSTSAMMLUNGEN CHEMNITZ
Generaldirektorin: Ingrid Mössinger
Kuratorin: Katharina Metz
Theaterplatz 1 I 09111 Chemnitz
Tel. +49 (0) 371 488 44 24 I Fax +49 (0) 371 488 44 99
kunstsammlungen@stadt-chemnitz.de I www.kunstsammlungen-chemnitz.de
Öffnungszeiten: Dienstag - Sonntag, Feiertage 11-18 Uhr



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