Noble Gäste - Meisterwerke der Kunsthalle Bremen zu Gast in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe
Ab 20. Februar 2009, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe
Die Sammlung Altdeutscher Malerei der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe zählt nicht nur zu den ältesten und größten, sondern auch zu den bedeutendsten Sammlungen ihrer Art weltweit. Zu dieser Abteilung, die mehr als 230 Gemälde umfasst, gehören die sechs Tafeln des Meisters der Karlsruher Passion, die eines der raren Zeugnisse für die wunderbare Blüte spätgotischer Kunst am Oberrhein sind. Einen Schwerpunkt der Sammlung bilden auch die Tafeln Dürers und seines Schülers Hans Baldung Grien sowie herausragende Werke Lucas Cranachs.
Ab dem 20. Februar 2009 werden fünf bedeutende Kunstwerke Altdeutscher Meister als Leihgaben der Kunsthalle Bremen die Sammlung für voraussichtlich zwei Jahre bereichern. Zwei Altarflügel mit Darstellungen des Heiligen Onuphrius und Johannes, des Täufers (um 1505) von Albrecht Dürer, „Die Geburt Christi“ von Albrecht Altdorfer (1507), ein Andachts- bild vom Meister des Bartholomäus-Altares (um 1490) sowie eine alte Kopie nach einem verschollenen Gemälde Dürers fügen sich krönend in den Umkreis Dürers ein und eröffnen einen neuen Blick auf die Sammlung. Die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe zählt damit zu den 21 deutschen Museen, die während des Umbaus der Kunsthalle Bremen ausgesuchte Werke aus deren Bestand beherbergen.
Mit Albrecht Dürer fiel die Wahl auf einen Künstler, der von jeher das Gesicht des Hauses mit prägte. Schon beim Eintritt in das 1837–1846 errichtete Hauptgebäude empfängt er die Besucher: Rechts neben der Eingangstür befindet sich ein von Franz Xaver Reich in Sandstein gemeißeltes Relief, das Dürer, flankiert von Hans Holbein d. J. und Peter Vischer, in pelzbesetzter Schaube und mit einer Palette in der linken Hand zeigt. Auf dem Weg zur altdeutschen Abteilung im ersten Oberschoss begegnet man dem Nürnberger Meister erneut, diesmal repräsentiert durch eine monumentale Büste, 1840 vom Deutschrömer Johann Christian Lotsch in Marmor gehauen.
Lotsch schuf diese Skulptur zusammen mit ihrem Gegenstück, das Raffael darstellt, im Auftrag des badischen Großherzogs Leopold für den Ort, an dem sie sich noch heute be- findet: das Wendepodest des großen Treppenhauses. Allen Kunstfreunden, die das Haus betraten, wurden auf diese Weise die überragenden Vertreter der deutschen und itali- enischen Hochrenaissance als über die Jahrhunderte hinweg wirkende Leitfiguren vor Augen geführt. Ein Mangel dieses romantischen Konzepts war, dass weder Dürer noch Raffael mit Gemälden in der Sammlung vertreten waren, jedenfalls nicht mit eigenhändigen Bildern. Für Raffael gilt das bis heute. Doch mit dem Tafelbild „Christus als Schmerzensmann“ gelangte 1941 ein bedeutendes Frühwerk Dürers in den Besitz der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe. Außerdem kann sein druckgraphisches Œuvre in großer Breite und hoher Qualität bewundert werden: Das Kupferstichkabinett besitzt 136 Holzschnitte, 97 Kupferstiche und neun Radierungen Dürers, die zum größten Teil aus der Sammlung des badischen Markgrafen Friedrich V. von Baden-Durlach (1594 –1677) stammen.
Die beiden Bremer Dürer-Tafeln „Der hl. Onuphrius“ und „Der hl. Johannes der Täufer“ sind vor diesem Hintergrund hochwillkommene Gäste. Während der Karlsruher Schmerzensmann – um 1493, das heißt in Dürers oberrheinischer Zeit entstanden – stilgeschichtlich noch der Spätgotik angehört, sind die um 1505 gemalten Bremer Heiligen schon ganz von der Be- gegnung mit der italienischen Renaissance geprägt. In der Gegenüberstellung wird die durch Dürers Venedigreise 1495 ausgelöste Entwicklung evident.
Auch zwei weitere Leihgaben der Kunsthalle Bremen laden zum Vergleich mit Dürers Schmerzensmann-Darstellung ein: Die dem „Meister des Bartholomäus-Altares“ zuge- schriebene Tafel, ebenfalls mit dem Motiv des „Christus als Schmerzensmann“ sowie das Leinwandbild „Christus mit der Dornenkrone“, eine alte Kopie eines anonymen Meisters nach einem verschollenen Gemälde Dürers. Alle diese Werke sind Andachtsbilder, die mit großer Eindringlichkeit zur compassio und Nachfolge Christi aufrufen.
Als weiterer Höhepunkt wird die bezaubernde „Geburt Christi“ Albrecht Altdorfers auf Zeit eine empfindliche Lücke im ansonsten so reichen Karlsruher Bestand altdeutscher Gemälde schließen, da dieser Hauptmeister der Donauschule hier leider mit keinem Werk vertreten ist. Eindrucksvoll wird die Bremer Leihgabe hier mit Gemälden Lucas Cranachs harmonieren und zum Vergleich mit Hans Baldung Griens geheimnisvollem Weihnachtsbild herausfordern.
Stichwörter / Tags: Karlsruhe, Kunsthalle Bremen, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe
Die Nutzung der Kommentierungsfunktion ist als Gast ohne Registrierung möglich. Nach Eingabe eines Nutzernamens und einer E-Mail-Adresse können Sie einen Kommentar hinterlassen.
Alternativ können Sie sich bei Disqus registrieren oder sich über Ihre Facebook-, Twitter-, Google-, Yahoo- oder OpenID-Accounts anmelden. blog comments powered by Disqus