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wechselausstellungen.de | 5. Januar 2009

Noble Gäste. Meisterwerke der Kunsthalle Bremen in der Kunsthalle zu Kiel

20.12.2008 - Ende 2010
Kunsthalle zu Kiel

„Die Kunsthalle Bremen baut um und die Bremer Sammlung geht auf Reisen. Über 200 Meisterwerke aus dem Bestand der Kunsthalle Bremen werden als „Noble Gäste“ auf Zeit mehr als 20 Museen in Deutschland bereichern. Noch vor dem Weihnachtsfest ziehen einige bedeutende Werken in die Kunsthalle zu Kiel ein. Diese noblen Gäste zu beherbergen bereitet Vergnügen und macht spannende Korrespondenzen mit der Kieler Sammlung möglich. Die Bremer Kollektion – mit Werken von Arnold Böcklin oder Wilhelm Leibl – bringt den Kieler Bestand mit bedeutenden Wegbereitern der Moderne ins Gespräch. Das Kunstpublikum darf gespannt sein, denn raffinierte Historienbilder, feinste Porträts und exquisite Landschaften von u. a. den Nazarenern Friedrich Overbeck und Julius Schnorr von Carolsfeld oder dem Leibl-Kreis mit Hans Thoma oder Wilhelm Leibl gruppieren sich nun um die bekannten Kieler Meisterwerke. Anselm Feuerbach, Ferdinand Georg Waldmüller und Ludwig Richter runden das wertvolle Bremer Gemälde-Ensemble mit weiteren Schlüsselwerken ab.

Arnold Böcklin | Der Abenteuerer, 1882 | Kunsthalle Bremen - Der Kunstverein in Bremen | Foto: Lars Lohrisch

Arnold Böcklin | Der Abenteuerer, 1882 | Kunsthalle Bremen - Der Kunstverein in Bremen | Foto: Lars Lohrisch

Mehrere Schwerpunkte der Bremer Sammlung sind in der Kieler Auswahl repräsentiert. Von den Hauptwerken der Nazarener wie Die Findung Mosis, 1823, von Johann Friedrich Overbeck und Der Sechskampf auf der Insel Lipadusa, 1816, von Julius Schnorr von Carolsfeld über wichtige Gemälde der Deutschrömer wie der Abenteurer, 1882, von Arnold Böcklin (unser Einladungskarten-Motiv) und Mandolinenspieler (1868), von Anselm Feuerbach (im Ausschnitt als Hausbanner) bis zu den impressionistisch wirkenden Werken Blühender Apfelbaum von Johann Sperl, Das Mädchen mit dem weißen Tuch, 1897, von Wilhelm Leibl und Der Gartenweg, 1903, von Fritz von Uhde zeichnen die 17 Bilder die Entwicklung der bereits international ausgerichteten Kunst im 19. Jahrhundert nach.
Ein Charakteristikum der Bremer Delegation, die in den sog. Parkblick-Sälen mit schöner Aussicht auf den Skulpturengarten der Kunsthalle zu Kiel einquartiert ist, ist ihre Liebe zu Italien. In Auflehnung gegen den Wiener Akademiebetrieb bot die italienische Kunst des 16. Jahrhunderts produktive Fluchtpunkte auf dem Weg ins ‚Sehnsuchtsland’ der Nazarener. Overbecks Gemälde zeigt starke Reminiszenzen an die Malerei des Raffael. Künstler der folgenden Generation wie Friedrich Nerly und Adrian Ludwig Richter verbrachten entscheidende Jahre ihrer künstlerischen Laufbahn in Italien, zumeist in Rom. Zahlreiche romantisierende Landschaftsdarstellung wie die Ölstudie von Nerly legen davon Zeugnis ab.

Zum Hintergrund
Wie andere deutsche Museen auch sind die Kunsthallen in Bremen und Kiel aus den Aktivitäten eines Kunstvereins hervorgegangen. Der Bremer Museumsbau wurde 1849 errichtet, Kiel erhielt seine erste Kunsthalle 1857. Nun erfährt das Traditionshaus in Bremen einen spektakulären Anbau. Der Entwurf des Berliner Architekturbüros „Hufnagel Pütz Rafaelian“ sieht zwei kompakte, das Haus flankierende Bauten vor, die die ehemalige Symmetrie des Erstbaus wieder herstellen. Der 1982 errichtete Anbau wird wieder zurückgebaut, so dass ein schmaler Kubus entsteht. Durch das Spiel über die beiden neuen Flügel gewinnt die Kunsthalle 4.400 Quadratmeter zusätzlicher Nutzfläche, die für Wechselausstellungen zur Verfügung stehen wird. Ermöglicht werden Modernisierung und Kapazitätserweiterungen durch Finanzierungszusagen seitens des Bundes, der die sich auf 30 Millionen belaufenden Kosten zu einem Drittel übernimmt. Die restlichen Zweidrittel des Joint Venture schultern das Land Bremen und der örtliche Kunstverein. Museumsdirektor Wulf Herzogenrath betont: „Ein Museum beschneidet sich selbst, wenn es nicht in die Gegenwart hinein wachsen kann.“ Die Neueröffnung ist für das Frühjahr 2011 geplant. Bis dahin ist der 2.000 Gemälde, Skulpturen und Medieninstallationen umfassende Bestand in namhaften Häusern von Kiel bis Karlsruhe, Berlin bis München, Chemnitz bis Münster beherbergt. In der Kunsthalle zu Kiel verbleiben die Noblen Gäste bis 2010.

Die Ausstellung
Die 17 qualitätvollen Gemälde des Bremer Bestandes, die der Kunsthallendirektor Dr. Dirk Luckow zusammen mit dem Wissenschaftlichen Leiter der Sammlung Dr. Peter Thurmann aus dem Bremer Depot ausgesucht hat, zeichnen die Entwicklung der deutschen Kunst im 19. Jahrhundert nach. Allegorische Historien, anspielungsreiche Damenporträts und religiöse Mythologien in psychologischer Zuspitzung, aber auch impressionistische Studien nach der Natur fokussieren die Neuerungen dieses manchmal unterschätzten Jahrhunderts für die Entwicklung der Moderne. Es zeigt sich: Die Kunst des 19. Jahrhunderts setzt ein informiertes Kunstpublikum voraus, das sich zwar nicht mehr allein auf religiöse Werte einigt, wohl aber auf einem sicheren Wertekanon beruht. Daraus erklärt sich ein weiteres Mal die wichtige Funktion der Kunstvereine innerhalb des Kunstbetriebs des 19. Jahrhunderts.“

Kunsthalle zu Kiel



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