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wechselausstellungen.de | 24. Juli 2010

Neue Alchemie. Kunst der Gegenwart nach Beuys.

19.9.2010 - 16.1.2011
LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster

Über 20 Jahre nach dem Tod von Joseph Beuys macht sich eine junge Künstlergeneration auf den Weg und beschwört, als neue „vaterlose Generation“, die Kraft des Ursprünglichen, der Natur, der Energie und des Irrationalen. Diese neue Kunst hat sich dem Leben und der unmittelbaren sinnlichen Erfahrung verschrieben. Als Reaktion auf die Gewissheit, dass letztlich nichts gewiss ist, entstehen Werke, die in ihrer Unmittelbarkeit die eigene Prozesshaftigkeit, das Flüchtige der ästhetischen Erfahrung und die Poesie des Moments einfangen.

Ausgangspunkt für die Ausstellung ist die Beobachtung, dass in den letzen Jahren eine Vielzahl von jungen Künstlern, die in den 1970er Jahren geboren sind, in ästhetischer und inhaltlicher Hinsicht stark an das Schaffen und Denken von Joseph Beuys anknüpfen. Zentrale geistesgeschichtliche Aspekte in der Arbeit von Joseph Beuys erfahren bei der jüngeren Künstlergeneration eine Aktualisierung. Das starke Interesse von Beuys an der Anthroposophie nach Rudolf Steiner und dessen Integration von spirituellen Aspekten der Weltanschauung in die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse des frühen 20. Jahrhunderts, sowie deren Ausweitung auf lebensphilosophischen Ansätze, lassen sich auch in den beschriebenen jungen Positionen der Gegenwartskunst erkennen. Die hier betonte Ganzheitlichkeit des Lebens und des besonderen Wertes von Vitalität, Kreativität und Dynamik gegenüber von reiner Zweckrationalität und Vernunft scheint sich gegenüber einer zeitgenössischen Gegenwart zu positionieren, in der Themen wie das konkurrenzlos durchgesetzte kapitalistische Zweckdenken und die ökologische Energiekrise, sowie die dadurch ausgelöste Endzeitstimmung die öffentliche Diskussion bestimmen. Als Antwort scheint sich eine wiederum erneuerte, romantische „Zurück zur Natur“ – Bewegung zu bilden. Die zentrale These der Arte Povera, die auch Beuys für sein Denken übernommen hatte, gewinnt hier neues Gewicht: Um der existenziellen Verunsicherung durch die Moderne zu entgehen, werden die künstlerischen Mittel reduziert. Die Besinnung auf die eigenen Person, die Möglichkeiten und die Interaktion im Raum, sowie eine neue Wertschätzung der Materialien und der Natur stehen erneut im Mittelpunkt.

Die ausgewählten Künstlern stehen mit ihren Arbeiten oft erst seit einigen Jahren in der Öffentlichkeit und konnten bereits ein hohes Maß an internationaler Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Bereits bestehende Arbeiten werden für die Ausstellung mit speziell für das LWL-Landesmuseum konzipierten Arbeiten kombiniert und in Performances und Veranstaltungen in das Ausstellungsgeschehen eingebunden.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der sowohl die historischen Anknüpfungspunkte als auch die Ausstellung dokumentiert. Die Ausstellung eröffnet fast zeitgleich zur Eröffnung der großen Joseph Beuys Retrospektive „Parallelprozesse“ in der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf und zeigt auf, wie die von ihm eingeführten ästhetischen und inhaltlichen Kategorien in der Gegenwart aufgegriffen und weitergedacht werden.

LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte
Domplatz 10
48143 Münster

Öffnungszeiten:
Di - So 10 - 18 Uhr
Do bis 21 Uhr

Medienmitteilung
LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster

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