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Spektakuläre Zeichnung erworben! Zuwachs bei der Graphischen Sammlung der MHK
Die Graphische Sammlung der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) konnte Dank der großzügigen Sponsoren Christiane Pietzcker aus Kassel, der Dirk und Christiane Pietzcker Stiftung und des Museumsvereins Kassel e.V. eine Zeichnung des brillanten Landschaftszeichners und -radierers Johann Georg von Dillis erwerben. Die Zeichnung stellt eine große Bereicherung für die Graphische Sammlung der MHK dar, in der Dillis bisher nicht nennenswert vertreten war. „Beim Verwitterten Baumstamm von Johann Georg Dillis wurde wiederum ein deutsches Museum schwach. Und das mit Grund, denn dieses wunderbar leichthändig getuschte Blatt in seinen nuancierten Brauntönen und lichten Partien führt vor, wie experimentierfreudig der Künstler schon um 1790 (…) war, “ schreibt Annette Lettau in der ZEIT (31.3.). Das kürzlich erworbene Blatt wurde 2010 von der Albertina in Wien gemeinsam mit 28 anderen Zeichnungen des jüdischen Sammlers Michael Berolzheimer (Fürth 1866 – Mont Vernon, New York 1942) restituiert. Bei seiner Flucht aus Deutschland hatte Berolzheimer 1938 seine über 800 Blätter umfassende Handzeichnungssammlung zurücklassen müssen. Die Zeichnung wurde aus dem Münchner Kunsthandel erworben und der Graphischen Sammlung als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Dort bereichert sie die Sammlung an Zeichnungen der Goethezeit um ein stimmungsvolles Meisterwerk auf Papier.
Nach einem Studium der Theologie folgte Dillis seinen eigentlichen Neigungen und studierte an der Münchner Zeichnungsakademie. Für den Broterwerb gab er in adeligen Familien Zeichenunterricht. Sein Interesse galt zunächst der heimatlichen Landschaft. So hielt er im Auftrag des Amerikaners Graf Rumford die „interessantesten Gegenden des Bayer. Gebirges“ fest. „Auf einer dieser Reisen in die Umgebung Münchens könnte auch die Zeichnung des umgestürzten Baumstammes vor einer weiten Berglandschaft entstanden sein;“ mutmaßt Dr. Christiane Lukatis, Leiterin der Graphischen Sammlung der MHK. Dillis nutze geschickt den zerborstenen Stamm, um den Tiefenzug der Landschaft zu verstärken und den Blick des Betrachters zu dem angedeuteten Bergsee im Hintergrund zu ziehen, so Lukatis weiter. Effektvoll kontrastiere der marode Baum mit dem frisch ausschlagenden Buschwerk dahinter. Die lockere, freie Strichführung, mit dem Dillis die feinen Zweige und Blätter der Büsche andeutet, verweise bereits auf sein Spätwerk, in dem sich der Künstler eine äußerst moderne, unkonventionelle Zeichenweise aneignete.
Dillis, der ab 1790 zunächst als Galerieinspektor, später als Galeriedirektor im Dienst der Bayerischen Könige stand, war maßgeblich an der Neuordnung und dem Ausbau der 1836 eröffneten Alten Pinakothek beteiligt. Diese Tätigkeit gab ihm die finanzielle Unabhängigkeit, um künstlerisch seine eigenen Wege zu gehen. Die Natur selbst wurde ihm zur Lehrmeisterin. Dillis hinterließ ein umfangreiches zeichnerisches Werk, in dem auch seine zahlreichen Reisen nach Italien, aber auch nach Paris, Wien oder Prag dokumentiert sind. Neben Landschaften widmete er sich auch genrehaften Szenen, in denen er das Treiben der einfachen Bevölkerung festhielt.
Sponsoren:
Christiane Pietzcker, Kassel
Dirk und Christiane Pietzcker Stiftung
Museumsverein Kassel e. V.
Museumslandschaft Hessen Kassel
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