Mittwoch, 19. Juni 2013

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Thomas Demand gestaltet den Metzler-Saal des Städel Museums

Im Zuge der baulichen und inhaltlichen Erweiterung des Städel Museums wird der international renommierte deutsche Künstler Thomas Demand (*1964 in München) im historischen Metzler-Saal des Hauses eine ortsbezogene raumgreifende Arbeit realisieren. Die Installation „Saal“ (2011) bedeckt alle vier Wände des 240 m2 großen Veranstaltungsraums mit einem illusionistischen purpurfarbenen Vorhang, der sich bei genauerer Betrachtung als optische Täuschung offenbart. Die sich über 380 m2 Wandfläche erstreckende Arbeit ist das größte bislang für ein Museum konzipierte Werk Demands.

„Thomas Demands Arbeiten tragen gleichermaßen ein Moment der Vergangenheit wie der Gegenwart in sich und beschäftigen sich mit der Realität und Transformation des bildlichen Gedächtnisses. Besonders gereizt hat uns in diesem Kontext, den Künstler mit der Gestaltung des Metzler-Saals zu einer Auseinandersetzung mit einem historischen Gebäude einzuladen, das eine bedeutende Gemäldesammlung beherbergt“, so Städel-Direktor Max Hollein.

Der neu gestaltete Metzler-Saal wird für die Öffentlichkeit erstmals bei der Veranstaltung „Standpunkte zur Kunst“ am 7. Dezember 2011 zugänglich sein. Am 20. Dezember 2011 wird Thomas Demand im Städel Museum gemeinsam mit Dr. Martin Engler, Sammlungsleiter Gegenwartskunst, über seine Rauminstallation sprechen.

Die Illusion schweren Brokats, die der prunkvolle, samtig changierende Vorhang vermittelt, wird gebrochen, sobald sich der Betrachter der – wie sich herausstellt – völlig flachen Wandarbeit nähert. Knicke, Falten und Unvollkommenheiten wurden dabei absichtlich belassen. Zu sehen ist die Reproduktion des Papiermodells eines Vorhangs, das in einem Fotostudio im Maßstab 1:1 aufgebaut und fotografiert wurde. Demand hat die Aufnahme im Transferdruckverfahren auf eine textile Wandbespannung aus Kunstfaser übertragen. Der bedruckte Stoff wurde auf hochkantige Paneele gespannt, die mittels Magneten an den Wandflächen fixiert sind. Vorhänge treten in den Arbeiten Thomas Demands seit einigen Jahren verstärkt in Erscheinung. In der Vergangenheit waren sie auch in ihrer realen Ausführung Teil der Gesamtinszenierung seiner Fotografien. Im Metzler-Saal ist der Vorhang nun selbst Gegenstand der Arbeit. Mit seinem eleganten Faltenwurf gibt er dem Raum eine ebenso vertraute wie prunkvolle Fassung, die gekonnt mit der Illusion des Betrachters spielt und auch als zitathafte Anspielung auf bestimmte Gemälde der Städel-Sammlung gelesen werden kann: So nimmt „Saal“ beispielsweise ebenso auf die Gestaltung der Falten und die Stofflichkeit in der altniederländischen Malerei Bezug, die zu den höchsten Leistungen der europäischen Kunst zählt, wie auf die in der Renaissance wiederentdeckte antike Trompe-l’œil-Technik, ein illusionistisches Verfahren, dem man in Gemälden und in der Architektur begegnet. Verbindungen lassen sich auch zu Gerhard Richters Bild „Großer Vorhang“ (1967) herstellen, einem nahezu monochromen Werk, das den Faltenwurf eines grauen Stoffes abzubilden scheint. Nicht zuletzt erinnert die Stofflichkeit des textilen Wandbezugs an das „Stoffbild“ (1970) Blinky Palermos. Der Metzler-Saal, der im Zuge der Erweiterung des Museums zur Schnittstelle der Städelschen Sammlungsräume alter und neuer Kunst wird, erhält durch die Intervention Thomas Demands eine ästhetische Rahmung, die ihn zur sinnfälligen Verbindung von Tradition und Gegenwart macht, und ist so konzeptuelles Kunstwerk wie historisierender Festsaal zugleich.

Die Arbeit „Saal“ im Städel Museum wurde aus Mitteln des Städelkomitees 21. Jahrhundert erworben. Produziert und gefördert wurde die Arbeit von dem dänischen Textilunternehmen Kvadrat. Sowohl die Vorlage der Vorhänge als auch die Paneelinstallation mit „Soft Cells“ und die textile Wandbespannung stammen aus diesem Haus. Kvadrat, 1968 gegründet, ist heute führend, wenn es um moderne und innovative Textilien im Designbereich geht. Das Produktportfolio umfasst sowohl Möbeltextilien als auch Vorhangstoffe, die an namhafte Hersteller weltweit geliefert werden. Im Entwurfsprozess arbeitet Kvadrat mit international renommierten Designern, Architekten und Künstlern zusammen: Mit den „Kvadrat art projects“ wurden u. a. Arbeiten von Jean Nouvel sowie Olafur Eliasson und Kjetil Thorsen im Serpentine Gallery Pavilion, von Liam Gillick in der Whitechapel Gallery, Rosemarie Trockel im Museum Ludwig sowie von Ronan and Erwan Bouroullec im Victoria and Albert Museum realisiert. Mit Thomas Demand arbeitete Kvadrat bereits im Rahmen der Ausstellungen im Kunsthaus Bregenz (2004) und in der Berliner Nationalgalerie (2009) zusammen.

Thomas Demand wurde 1964 in München geboren. Nach dem Studium der Bildhauerei in Düsseldorf und London lebt und arbeitet er derzeit in Berlin und Los Angeles. Seine Werke waren bislang in zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen – unter anderem in den Hamburger Deichtorhallen, der Nationalgalerie Berlin, der Londoner Tate Modern, dem Museum of Modern Art oder dem Guggenheim Museum in New York – zu sehen. In der Sammlung des Städel ist Thomas Demand bereits mit seiner zentralen Arbeit „Büro, 1995“ (2007) vertreten, mit der er in der für ihn typischen Arbeitsweise ein lebensgroßes Modell eines erstürmten Büros des Stasihauptquartiers in Berlin abbildet. Die Rekonstruktion des Raums ermöglicht dem Künstler im Medium der Fotografie den Zugriff auf die Vergangenheit. Die Arbeit „Büro, 1995“ ist Teil des Konvoluts zeitgenössischer Fotografien, das dem Städel aus der Sammlung der DZ Bank überlassen wurde.

Thomas Demand
Saal, 2011

Transferdruck auf Kunstfaser
Maße: 6,00 m x 64,60 m, 50-teilig
Erworben 2011 aus Mitteln des Städelkomitees 21. Jahrhundert, Eigentum des Städelschen Museums-Vereins e. V.
Mit Unterstützung von Kvadrat Soft Cells

Kommende öffentliche Veranstaltungen im Metzler-Saal innerhalb der Vortragsreihe „Standpunkte zur Kunst”:
Mittwoch, 7. Dezember 2011, 19 Uhr, mit Prof. Dr. Wilfried Wiegand: Von der Lust des Sammelns und der Leidenschaft für Fotografie.
Dienstag, 20. Dezember 2011, 19 Uhr, Thomas Demand im Gespräch mit Dr. Martin Engler: Über Vorwände.
Der Eintritt ist jeweils frei. Anmeldung unter 069-605098-200 oder info@staedelmuseum.de.

Öffnungszeiten: Dienstag, Freitag bis Sonntag 10-18 Uhr; Mittwoch und Donnerstag 10-21 Uhr
Information: www.staedelmuseum.de, info@staedelmuseum.de, Tel.: +49(0)69-605098-0, Fax: +49(0)69-605098-111

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