Mittwoch, 19. Juni 2013

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TMI . Too Much Information – Filmreihe zur Larry Clark-Ausstellung

C/O Berlin, International Forum For Visual Dialogues, präsentiert im Juni und Juli 2012 eine Filmreihe unter dem Titel TMI . Too Much Information. An sieben Abenden werden insgesamt 29 Kurz- und Spielfilme im Postfuhramt vorgeführt – unter anderem Werke von Gus van Sant, Annika Eriksson, Larry Clark, Harun Farocki und François Ozon.

Der Anthropologe Todd Sekuler und der Künstler Aykan Safo`glu haben die Filmreihe für C/O Berlin kuratiert. Sie ergänzt thematisch die erste monografische Ausstellung des US-amerikanischen Fotografen Larry Clark in Deutschland, die C/O Berlin vom 26. Mai bis 12. August 2012 im Postfuhramt vorstellt.

Larry Clark dokumentiert radikal-realistisch den Alltag amerikanischer Teenager jenseits bürgerlicher Moralvorstellungen. In ihrer Authentizität decken seine Fotografien und Filme die Folgen einer dysfunktionalen Gesellschaft auf und hinterfragen die soziale Verantwortung und moralische Haltung ihrer Mitglieder. Das Revolutionäre und Einzigartige seines Werks ist die Nähe und Vertrautheit zu den dokumentierten Personen und Situationen. Denn im Gegensatz zum klassischen Fotojournalisten, der von außen auf eine ihm fremde Welt blickt, nimmt Larry Clark nicht nur Anteil am Leben seiner Protagonisten. Vielmehr ist er selbst in Fotoserien, Collagen und Videos elementarer Teil seiner fotografierten Szene.

Ausgegend von Larry Clarks Œuvre untersucht die Filmreihe TMI die Dynamik, Machtstrukturen und Kommunikation zwischen Generationen. Der Terminus TMI – Too Much Information – ist aus der populären, US-amerikanischen Jugendkultur entnommen. „Zu viele“ oder „zu persönliche“ Details – die Abkürzung wird vor allem von Jugendlichen gegenüber Erwachsenen angeführt und markiert das Grenzüberschreitung zu Privatem und Intimen sowie ihre Ablehnung von elterlichen Zugang oder gar deren Einflussnahme auf eigene Vorstellungen von Sexualität, Leidenschaft oder Erotik. Jenseits der scheinbaren Dualität zwischen Öffentlichkeit und Privatem sowie Akzeptanz und Tabu reflektiert die Filmreihe zwischenmenschliche, neoliberale Machtstrukturen, die den Exzess in seiner sozialen und politischen Dynamik regulieren. Denn Themen wie Gewalt, Drogen, sexuelle Misshandlung oder Vergnügung, Inzest, Homosexualität und Fortpflanzung lösen auch heute noch Jugendlichen gegenüber eine gewisse Hemmung aus.

Die Filmreihe spitzt viele dieser Themen zu, um Gefühle wie Angst und Schuld zu untersuchen, die eine Kultur der Zensur und des Tabus entscheidend kreieren und erhalten. Die Filme und Videos regen nicht nur zur kritischen Reflektion über Sexualität, Klasse, Rasse und Alter, sondern auch über die künstlerische Adaption durch visuelle Medien an. Wie reflektieren Künstler ihre Haltung und ihr eigenes Werk? Welche künstlerischen Positionen können nicht neben neoliberalen Jugendkulturen bestehen? Wie wenden Künstler die Techniken der Übernahme, des Produzierens und der Bearbeitung von Bildern an, um sich mit Erfahrungen oder Beobachtungen der Jugend und die Dynamik von Macht zwischen den Generationen übergreifenden Beziehungen, Technologien und Diskursen kritisch auseinanderzusetzen?

Filmprogramm

5. Juni 2012, 21 Uhr . Imagining Past
It did happen soon von Annika Eriksson, 2011
Premiere in Berlin . Der Film wird als Loop gezeigt.
Annika Eriksson ist anwesend. Eintritt frei.

12. Juni 2012, 20 Uhr . Ambiguous Longing
I didn‘t know that I loved you von Sharon Hayes, 2009 . Wednesdays von Deniz Buga, 2009 . Mala Noche von Gus Van Sant, 1986 . Peter Fucking Wayne Fucking Peter von Wayne Young, 1994

19. Juni 2012, 20 Uhr . Dislocating Discourse
Aggressive Child von William E. Jones , 2011 . She Puppet von Peggy Ahwesh, 2001 . New Report von Wynne Greenwood & k8 Hardy, 2005 . Why Poem von Bob Flanagan/Kirby Dick, 1997 . Fast Trip Long Drop von Gregg Bordowitz,1994

26. Juni 2012, 20 Uhr . Desire Performed
Jollies von Sadie Benning, 1990 . Brothers von Deniz Buga, 2003 . Ein Bild von Harun Farocki, 1983 . Impaled von Larry Clark, 2006 . Chinese Characters von Richard Fung, 1986

3. Juli 2012, 20 Uhr . Press Record
Window Water Baby Moving von Stan Brakhage, 1959 . Hunger von Masha Godovannaya, 2011 . A New Year von Sadie Benning, 1989 . Living Inside von Sadie Benning, 1989 . The Mom Tapes von Ilene Segalove, 1974

10. Juli 2012, 20 Uhr . Identity in Transition
Action Verité von François Ozon, 1994 . Between the Boys von Jake Yuzna Gênero, 2004 . Oblique von Knut Åsdam, 2008 . Ad Balloon von Lee Woo-jung, 2011 . Sibling Topics (section a) von Ryan Trecartin, 2009

17. Juli 2012, 20 Uhr . Generations
Light is calling von Bill Morrison, 2004 . Generations von Barbara Hammer & Gina Carducci, 2010 . UNTITLED (Dyketactics Revisited) von Liz Rosenfeld, 2005 . 13 Most Beautiful / Screen Tests Revisited von Conrad Ventur, 2009-2011

Datum 5. Juni bis 17. Juli 2012 . jeden Dienstag . 20 Uhr
Eintritt 5 Euro

Ausstellung 26. Mai bis 12. August 2012
Öffnungszeiten täglich . 11 bis 20 Uhr
Eintritt 10 Euro . ermäßigt 5 Euro

Veranstalter C/O Berlin
International Forum For Visual Dialogues
Ort C/O Berlin im Postfuhramt
Oranienburger Straße 35/36 . 10117 Berlin

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