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wechselausstellungen.de | 9. Juli 2010

Press Art. Die Sammlung Annette und Peter Nobel

3.7. – 24.10.2010
Museum der Moderne Salzburg

Mit der Ausstellung „Press Art. Werke aus der Sammlung Annette und Peter Nobel“ widmet sich das MdM Mönchsberg der Kunst mit Fokus auf die gedruckten Massenmedien. Die Sammlung des Schweizer Medien- und Wirtschaftsanwalts Peter Nobel, die mittlerweile über 800 Kunstwerke umfasst, ist mit einer Auswahl von gut 340 Arbeiten erstmalig in Österreich zu sehen. Bei den Kunstwerken handelt es sich nicht um eine enzyklopädische Kollektion verschiedenster Arbeiten, die sich mit diesem Medium beschäftigen. Die Sammlung entstand anfänglich eher beiläufig; eine Beiläufigkeit, die Werke von Weltrang mit großer Selbstverständlichkeit zu jenen mit regionaler Bedeutung stellt. Die daraus entstehenden Verknüpfungen und Gegenüberstellungen erlauben einen Einblick in die Kunst des 20. Jahrhunderts, die sich mit Zeitungen und Zeitschriften beschäftigt und zeigen auch die Bedeutung der gedruckten Massenmedien für unsere Gesellschaft und Kultur.

„Press Art“ ist Kunst, die im weitesten Sinn mit dem gedruckten Wort und dem gedruckten Bild in Zusammenhang steht, die das billige, jeden Tag erneuerbare Konsumgut zum teuren Einzelstück erhebt. Die Liste der Anwendungen ist lang, die Techniken vielfältig, die Themen schier unendlich – genauso divers wie die Gründe für die jeweilige künstlerische Auseinandersetzung, die zwischen Bewunderung und Kritik changieren. So sind in der Ausstellung zum Beispiel Collagen aus Zeitungspapier zu sehen, wie die Arbeit „Fourrures“ von Georges Braque oder „Man soll nicht asen mit Phrasen“ von Kurt Schwitters. Gouachen von Joan Miró und Zeichnungen von Alberto Giacometti wiederum verwenden Zeitungspapier als Zeichengrund. Der Nutzen der weiten Verbreitung von Information über die gedruckten Massenmedien haben sich Künstler seit den Dadaisten bedient, um ihre Kunst auf diesem Weg einer großen Bevölkerungsschicht zugängig zu machen. In den 1960er Jahren waren es Kunstströmungen wie die Pop Art, Nouveau Réalisme, Fluxus und Arte Povera, die alle die Auflösung der Trennung zwischen Kunst und Leben, zwischen elitärem und populärem Kulturbegriff zum Ziel hatten und sich im Zuge dessen auch den gedruckten Massenmedien bedienten. Bei Andy Warhol zum Beispiel wurde die Serialität zum Kunstprinzip erhoben, die mittels Siebdruckverfahren in Warhols „Factory“ umgesetzt wurde. Der stilisierte Siebdruck „Marilyn“, 1967, entstand nach der Vorlage eines Pressefotos. Neben Andy Warhol war wohl Joseph Beuys der wichtigste Pionier unter den Künstlern, die den Umgang mit den Massenmedien zu einer eigentlichen Kunstgattung erhoben. Er verwendete Zeitungen zur Verbreitung seiner Vorstellung der sozialen Plastik, nach der Kunst und Leben vereint werden sollte. Seine Arbeit „Doppelpferd“ demonstriert programmatisch, wie Kunst auch außerhalb des Museums ihre Wirkung entfalten kann. In Günther Ueckers Arbeit „das Schweigen der Schrift“ wird eine Zeitung von beiden Seiten mit Nägeln durchschlagen und der Inhalt somit unleserlich gemacht.

Der brasilianische Künstler Vik Muniz schafft detailgenaue Porträts, die er aus kleinsten Zeitschriftenschnipseln zusammenfügt. Der eigentliche Inhalt der Zeitschrift geht hierbei komplett verloren. Die Illustrierte wird zum rein farbigen Gestaltungsmittel.

Heute erlebt die Medienbranche fundamentale Umwälzungen. Wir befinden uns an der Schnittstelle von der analogen zu der digitalen Mediengesellschaft. Auch darum kommt „Press Art“, der künstlerischen Auseinandersetzung mit den Medien eine wichtige Bedeutung zu. Zeitgenössische Künstler, wie etwa Sylvie Fleury oder Daniele Buetti – der speziell für das MdM Mönchsberg eine pressformatige Foto-Installation realisiert hat - thematisieren die Verführungsstrategien der Konsumgüterindustrie, die sich der gedruckten Massenmedien als Träger bedienen. Sie versuchen unsere, immer stärker von den Medien geprägten Sehgewohnheiten mit neuen und anderen Bildern aus dem Gleichgewicht zu bringen. Ihre Arbeit fördert unser mediales Bewusstsein und fordert auf, genauer hinzusehen.

Gastkurator: Christoph Doswald
Kuratorin MdM Salzburg: Emilie Mayer

Zur Sammlung Annette und Peter Nobel ist im Verlag Stämpfli (Bern) die von Christoph Doswald herausgegebene umfangreiche und reich bebilderte Publikation „Sammlung Press Art“ erschienen (432 Seiten, ca. 400 Bilder, während der Ausstellung zum Sonderpreis von € 42,- im MdM Museumsshop).

Medienmitteilung
Museum der Moderne Salzburg

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