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wechselausstellungen.de | 19. Juli 2010

»… nur Papier, und doch die ganze Welt …« - 200 Jahre Graphische Sammlung

17. Juli - 1. November 2010
Staatsgalerie Stuttgart

2010 feiert die Graphische Sammlung der Staatsgalerie Stuttgart ihr zweihundertjähriges Bestehen mit ihrer großen Sonderausstellung »… nur Papier, und doch die ganze Welt …«. In einer Auswahl von rund 300 herausragenden Arbeiten zeigt sie ein breites Spektrum von den Alten Meistern bis zur Gegenwart. Noch nie zuvor in ihrer Geschichte hat sie sich in diesem Reichtum der Öffentlichkeit präsentiert.

Als offizielles Gründungsdatum gilt 1810 die Berufung des Malers Eberhard Wächter zum ersten »Inspektor« des Königlichen Cabinetts der Kupferstiche und Handzeichnungen durch König Friedrich I. Bis heute ist der Sammlungsbestand auf rund 400.000 Arbeiten von ca. 12.000 Künstlerinnen und Künstlern angewachsen. Die Graphische Sammlung Stuttgart gehört damit international zu den herausragenden Sammlungen ihrer Art.

Die Ausstellung ist weitgehend chronologisch aufgebaut, stellt allerdings auch Werkgruppen in einen thematischen Zusammenhang. Als Überblick über die Vielfalt von Kunst auf und mit Papier ist der erste Raum gestaltet: Die Kunst hat Ihre eigene Wissenschaft, ein Zitat von Adolf Hölzel, 1915 (EG3). Unterschiedlichste Medien, Techniken, Funktionen und Formate bis hin zu einem 1750 entstandenen Papiertheater bilden den Auftakt der Präsentation.

Die folgenden Räume beginnen chronologisch mit Blättern aus dem 15./16. und frühen 17. Jahrhundert - Welt im Umbruch - Renaissance und Manierismus (EG 4) , darunter der Eichel-König, eine der frühesten erhaltenen gedruckten Spielkarten. Künstler wie Martin Schongauer, Albrecht Dürer und Parmigianino stehen stellvertretend für höchstes handwerkliches Können in der Technik von Kupferstich und Radierung.

Das barocke Zeitalter wird eingeleitet durch eine Erneuerung der alten Glaubens- und Andachtsformen als Reaktion auf die Reformation. In Passion und Andacht - Barocke Frömmigkeit (EG 5) ist die Zeichnung Simon von Kyrene hilft Christus, das Kreuz zu tragen (1678-1682) von Michael Willmann für das Grüssauer Passionsbuch zu sehen. Als Kriegsverlust über Jahrzehnte verschollen, kehrte sie 2009 wieder in die Sammlung zurück.

Giovanni Battista Tiepolo verkörpert die Eigenständigkeit von Venedig als einem der bedeutendsten Kunstzentren Italiens im 18. Jahrhundert. Seine Zeichnung (im Raum Welt und Heiterkeit - Barockes Leben, EG 6) Rückenakt eines sitzenden Mannes mit Schilfkranz im Haar (1751) stammt aus der Zeit der Würzburger Residenzfresken und zeichnet sich durch einen hohen atmosphärischen Reiz aus.

Alle Wege führen nach Rom (EG 7) und verweisen auf die Begeisterung, die Europa für die antike Welt im 18. Jahrhundert erfasste. Arbeiten von Giovanni Battista Piranesi, der 1740 nach Rom gekommen war, bis hin zu Cy Twombly, der seit Anfang der 1960er Jahre in der »Ewigen Stadt« lebt, zeigen die ungebrochene Faszination.

Wendepunkte - Vom 18. ins 20. Jahrhundert (EG 2) setzen ab 1839 erste fotografische Verfahren, die im Laufe des 19. Jahrhunderts zu vielfältigen Wechselwirkungen mit der Druckgraphik führten und sich zu dessen Ende hin auch als Kunst etablieren sollten. Die Einführung des Flachdrucks (Lithographie) wurde neben dem Einsatz für den industriellen Druck auch zunehmend für Künstler der Moderne interessant. Edvard Munch setzte sich seit Mitte der 1890er Jahre mit verschiedenen Drucktechniken auseinander und reduzierte in seiner Federlithographie Geschrei die expressive Farbigkeit des Gemäldes von 1892 auf das leuchtende Violett des Trägermaterials.

Erfolgreich und verfolgt - Kunst in Deutschland bis 1945 (EG 1):
In den 1930er Jahren war die Staatsgalerie Stuttgart von der nationalsozialistischen Kulturpolitik betroffen: Werke der Moderne wurden für die Propaganda-Ausstellung »Entartete Kunst« 1937 beschlagnahmt und damit für immer aus der Sammlung verbannt. Theodor Musper, als Kurator an der Graphischen Sammlung tätig, gelang es, eine Reihe von wertvollen Aquarellen und Zeichnungen zu retten. Darunter zählt auch die Studie zur Frau in Blau (1919) von Oskar Kokoschka. Das gleichnamige Gemälde befindet sich in der Sammlung der Staatsgalerie (Raum 20).

In einer »Homage to Modern Art« (Ian Hamilton Finlay), EG 9, werden nicht nur unterschiedliche Positionen moderner Kunst, sondern auch zeitgenössische Arbeiten präsentiert, die sich mit künstlerischen Errungenschaften der Moderne auseinandersetzen. Gezeigt werden u.a. Marcel Duchamps Readymades sowie die fotografischen Schnappschüsse des Künstlerduos Gilbert & George auf einer rosa Stoffbahn von Sigmar Polke.

Von ihren Anfängen bis heute sind Erhalt und Ausbau der Graphischen Sammlung ein Prozess und Produkt des enormen Engagements vieler öffentlicher und privater Kräfte enthusiastischer Künstler, Direktoren, Konservatoren, Stiftern und Fördern.
Neuerwerbungen sind Motor der ständigen Aktualisierung einer öffentlichen Museumssammlung, denn jede neue Arbeit verändert ihr Bild und aktiviert die fortwährende Auseinandersetzung mit ihr.

Ein Raum der Ausstellung unter dem Titel Wunschzettel (EG 10) ist den aktuellen Neuerwerbungswünschen der Graphischen Sammlung gewidmet. Anlässlich der Jubiläumsausstellung präsentiert die Staatsgalerie Stuttgart dort Arbeiten auf und mit Papier inklusive Fotografie aus der Gegenwartskunst. Zunächst sind diese Arbeiten Leihgaben. Während der Laufzeit der Ausstellung ist es das Ziel, mit Hilfe möglichst vieler öffentlicher und privater Förderer die Arbeiten für die Sammlung der Staatsgalerie Stuttgart zu erwerben.
So kann jeder das Museum beim Ankauf der Werke unterstützen, eine der Arbeiten schenken oder einen Teil-Beitrag zum Ankauf leisten und die Spendenbox nutzen.
An den beiden Samstagen 18. September und 16. Oktober 2010 ermöglicht unser Partner Daimler AG den freien Eintritt in die Ausstellung.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Hatje Cantz Verlag (308 Seiten, 250 Abbildungen), im Museumsshop zum Preis von 29,80 Euro erhältlich.

Kuratoren: Dr. Corinna Höper, Dr. Hans-Martin Kaulbach, Alice Koegel
Assistenz: Dr. des. Vera Klewitz, Dr. des. Dagmar Schmengler

Mit freundlicher Unterstützung von
DAIMLER

Medienmitteilung
Staatsgalerie Stuttgart

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