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wechselausstellungen.de | 6. November 2008

Anna Lea Hucht - Horst-Janssen-Grafikpreis der Claus Hüppe-Stiftung 2008

29. November 2008 - 25. Januar 2009, Horst-Janssen-Museum / Oldenburg

Das Horst-Janssen-Museum Oldenburg präsentiert in diesem Jahr die dritte Preisträgerin der Claus Hüppe-Stiftung. Die Stiftung lobt alle drei Jahre den mit 20.000 Euro dotierten Horst-Janssen-Grafikpreis für junge Künstlerinnen/Künstler aus, die schwerpunktmäßig auf Papier arbeiten.
Die Jury, der neben den Oldenburger Museumsleuten Ausstellungsmacher wie Jean-Christophe Ammann und Julian Heynen angehören, hat sich einhellig für eine junge Künstlerin aus Karlsruhe entschieden. Die 28jährige Anna Lea Hucht hat von 2000 bis 2005 an der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe studiert und war 2005/06 Meisterschülerin bei Prof. Erwin Gross, dem Rektor der Akademie.

Die bevorzugten Motive der Künstlerin sind Wohnräume. In ihren Bleistiftzeichnungen und Aquarellen erlaubt sie einen scheinbar spontanen Einblick in diese Privatsphären: In eine unaufgeräumte Studentenbude, in das Wohnzimmer einer Sammlerin oder das Büro eines Wissenschaftlers. Die Protagonisten werden in ihren selbst geschaffenen räumlichen Umgebungen beobachtet. Und schon stellt sich die Irritation ein. Man findet in diesem Räumen neben den Hauptfiguren eine große Ansammlung von Gegenständen, die sich kaum zuordnen lassen. Entweder sind es kuriose Möbelstücke unbestimmter Stilrichtung, kompliziert gemusterte Teppiche und Vorhänge und immer auch vom Bildrand stark angeschnittene Topfpflanzen, die seltsam altmodisch wirken. Auf der Konstruktion dieser Innenräume liegt das Hauptaugenmerk von Anna Lea Hucht. Die sorgfältig durchgearbeiteten Räume beeindrucken durch ihren Detailreichtum und ihre genaue perspektivische Konstruktion. Die Künstlerin zeichnet entsprechend einzelne Bildgegenstände erst auf Transparentpapier, um diese wie Versatzstücke so lange im entworfenen Raum anzuordnen bis eine schlüssige Komposition entsteht. Dabei spielen gerade auch Brüche eine wichtige Rolle. Schließlich umgibt auch ihre Figuren, die “Sammlerin”, den “Forscher” und den “Geist” etwas Rätselhaftes; sie eigenen sich die Welt auf sehr individuelle Art und Weise an.

In der Begründung der Jury heißt es:
“Die Jury hat einstimmig beschlossen den Horst-Janssen-Grafikpreis der Claus Hüppe-Stiftung an Anna Lea Hucht zu vergeben. Ihre detailreichen, minutiös durchgearbeiteten und teilweise großformatigen Zeichnungen beeindrucken, weil in ihnen eine ebenso reale wie magische Welt aufscheint. Dargestellt sind Räume und Momente individueller Weltbeobachtung mit zahlreichen Verweisen, die jedoch nie zu einer Verrätselung um ihrer selbst führen. Was die Szenen und Stimmungen zusammenhält, ist die Beherrschung der fragilen Zeichen- und Aquarelltechnik im Zusammenhang mit scheinbar nüchternen, aber evokativen Raumkonstruktionen. Es gelingt Anna Lea Hucht, eine essentiell romantische Welterfahrung ohne Nostalgie oder Peinlichkeit mit der Gegenwart kurzzuschließen. Die Jury zeichnet nicht zuletzt eine Künstlerin aus, die unbeirrt durch zeitgenössische Trends und Stile ihren ganz eigenen, genuin künstlerischen Weg geht.”

Horst-Janssen-Museum Oldenburg

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