Auke de Vries INTERVENTION - Nester
1. März – 17. Mai 2009
Museum Wiesbaden
Für den niederländischen Bildhauer Auke de Vries steht eine Skulptur nicht notwendig auf festem Boden. Schon 1982 ließ er die Elemente seines Maasbeldes in Rotterdam einige Meter über dem dahin fließenden Wasser schwanken. Zwanzig Jahre später schwebten elf Tonnen Metall in den Himmel über Berlin ein, um sich auf dem Dach des Daimler-Gebäudes am Potsdamer Platz zu der inzwischen weltberühmten farbigen Skulptur Gelandet zusammenzufügen. Beim Skulpturensommer 2004 konnten die Besucher des Wiesbadener Kurparks einen seltsamen Metall-Papagei namens Bilabo entdecken, der wie unabsichtlich in die Äste eines Baumes geraten war, kühn mit einer roten Feder grüßend und mit einem kleinen Fernrohr immer nach vorne Ausschau haltend, wo sich denn zur Landung ansetzen lassen könnte. Andere Skulpturen, die Auke de Vries im öffentlichen Raum der Niederlande, Spaniens, Englands und mehrerer deutscher Städte realisierte, haben zwar punktuelle Bodenhaftung, scheinen sich von da aus aber mit spielerischer Leichtigkeit in die Luft zu heben und dort ihren eigenen Raum zu definieren, Blickachsen zu bündeln und Beziehungen zu formulieren zu Gestalt und Geschichte des Ortes ihrer Platzierung. So auch bei der im Jahre 2006 für den Wiesbadener Kranzplatz geschaffenen Skulptur, deren Bänder, Hüte, Schirme und Trichter fröhlich-farbig gen Himmel tänzeln.
Vom 1. März bis 17. Mai 2009 zeigt Auke de Vries im Museum Wiesbaden eine Serie von drei neuen Skulpturen, die unter dem Baldachin eines Oberlichtsaales ihre Bahn ziehen: wie Nester verankern sie sich im Raum, wie Raumschiffe kehren sie aus dem All zur Erde zurück. Sie gehören zu einer Gruppe von sechs Entwürfen, deren Anlass eine gedankliche Intervention gewesen ist: Was wäre, so dachte sich Auke de Vries vor einigen Jahren, wenn sich in einem völlig perfekten Raum, nämlich im Foyer des 2006 vollendeten Mercedes-Benz-Museums in Stuttgart, Kunst einnisten würde? Die Eingangshalle des niederländischen Stararchitekten Ben van Berkel bietet dem Publikum ein spannendes Erlebnis: Mit einem gläsernen Aufzug gelangt man in luftige Höhe und wird zum Spaziergang auf eine Balustrade geleitet, die sich als Spirale nach unten windet und zu neuer Raumerfahrung einlädt. Der Auftrag von Auke de Vries an sich selbst bestand darin, diesen Raum, der unsere Phantasien beflügelt, gedanklich mit Nestern für die Augen zu bevölkern - erst als Skizze, dann als Modell und schließlich als reale Skulptur mit naturhaft wuchernden oder zu Waben geordneten farbigen Behausungen für unsere Gedanken, die eingeladen sind, sich wie zwitschernde Vögel darin niederzulassen. Der in die Höhe abgestufte Oberlichtsaal des Wiesbadener Museums bietet optimale Bedingungen dafür, die räumliche Wirkung dieser fliegenden Skulpturen zu erproben und da Auke de Vries ein in Wiesbaden gerne gesehener Gast ist, werden sie – zusammen mit den Skizzen und Modellen – nun bis Mitte Mai hier zu sehen sein.
Stichwörter / Tags: Auke de Vries, Bildhauerei, Museum Wiesbaden, Skulptur, Wiesbaden
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