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wechselausstellungen.de | 19. Juni 2009

„Cher ami …“. Museum für Angewandte Kunst Köln zeigt Marcel Proust im Spiegel seiner Korrespondenz

28. Juni - 06. September 2009
Museum für Angewandte Kunst / Köln

Marcel Proust zählt zweifellos zu den größten literarischen Persönlich­keiten des 20. Jahrhunderts, seine „Suche nach der verlorenen Zeit“ gilt als Romanmonument. Über die schriftstellerische Arbeit hinaus war Proust ein manischer, atemloser Briefeschreiber. Seine umfangreiche Korrespondenz, von der sich selbst wünschte, sie möge nach seinem Tod vernichtet werden, lässt das vielfarbige Bild eines Autoren entste­hen, der sich Zeit seines Lebens mit Vorurteilen und schweren Krank­heiten herumplagte und erst spät zu literarischen Ehren gelangte. Daher gehörte die Arbeit an der „Recherche“ auch immer wieder zu den The­men seiner Briefe. Den Charme und die Größe von Prousts Korrespon­denz machen jedoch die persönlichen Beziehungen und die ausschwei­fenden und fein gesponnenen Freundschaftsbekundungen aus.

Die „Bibliotheca Proustiana Reiner Speck“ in Köln hütet über 80 solcher Briefe, viele von ihnen bisher unpubliziert und unübersetzt. Öffentlich waren sie erstmals vom 26. März bis zum 7. Juni in einer Ausstellung in München zu sehen. Diese präsentierte außerdem weitere Proust-Autographen, seltene Fotografien, Portraitzeichnungen und -skizzen. Auch Manuskripte und signierte Bücher, zahlreiche Dokumente, Handschriften und Bücher der Briefadressaten – aus dem Kreis der Familie, der Freunde, der Kollegen und Kritiker – gehörten zu den Ausstellungstücken.

Nun zeigt das Kölner Museum für Angewandte Kunst vom 28. Juni bis 6. September 2009 diese Schau des Literaturhauses München, der Biblio­theca Proustiana Reiner Speck und der Marcel Proust Gesellschaft Köln e.V. Nach der großen Petrarca-Ausstellung „Triumph der Liebe“ im Jahr 2004 präsentiert das Haus mit der Schau „Marcel Proust im Spiegel seiner Korrespondenz“ zum zweiten Mal das Briefeschreiben als eine spezielle Form der Kunst.

In Köln lassen sich besondere Bezüge zu Marcel Proust herstellen, denn hier wurde sein Hauptwerk „A la recherche du temps perdu“ zum ersten Mal öffentlich gelesen und hier befindet sich der Sitz der 1982 gegrün­deten deutschen Marcel Proust Gesellschaft e.V. Am 28. Juni 2009, dem Tag der Ausstellungseröffnung, weiht die Stadt Köln in Lindenthal an der Ecke Kitschburger Straße/Friedrich-Schmidt-Straße die erste Marcel-Proust-Promenade ein.

Die Ausstellung ermöglicht dem Besucher, Marcel Proust im Spiegel seiner Korrespondenz und sein Werk im Kontext seiner Zeit kennenzu­lernen. Die Briefe sind in verschiedene Themenbereiche eingebettet, filmische Dokumente und Kommentare von Zeitzeugen ergänzen sie. Mit einem Audioguide können die Besucher einen Großteil der Korrespon­denz in deutscher Übersetzung hören. Die Ausstellung zeigt den großen Romancier Proust in einer unmittelbaren, authentischen und vielfältigen Weise, die sein ganzes Leben und Wirken umspannt.

Jürgen Ritte, Literaturwissenschaftler, Übersetzer und Direktor des Germanischen Instituts an der Université de la Sorbonne Nouvelle – Paris III, und Reiner Speck, Arzt, Sammler, Publizist, Begründer und Präsident der Marcel Proust Gesellschaft in Köln haben die Schau kuratiert. Für die Ausstellungsarchitektur und -gestaltung zeichnen Costanza Puglisi und Florian Wenz vom Münchner Büro für Architektur, Ausstellungsgestaltung und Graphikdesign „unodue“ verantwortlich.

Zu der Schau veranstaltet die Marcel Proust Gesellschaft e.V. ein breit gefächertes Begleitprogramm mit Lesungen, Vorträgen und musikalischen Beiträgen, gefördert vom Kölner Institut Français. Nähere Informationen im Internet unter www.dmpg.de und www.museenkoeln.de.

Der umfangreiche zweisprachige Katalog (deutsch und französisch) mit dem Titel „Cher ami / Votre Marcel Proust“ – Marcel Proust im Spiegel seiner Korrespondenz, herausgegeben von Jürgen Ritte und Reiner Speck, ist bei der Snoeck Verlagsgesellschaft in Köln erschienen und im Museumsshop für 49,80 Euro erhältlich.

Außerdem gibt es einen Kurzführer des Literaturhauses München mit Texten und Abbildungen, der für fünf Euro im Museum zu bekommen ist.

Ansprechpartner: Dr. Gerhard Dietrich, stellvertretender Direktor des Museums für Angewandte Kunst, Telefon 0221/221-248 58. Nähere Auskünfte beim Museumsreferat, Öffentlichkeitsarbeit, Marie-Luise Höfling, Telefon 0221/221-22334, E-Mail museen@stadt-koeln.de.

Museum für Angewandte Kunst, An der Rechtschule, 50667 Köln, Telefon 0221/221-23860, www.museenkoeln.de, geöffnet dienstags bis sonntags von 11-17 Uhr, jeden ersten Donnerstag im Monat bis 22 Uhr, montags geschlossen.

Eintrittspreise: drei Euro, ermäßigt: 1,50 Euro, Tagesticket Plus (Sonderausstellung und Ständige Sammlung): 6,50 Euro, ermäßigt: 3,50 Euro.

Öffentliche Führungen mit dem Arbeitskreis des Museums für Angewandte Kunst (im Eintrittspreis inbegriffen): 18./19. Juli, 14.30 Uhr, 22. Juli, 11 Uhr mit Dr. Richard Kreidler, 1./2. August, 14.30 Uhr, 5. August, 11 Uhr mit Herlint Meyer-Lindenberg.

Bei rechtzeitiger Anmeldung übernimmt der Museumsdienst Köln zusätz­liche Führungen für Gruppen und Schulklassen. Telefon 0221/221-23468/-27380, Fax 0221-221-24544.

Pressekonferenz am Freitag, 26. Juni 2009, um 11 Uhr
Eröffnung Sonntag, 28. Juni 2009 um 19 Uhr

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