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wechselausstellungen.de | 25. Februar 2010

Damien Deroubaix. Die Nacht

13. Februar – 16. Mai 2010
Kunstmuseum St.Gallen

In monumentalen Malereien, raumgreifenden Skulpturen und wandfüllenden Zeichnungsinstallationen inszeniert der französische Künstler Damien Deroubaix die postmoderne Wiederauferstehung des spätmittelalterlichen Totentanzes. Darin trifft der makabere Reigen ebenso unverstellt wie ungeschönt auf die formal verknappende Trash-Ästhetik von Undergroundcartoons, auf Versatzstücke der Death-Metal-Kultur sowie auf die allumfassende Propaganda-Maschinerie der Gegenwart. Das zeichnerische Schaffen von Mike Kelley oder Raymond Pettibon, das den alltäglichen Alptraum Bild werden lässt, ist einer der Bezugspunkte für Deroubaix’ Arbeiten, genauso wie die metallisch-harten Klänge von Kultbands wie Napalm Death, Terrorizer oder Slayer. Sein intelligenter Rückgriff auf kunsthistorische Traditionen, auf Albrecht Dürers apokalyptische Reiter oder Francisco Goyas Desastres de la guerra, verbindet sich mit den zeichnerischen Strategien der Gegenwart zu packenden Tableaux von ungeheurer visueller Kraft.

Hervorgetreten ist der Künstler in den vergangenen Jahren mit monumentalen Papierarbeiten, in denen er unterschiedlichste Welten – Darstellungen aus der Nazi-Zeit, aktuelle Newsflashes von globalen Kriegs- und Politschauplätzen, pseudowissenschaftliche Naturkundepräsentationen – mit kunsthistorischen Versatzstücken oder Bildern aus der Underground-Kultur und Pornomagazinen verbindet: Die Direktheit und das Grelle, ja auch das Obszöne dieser Bilder entlarven nicht nur ihre eigene Aggressivität, sondern protestieren gegen den Anspruch der oberflächlichen Eindeutigkeit von Zeichensystemen und die Doppelbödigkeit ihrer gesellschaftlichen Nutzung. (Ralph Melcher, Direktor Saarlandmuseum Saarbrücken)

Umfangreiche Werkblöcke fügt Deroubaix mit einzelnen Objekten zu drastischen Environments zusammen, in denen er gesellschaftliche, politische und existentielle Abgründe unmittelbar erfahrbar werden lässt. Dabei rezykliert der Künstler die vollends mediatisierten Bildwelten von heute und übersetzt die gesellschaftlichen, politischen und existentiellen Abgründe in tragikomische Schau-Stücke. Seine Ästhetik weise, wie es der französische Kurator, Kunst- und Musikkritiker Jérôme Lefèvre ausführt, gleichzeitig die Intelligenz, die Rohheit und die Unmittelbarkeit des unversehrten Grindcore auf. Und so zitiert er in seinen Skulpturen, Tuschezeichnungen, Aquarellen und grossformatigen Papierarbeiten die Heroen aus der Underground-Musikszene und bewahrt sich bei aller Virtuosität und allen subtilen Verweisen auf die Kunst- und Kulturgeschichte eine unmittelbare Aktualität und Dringlichkeit in seiner endzeitlichen Bildsprache: Utopia Burns – die innerweltliche Katastrophe wird bei Damien Deroubaix eindrückliche Kunst!

Damien Deroubaix sei so etwas wie der deutscheste aller französischen Maler, wie der (französische) Kritiker Thibaut de Ruyter einmal behauptete; weniger weil die Arbeit des 1972 in Lille geborenen Künstlers an Gerhard Richter oder Sigmar Polke erinnere, sondern vielmehr weil ein Grossteil seiner Figuren und Bilder den vertrauten Ikonen deutscher Kultur entstammen. Und so scheint es geradezu nahe liegend, dass die bisher umfassendste Museumsausstellung des Künstlers nach ersten Präsentationen wie 2003 im Musée d’art moderne et contemporain in Strassburg, 2006 im Pariser Maison Rouge oder 2007 an der ersten Biennale von Thessaloniki nun in Deutschland bzw. in der deutschsprachigen Schweiz stattfindet: im Saarlandmuseum, Saarbrücken, in der Villa Merkel, der Galerie der Stadt Esslingen am Neckar und im Kunstmuseum St.Gallen. Inzwischen gilt der heute in Berlin lebende Damien Deroubaix als einer der aufsehenerregendsten Künstler seiner Generation in Frankreich. Die Nacht lautet der Titel seiner ersten Präsentation sowie der begleitenden Publikation.

Veranstaltungen:

So 14. Februar
Künstlergespräch
mit Damien Deroubaix und Konrad Bitterli, Kurator
Kunstmuseum 11 Uhr

Fr 19. März
NACHTSCHICHT#1
Nachtführung, Bar und elektronische Klänge mit Mitsutek & Monome Abbruchhaus.net
Kunstmuseum 21.30 Uhr
NACHTSCHICHT ist eine neue Veranstaltungsreihe des Kunstvereins

Do 6. Mai
Konzert «Graber: Tod Gesagt»
Rock & Poesie mit Jan Graber, Martin Ain Stricker (Karaoke From Hell) und Monic Mathys
(Patent Ochsner)
Kunstmuseum 20.30 Uhr

Weitere Veranstaltungen und Programminformationen unter www.kunstmuseumsg.ch

Kurator: Konrad Bitterli (bitterli@kunstmuseumsg.ch)

Katalog:
Anlässlich der Ausstellung ist im Verlag für moderne Kunst Nürnberg ein vom Künstler konzipiertes, reich bebildertes Katalogbuch mit Texten von Andreas Baur, Konrad Bitterli und Ralph Melcher erschienen.
CHF 38.- / Mitglieder des Kunstvereins St.Gallen CHF 29.-
Edition:
Exklusiv für den Kunstverein St.Gallen wird Damien Deroubaix eine Edition gestalten.
Mit freundlicher Unterstützung von:
Institut français - Cultures France
Galerie Nosbaum & Reding - Art Contemporain, Luxembourg
Galerie In Situ, Fabienne Leclerc, Paris

Das Kunstmuseum St.Gallen wird institutionell gefördert von Stadt und Kanton St.Gallen.

Medienmitteilung
Kunstmuseum St.Gallen

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