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wechselausstellungen.de | 1. Dezember 2008

Das Zeitalter Rembrandts

4.3. – 21.6.2009, Albertina (Basteihalle) / Wien

Die Ausstellung Das Zeitalter Rembrandts zeigt rund 150 Werke aus dem Albertina- Bestand des niederländischen 17. Jahrhunderts, ergänzt um ca. 40 Ölbilder aus österreichischen und internationalen Sammlungen.

Die einmalige Zusammenschau besteht aus Werken von rund 70 Künstlern und zeigt die erstaunliche Vielfalt an hohen Begabungen, durch die sich das holländische Goldene Jahrhundert auszeichnet.

Das reiche thematische Spektrum spiegelt die bürgerliche Kultur des Landes wider und umfasst die heimische wie die idealisierte Landschaft, die Stadtansicht und das Meeresstück sowie das Portrait, das Bauerngenre, den bürgerlichen Alltag und das Blumenstillleben. Als Kristallisationspunkt der Ausstellung präsentiert sich Rembrandt in seiner genialen Vielseitigkeit.

Das Goldene Zeitalter
Im 17. Jahrhundert erlebten die Niederlande eine einmalige Blüte im Bereich der Wirtschaft, in zahlreichen Zweigen des Gewerbes – insbesondere des Schiffsbaus − und der bildenden Künste. Nach der Trennung der Nördlichen von den Südlichen Niederlanden im Jahr 1579 übernahm Amsterdam von Antwerpen die Monopolstellung als weltweit wichtigster Umschlagplatz für den Seehandel. Aus den ost- und westindischen Kolonien bezogen die Niederländer, die die Weltmeere zum Großteil beherrschten, ihre Reichtümer.
Die Tatsache, dass in der Republik der Sieben Vereinigten Niederlande die Patrizier und die Bürger die führende Rolle spielten, war im internationalen Vergleich ein außergewöhnliches Phänomen. Für die bildenden Künste war diese Situation von entscheidender Bedeutung. Der Besitz von Kunstwerken wurde für die wohlhabenden Hausbesitzer, die ihre Interieurs mit Ölgemälden, aber auch mit Arbeiten auf Papier und Pergament ausstatteten, zum Statussymbol; gesammelt wurde aber auch aus reinem Interesse. Erworben wurden die begehrten Objekte im Handel oder unmittelbar von den Künstlern. Diese wiederum, durch den freien Markt zu einer großen Produktion angeregt, entfalteten binnen kurzer Zeit eine Vielzahl an innovativen, lebensnahen Bildgattungen, die dem Geschmack und den Bedürfnissen des Käuferpublikums und auch ihrer eigenen Orientierung entsprachen. Zu nennen sind hier in erster Linie die heimische Landschaft – deren Entdeckung zu den Pionierleistungen des niederländischen Goldenen Jahrhunderts zählt −, die Stadtansicht, das Marinestück, das Genrebild und das Stillleben. Auch die Porträtkunst stand im Zeichen der bürgerlichen Kultur und erlebte – als Ausnahmeerscheinung innerhalb der international gepflegten aristokratischen Bildnis-Tradition – eine ungekannte Blüte. Mit großem Erfolg konzentrierten sich zahllose Künstler auf bestimmte Spezialgebiete.
Diese Aufteilung in verschiedene Spezialismen wirkte sich auch auf die technische Praxis aus. Neben der Malerei spielte die Zeichnung im niederländischen 17. Jahrhundert eine weitgehend autonome Rolle. Abgesehen von den dem eigenen Gebrauch dienenden, „nach dem Leben“ gezeichneten Studien stimmten die Künstler ihre zeichnerische Produktion vielfach auf den kommerziellen Bedarf ab. Gefragt waren nicht nur minutiös durchgeführte, oft großformatige Kompositionen, die der Raumausstattung dienten; auch die intimen, gleichsam spontan nach der Wirklichkeit gezeichneten, im Grunde aber sorgfältig komponierten, monochromen Skizzen fanden reißenden Absatz. Dabei wirken diese für den Markt geschaffenen, zumeist signierten und datierten Werke keineswegs glatt oder routiniert, sondern zeichnen sich – im Gegenteil – oft durch ein Höchstmaß an Subtilität aus. Charakteristischerweise vermitteln die auf Papier oder Pergament ausgeführten Arbeiten aufgrund der Vielzahl an Techniken, Funktionen und Anwendungsbereichen ein weitaus differenzierteres Bild als die Ölgemälde.

Die niederländischen Zeichnungen der Albertina
Diese kaleidoskopische Vielfalt an künstlerischen Begabungen und technischen Ausprägungen findet im Albertina-Bestand der niederländischen Zeichnungen des 17. Jahrhunderts, die zum Großteil von ihrem Gründer, Herzog Albert von Sachsen-Teschen, erworben wurden, ihren eindrucksvollen Niederschlag. Mit einem erstaunlichem Gespür für ausgewogene Repräsentanz und künstlerische Qualität baute der prominente Sammler – durch seine Generalstatthalterschaft (1781-1792) der Österreichischen Niederlande in Brüssel mit diesem Gebiet vertraut − seinen Bestand der niederländischen Zeichnungen auf. So sind neben dem hohen Anteil an Zeichnungen von Rembrandt und anderen großen Künstlern zahlreiche Raritäten von weniger bekannten, aber höchst bemerkenswerten Talenten anzutreffen. Obwohl sich die Zuschreibungslage vor allem bei den großen Meistern seitdem oft dramatisch geändert hat, ist die Anzahl der einwandfrei zuordenbaren Werke immer noch so groß, dass die Albertina heute in der Lage ist, aus eigenem Bestand einen repräsentativen und hochrangigen Überblick über die Zeichenkunst des niederländischen Goldenen Jahrhunderts zu bieten – ergänzt um eine konzentrierte Auswahl von Höhepunkten aus dem Bereich der Druckgraphik. Dass das Gesicht der Ausstellung zu einem wesentlichen Teil von sorgfältig bearbeiteten, vollständig durchgeführten Zeichnungen bestimmt wird, die dem Charakter und dem Status von Ölbildern nahe kommen, ist auf zwei Faktoren zurückzuführen. Erstens ist diese auf Repräsentation ausgerichtete Darstellungsart im niederländischen 17. Jahrhundert überhaupt reich vertreten; zweitens zeigte Herzog Albert, dem Geschmack und der Orientierung seiner Zeit entsprechend, gerade für solche „Bilder auf Papier“ ein besonderes Interesse.
Während sich die 1993 von der Albertina veranstaltete Ausstellung Die Landschaft im Jahrhundert Rembrandts einem umfassenden Spezialgebiet gewidmet hat, entfaltet sich in der gegenwärtigen Auswahl das ganze thematische Spektrum des niederländischen 17. Jahrhunderts. Ergänzt werden die insgesamt 150 Albertina-Blätter, von denen viele bislang nicht oder kaum publiziert wurden, von rund 40 herausragenden Ölbildern aus österreichischen und internationalen Sammlungen. Die Gemälde treten mit den Arbeiten auf Papier und Pergament in einen anregenden und vielschichtigen Dialog.

Zur Ausstellung

Die Ausstellung gliedert sich zum Großteil chronologisch in zeitlich bestimmte oder themenorientierte Gruppen; im Einzelfall – so bei Rembrandt Harmensz. van Rijn und Jan van Goyen – steht eine Künstlerpersönlichkeit im Mittelpunkt.

Tradition und Aufbruch
Dieser Abschnitt ist der Zeit um 1600 gewidmet, in der sich in der Landschaftskunst wie auch in der Tier-, Porträt- und Genredarstellung der faszinierende Übergang vom flämisch dominierten Spätmanierismus zu verschiedenen Formen des Realismus vollzog. Zu den wichtigsten Künstlern dieser Gruppe zählen Hendrick Goltzius, Jacob Matham, Jacques de Gheyn, Jacob und Roelandt Savery, Gillis van Coninxloo, David Vinckboons.

Aspekte des frühen Realismus
Aus den Beispielen dieser Gruppe geht hervor, wie die niederländischen Künstler zu Beginn des 17. Jahrhunderts die sichtbare Wirklichkeit allmählich erobert haben. Pioniere der neuen, realistischen Landschaftsgattung, die sich zunächst in Haarlem entfaltete, waren Esaias van de Velde und dessen Cousin Jan van de Velde II. Im weiter östlich gelegenen Kampen wiederum entwickelte Hendrick Avercamp in seinen dicht bevölkerten Eisszenen und sommerlichen Flussansichten eine ganz eigene, holländisch geprägte Bildsprache, die von der Buntheit flämischer Beispiele inspiriert wurde. Von einem akribischen Realismus sind die Porträtzeichnungen des Leidener Künstlers David Bailly.

Jan van Goyen und sein Kreis
Aufgrund seiner überragenden Bedeutung wird dem Maler und Zeichner Jan van Goyen ein eigenes Kapitel gewidmet. In den 1630er und 1640er Jahren war dieser Künstler der Hauptvertreter der monochromen, als tonalistisch bezeichneten Richtung der Landschaftsmalerei. Als Zeichner war er vor allem in den 1650er Jahren produktiv, wobei er – ebenso wie der Mitbegründer der tonalistischen Richtung, Pieter de Molyn – die schwarze, um graue Lavierungen ergänzte Kreide zur Wiedergabe atmosphärischer Effekte einsetzte. Mit der Malerei von Jan van Goyen zeigen die stimmungsvollen Flussansichten von Salomon van Ruysdael eine besondere Affinität.

Rembrandt Harmensz. van Rijn
Den Kristallisationspunkt der Ausstellung bildet die Gruppe von Gemälden, Zeichnungen und Radierungen von Rembrandt, der als genialer Einzelgänger die vielfältigsten Anregungen zu einer einmaligen Synthese führte. In der hier gezeigten Auswahl , die sich zeitlich von den frühen Leidener Jahren um 1626 bis zur späten Schaffenszeit um 1660 erstreckt, zeigt sich das ganze Spektrum seines universellen Künstlertums wie auch seiner technischen und thematischen Vielseitigkeit. Vertreten sind das Historienbild – die für Rembrandt höchste und anspruchsvollste Stufe der Malerei −, die Landschaft, das Bildnis, das Autoporträt, sowie die Figuren- und Tierdarstellung. Die Radierungen und Kaltnadelarbeiten aus verschiedenen Schaffensphasen zeugen von seinem fortwährenden Drang zum Experiment, der in den verschiedenen Druckzuständen der Kreuzigung und Christus wird dem Volke vorgeführt an kaum fassbare Grenzen reicht.

Bildnis, Figur und Genre
Dieses große Kapitel konzentriert sich auf die zweite Jahrhunderthälfte und umfasst verschiedene Künstlergruppen und Themenkreise. Die Rembrandt-Schüler Govaert Flinck, Nicolaes Maes und Gerbrand van den Eeckhout entwickelten das bei ihrem Lehrer geübte, von Lichtwirkungen geleitete Studium „nach dem Leben“ in divergierende Richtungen weiter. Zu den berührendsten Werken der Ausstellung zählt zweifellos das lächelnde, kleine Selbstbildnis von Moses ter Borch, einem höchst talentierten Zeichner und jungverstorbenen Bruder des großen Malers Gerard ter Borch. In den bildmäßigen Zeichnungen des Haarlemer Porträtkünstlers Cornelis Visscher und in den Figurenstudien seiner gleichfalls in Haarlem tätigen Kollegen Cornelis Dusart und Salomon de Bray wirkt die überragende Goltzius-Tradition immer noch nach.
Das im niederländischen Goldenen Jahrhundert entwickelte Bauerngenre wird hier durch eine Gruppe von Gemälden und Zeichnungen der Brüder Adriaen und Isaac van Ostade herausragend vertreten. In der Nachfolge der van Ostades trat Cornelis Dusart durch sorgfältig ausgeführte Studien von Einzelfiguren wie auch durch großformatige Aquarelle auf Pergament hervor.
Eine eigene Gattung bildeten die reich detaillierten, bürgerlichen Interieurszenen der Leidener Feinmalerei, die sich durch die akribische Wiedergabe von kostbaren und glänzenden Materialien auszeichnen. Ein Hauptkünstler dieser Richtung, Frans van Mieris I, ist hier als Maler wie auch als Zeichner präsent. Eine jeweils eigene Beziehung zur Feinmalerei zeigen Michiel van Musscher – von ihm ist eine bemerkenswerte Atelierszene zu sehen – und der weitgereiste Jacob Toorenvliet mit seinen Aquarellen und Kupfertäfelchen von volkstümlichen Halbfiguren.

Die Vielfalt der Landschaft
Diese Gruppe zeugt von den vielen Erscheinungsformen der niederländischen Landschaftskunst sowie der zur „Stadtlandschaft“ gehörenden Architekturmalerei zwischen etwa 1640 und 1680. Klassische Größe und minuziöse Detailtreue sind hier gleichzeitig anzutreffen. Die weiträumige, lichtüberflutete Flachlandschaft präsentiert sich hier vor allem in Gemälden und Zeichnungen von Aelbert Cuyp. Dichte, majestätische Waldansichten wiederum waren die Spezialität von Künstlern wie Jacob van Ruisdael, Simon de Vlieger, Anthonie Waterloo oder Cornelis Hendricksz. Vroom. Eine Auswahl von Zeichnungen und Gemälden von Aert van der Neer beleuchtet dessen überragende Bedeutung für die Nachtlandschaft. Allart van Everdingen vertrat den skandinavischen Landschaftstypus. Zu den zahlreichen Ergebnissen der durch Europa reisenden Künstler zählen die von Lambert Doomer gezeichneten, subtil aquarellierten Loire-Ansichten. In seinen lavierten Federzeichnungen wiederum schließt dieser Künstler an die helldunkel-Effekte von Rembrandt an. auch in den Landschaftsblättern von Johannes Leupenius und Philips Koninck ist der Einfluss des großen Meisters immer noch wirksam.
Eine Reihe von berühmten und weniger bekannten, jedoch bemerkenswerten Talenten befasste sich mit dem Stadtpanorama, der Architekturdarstellung und der intimen Wiedergabe topografischer Motive. Ein breites Spektrum an künstlerischen Auffassungen entfaltet sich hier in den Stadtansichten von Jan de Bisschop, Gerrit Battem, Allart van Everdingen und Valentijn Klotz; als hochoriginelle Begabung erweist sich der Amateurzeichner Abraham Rutgers, Seidenkaufmann von Beruf. Von Pieter Saenredam, dem berühmtesten Architekturmaler, ist hier ein lichtdurchflutetes, aquarelliertes Kircheninterieur zu sehen.
In der zweiten Jahrhunderthälfte vollzog sich neben den vielen Formen der wirklichkeitsnahen Landschaft eine Renaissance der detailliert ausgeführten imaginären Szenerien, die unverkennbar von älteren Künstlern wie Pieter Bruegel oder Roelandt Savery inspiriert wurden. Charakteristisch für diese retrospektive Tendenz sind die gemalten und gezeichneten „Rheinfantasien“ von Herman Saftleven; einen kräftigen Akzent setzt Gerrit Battem mit seinen überaus detaillierten, bunten Gouachen von Fantasielandschaften.

Marinebild
Eine konzentrierte Auswahl an Zeichnungen und Gemälden zeigt mehrere Hauptvertreter dieser typisch niederländischen Bildgattung, darunter Willem van de Velde I und II (Vater und Sohn), Allart van Everdingen, Salomon van Ruysdael, Simon de Vlieger , Hendrik Dubbels und Ludolf Bakhuizen. Die stolze Präsentation von Handels- und Kriegsschiffen sowie die Wiedergabe von Seeschlachten waren mit einem nationalen Selbstbewusstsein verknüpft; gleichzeitig bot die Marinethematik den Künstlern reichlich Gelegenheit, ihr Können in Bezug auf die Wiedergabe wechselnder Lichtstimmungen, dramatischer Wolkenhimmel und atmosphärischer Weiten eindrucksvoll unter Beweis zu stellen.

Die Niederländer und Italien
Dieses Kapitel umfasst mehrere Generationen von Künstlern, die in den Süden – vor allem nach Rom - gereist sind, um sich dort oft jahrelang dem Zusammenspiel zwischen dem blendenden Sonnenlicht, der Architektur und der Landschaft zu widmen. Nach ihrer Rückkehr lösten Künstler wie Cornelis van Poelenburch, Bartholomeus Breenbergh, Jan Both und viele andere in ihrem eigenen Land die Ausbildung eines südlichen pastoralen Genres aus; zu den berühmtesten „daheimgebliebenen“ Italianisanten gehören Nicolaes Berchem und Jan de Bisschop. Bis nach Malta zog Willem Schellinks, von dem hier eine von suggestiven Lichteffekten geprägte Zeichnung vom Hafen von La Valletta zu sehen ist.

Das Stillleben
Zwei unterschiedliche Künstlerpersönlichkeiten vertreten diese Bildgattung, die bis ins 18. Jahrhundert geblüht hat. Um 1700 führte Herman Henstenburgh, von Beruf Pastetenbäcker, seine sehr detaillierten Obst- und Früchtestillleben mit Aquarell- und Deckfarben auf einer feinen Pergamentsorte aus. Im Gegensatz zu diesem vor etwa 30 Jahren wiederentdeckten Talent zählt Jan van Huysum seit jeher zu den berühmtesten Malern von höchst kultivierten Obst- und Blumenarrangements. Der Kontrast zwischen der erstaunlichen Detailgenauigkeit seiner koloristisch brillanten Gemälde und dem spontanen, skizzenhaften Duktus seiner häufig aquarellierten Kreidezeichnungen lässt sich in dieser Auswahl exemplarisch beobachten.

Kuratoren Marian Bisanz-Prakken, Klaus Albrecht Schröder
Assistenz Gisela Fischer

Katalog Das Zeitalter Rembrandts
Hrsg. Klaus Albrecht Schröder und Marian Bisanz-Prakken
Texte von Marian Bisanz-Prakken, Gisela Fischer, Uta Neidhardt, Martina Sitt, Joaneath Spicer
Der Katalog erscheint in Deutsch bei Hatje Cantz, 416 Seiten, 213 Abb., davon 209 farbig.
Erhältlich im Fachhandel um Euro 39,80 [D], CHF 69,-, ISBN 978-3-7757-2383-1 und im Shop der Albertina um Euro 29,00 und unter www.albertina.at

Pressekonferenz 3. März 2009, 10 Uhr
Eröffnung 3. März 2008, 18.30 Uhr

Albertina



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