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wechselausstellungen.de | 18. August 2009

David Thorpe – Veils and Shelters or Sparkles of Glory or Perfume Against the Sulphurous Stinke of the Snuffe or the Light for Smoak

29. August – 8. November 2009
Kunstverein Hannover

Der Kunstverein Hannover präsentiert eine umfassende Einzelausstellung des britischen Künstlers David Thorpe (*1972) in Deutschland, deren Fokus insbesondere auf den seit 2006 entstandenen Arbeiten liegt. Thorpes Collagen, Aquarelle, Skulpturen und raumfüllende Installationen bewegen sich zwischen Utopie und Apokalypse, zwischen Sehnsucht und Enttäuschung und zeichnen sich durch sorgfältige Anwendung traditioneller kunsthandwerklicher Techniken sowie ausgefallene Materialkombinationen aus.

Ein wesentlicher Einfluss und Inspiration von Thorpes Arbeiten sind die intensive Auseinandersetzung mit den Schriften und der Bedeutung der Arts-and-Crafts-Bewegung, an die er im Bewusstsein der unüberwindlichen historischen Distanz anknüpft. Besonderes Interesse zeigt Thorpe an den Theorien von Philosophen und Denkern wie John Ruskin (1819–1900) und William Morris (1834–1894), die den individuellen handwerklichen Herstellungsprozess als Ausdruck schöpferischer Kraft würdigten und die künstlerische Seite des Handwerks betonten.

Thorpes Collagen („Good People“, 2002; „The Axe Laid On The Root“, 2004) zeigen Landschaften – massive Felsformationen und karge Wälder, in die sich teils futuristisch, teils nostalgisch anmutende Bauwerke wie symbiotische Fremdköper einschreiben. Die detailreich und präzise aus Materialien wie Borke, Schiefer, Leder, Holz, Glas oder Kieseln zusammengesetzten Ansichten, deren malerische Wirkung aus der Ferne verblüfft, veranschaulichen Thorpes lustvoll-akribische Arbeitsweise. Von seinem Interesse an alternativen und utopischen Lebensentwürfen zeugen die in den Darstellungen vorherrschende Autarkie und Abgeschiedenheit. Es scheint, als hätten sich die unsichtbaren Bewohner der Architekturen als eine Gemeinschaft Gleichgesinnter aufgemacht, ihre Träume und Vorstellungen von Perfektion im Kleinen zu verwirklichen: Eine Zuflucht, die die objektive Welt vor der subjektiven verschleiert.

Die produktive Ambivalenz zwischen historischer Recherche und Imagination, die bereits in den Collagen zum Ausdruck kommt, überführt David Thorpe seit einigen Jahren in raumgreifende Installationen, die im Zentrum der Ausstellung stehen. Große Paravents aus Holz und farbigem Glas formen einen autonomen, vom realen Ausstellungsraum abgegrenzten Ort, der den Betrachter aus dem Reich des faktisch Gegebenen in eine Welt des Möglichen leitet.

In „The Defeated Life Restored“ („Die Erneuerung des besiegten Lebens“) 2006/07 greifen die zwischen altmeisterlicher Präzision und Mehrdeutigkeit oszillierenden Aquarelle auf die bildnerischen Konventionen botanischer Studien zurück und verwandeln Naturformen in eine fiktive Fauna.

Ornamental gestaltete, sternförmige Skulpturen erinnern gleichermaßen an ethnologische Kultobjekte und Science-Fiction-Architektur. So können die Arbeiten als metaphorische Zeitmaschinen, als Modelle von Vorstellungen verstanden werden, die Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges miteinander verbinden.

Die visionäre Abstraktion einer unbekannten Zukunft erhält in „A Weak Light Flickering“ („Flackern eines schwachen Lichts“) 2007/08 einen eher apokalyptischen Klang. Beeinflusst durch die Schriften religiöser Separatistengruppen des 17. Jahrhunderts und des Predigers John Saltmarsh († 1647) entstanden sechs mit Ölfarbe gestaltete Texttafeln, deren grafische Struktur der Intonation seelischer Spannungszustände unübersehbar Ausdruck verleiht und die Vision eines neuen Lebens verkündet.

Zeigt sich in Thorpes Installationen das Ornament als gestalterische Struktur und atmosphärisches Ausdrucksmittel, so emanzipiert es sich in den jüngsten Werken zum Mittelpunkt seiner Arbeit. In Thorpes eigens für den Kunstverein Hannover produzierten raumfüllenden Bodenarbeit aus Keramikfliesen „The Plaque“, 2009 dominieren vegetabile, ornamentale Strukturen. Das Ornament verkörperte in der Arts-and-Crafts-Bewegung die Idee des Lebendigen, die den als „seelenlos“ verstandenen Industrieprodukten ein neues Ideal der authentischen Gestaltung entgegensetzte und als Vermittler ästhetischer Freude zwischen Produzent und Betrachter galt.

In einer neuen, großformatigen Collagen-Serie („Century Guild“, 2009; „W. M.“, 2009; „C. R. A.“, 2009) werden reliefartig übereinander gelegte Ornamentfragmente von Baumrinde, Moos und Blüten durchdrungen und von Holzpassepartouts gerahmt, die wiederum mit abstrahierten Pflanzenmotiven versehen sind. Naturform und Kunstform, historisierender Rückgriff und fiktive Vision gehen bei Thorpe eine untrennbare ambivalente Einheit ein, bis sie im übersättigten Ornament wieder in die Ursprünge der Natur zerfällt.

Die Ausstellung kombiniert Leihgaben aus bedeutenden Privatsammlungen der zeitgenössischen Kunst mit neuen, eigens für die Ausstellung produzierten Arbeiten.

Pressekonferenz Donnerstag, 27. August 2009, 11 Uhr
Eröffnung Freitag, 28. August 2009, 20 Uhr

Kunstverein Hannover

Öffnungszeiten
Dienstag-Samstag 12-19 Uhr
Sonntag + Feiertag 11-19 Uhr

Eintrittspreise
€ 5 / ermäßigt € 3 / Mitglieder frei
sonntags ab 11 Uhr freier Eintritt

Die Ausstellung wird gefördert
aus Mitteln des Landes Niedersachsen.
durch die Sparkasse Hannover und die Niedersächsische Sparkassenstiftung
von der NORD/LB
von der Stiftung Niedersachsen
von der Stiftung Horizonte
von Deloitte Consulting GmbH
Aura Light International
Der Kunstverein wird vom Kulturbüro der Landeshauptstadt Hannover institutionell gefördert.

Begleitprogramm

David Thorpe - Veils and Shelters
or Sparkles of Glory or Perfume Against the Sulphurous
Stinke of the Snuffe or the Light for Smoak
29. August-8. November 2009

parallel zur Ausstellung von David Thorpe
Expeditionen
Editionen des Kunstvereins Hannover
Wir präsentieren eine Auswahl der schönsten unserer noch nicht vergriffenen Editionen und Jahresgaben der vergangenen Jahrzehnte. Darunter befinden sich Serigraphien und Drucke, Skulpturen und Zeichnungen von regional und international bekannten und durch die Ausstellungen des Kunstvereins vertrauten Künstlern wie John M Armleder, Günther Förg, Douglas Gordon, Leni Hofmann, Dieter Krieg, Christiane Möbus, Lienhard von Monkiewitsch, Walter Niedermayr, Jörg Sasse, Franz Erhard Walther, Corinne Wasmuth oder Anette Ziss.
am Sonntag, 30. August 2009, 17 Uhr
Künstlergespräch mit David Thorpe
Kuratorin Ute Stuffer spricht mit David Thorpe über seine Ausstellung, seine neuen Arbeiten und die Utopien, von denen seine Installationen, Collagen und Objekte inspiriert werden.
am 5. und 6. September 2009
Zinnober
12. Kunstvolkslauf in Galerien, Atelier- und Ausstellungshäusern
am Mittwoch, 9. September 2009, 19 Uhr
Bernhard Hausmann
Gründer des Kunstvereins Hannover
Vortrag und Präsentation des Buchs „Bernhard Hausmann: Bürger, Fabrikant, Kunstsammler” von Joachim Petersen
am Samstag, 19. September 2009, 15 Uhr
Treffpunkt Kunst
In ungezwungener Atmosphäre stehen das Sehen, das Entdecken und das Gespräch über Kunst im Mittelpunkt. Nach einer kleinen Stärkung bieten ausgewählte Materialien neue Perspektiven für eine Diskussion.
am Samstag, 26. September 2009, ab 14 Uhr
Hoffest
Künstlerhaus und Schauspiel laden ein
am Mittwoch, 21. Oktober 2009, 19 Uhr
Empathie und Abstraktion
Überlegungen zum Utopischen in Kunst und Architektur der Moderne
Vortrag von Professor Dr. phil. Matthias Schirren, Lehrstuhl für Geschichte und Theorie der Architektur, TU Kaiserslautern
am Sonntag, 8. November 2009, 11 Uhr
Familienangebot
In einem einstündigen Workshop entdecken Kinder die Ausstellung, während parallel eine Führung für die Erwachsenen stattfindet.

Kuratorische Führungen
Mittwoch, 02.09.2009, 19 Uhr mit Ute Stuffer, Kuratorin
Mittwoch, 16.09.2009, 19 Uhr mit René Zechlin, Direktor
Mittwoch, 07.10.2009, 19 Uhr mit Ute Stuffer, Kuratorin
Mittwoch, 04.11.2009, 19 Uhr mit René Zechlin, Direktor
Führungen
Achtung Änderung! sonntags um 15 Uhr
sowie nach Vereinbarung
NEU! Augenschmaus im Kunstverein
mittwochs um 12.30 Uhr
Als eine etwas andere Mittagspause bieten wir jeden Mittwoch eine Kurzführung sowie ein Angebot von Snacks und Fingerfood.
Talking Labels
Achtung Änderung! sonntags 16-17 Uhr
Unsere „sprechenden Titelschilder” beantworten Ihre Fragen und stehen für Gespräche über die Ausstellung zur Verfügung.
NEU! Bibliothek
mittwochs 16-19 Uhr
und nach Vereinbarung
Über 7.000 Bände zur zeitgenössischen Kunst sowie zahlreiche Zeitschriften können Besucher ab dem 2. September jeden Mittwoch während unserer Ausstellungen einsehen.

Kunst im Kontext

für Schülergruppen und Schulklassen
Wir bieten zu jeder Ausstellung thematische Workshops und Vermittlungsprogramme für Schüler und Schulklassen. Zu David Thorpe organisieren wir die folgenden drei Workshops:
Behausungen in ferner Wildnis
für die Klassen 5-12
Die Schüler lassen sich von ungewöhnlichen Architekturen aus der ganzen Welt inspirieren und entwickeln daraus fantastische Gebäude aus unterschiedlichsten Materialien, die dann in Landschaftsbilder aus der Kunstgeschichte eingesetzt werden.
Fantastische Pflanzenstudien
für den Biologie- und Kunstunterricht der Klassen 5-10
Wir sehen uns verschiedene naturwissenschaftliche Darstellungsweisen von Pflanzen an und besprechen, welche Art der Abbildung welche Informationen am besten weitergibt. Anschließend können die Schüler ihrer Fantasie freien Lauf lassen und in Zeichnungen und Aquarellen die Pflanzen und Pflanzenbilder zu utopischen Gewächsen kombinieren.
Schutzzonen
für die Klassen 7-12
Wie lebt man heute - und wie könnte das noch aussehen? In diesem Workshop setzen sich die Schüler mit der heutigen Zivilisation und alternativen Lebensentwürfen auseinander. Eigene Vorstellungen für eine perfekte Zivilisation werden mit Modellen von Schutzbauten verwirklicht, deren äußere Form zeigt, gegen was sie sich zur Wehr setzen, wovor sie schützen oder wofür sie stehen.

Die Workshops dauern 2,5 Stunden und finden flexibel nach Absprache zwischen dem 29. August und dem 8. November 2009 statt. Die Teilnahmegebühren betragen 2,50 ! pro Schülerin oder Schüler. Anmeldeschluss ist der 9. September 2009, spätestens aber zwei Wochen vor dem gewünschten Besuchstermin.
Anmeldung bei Andrea Gogl, paedagogik@kunstverein-hannover.de

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