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wechselausstellungen.de | 13. Oktober 2009

„DIE GESELLSCHAFT DES FÜRSTEN. PRINZ XAVER VON SACHSEN UND SEINE ZEIT“

4. Oktober 2009 – 6. Januar 2010
Kunstsammlungen Chemnitz (Schloßbergmuseum)

Die Ausstellung „Die Gesellschaft des Fürsten. Prinz Xaver von Sachsen und seine Zeit“ zeigt, wie es Xaver von Sachsen gelang, mit bürgerlichen Reformkräften erfolgreich die Weichen für nachhaltige Entwicklungen in Wirtschaft und Kultur zu stellen. Mit Leihgaben aus renommierten Museen und Instituten wird dabei Bezug auf die großen welthistorischen Ereignisse dieser Epoche - den Siebenjährigen Krieg und die französische Revolution - genommen.

Im Jahr 1730 wurde Xaver als zweiter Sohn von Kurfürst Friedrich August II. und dessen Frau Maria Josepha von Österreich geboren. Als zweitgeborenem Sohn des Kurfürsten, der seit 1734 wie schon sein Vorgänger August der Starke König in Polen wurde, wäre Prinz Xaver die Kurwürde dauerhaft verwehrt geblieben. Doch als Xavers älterer Bruder Friedrich Christian im September 1763 nach nur zehnwöchiger kurfürstlicher Regierungstätigkeit an den Blattern starb, übernahm Xaver für Friedrich Christians minderjährigen Sohn Friedrich August die kurfürstliche Regentschaft.

Als Administrator des unmündigen Thronfolgers kam es letztlich Xaver zu, die von seinem verstorbenen Bruder eingeleiteten Reformen zum Erfolg zu führen und nachhaltig zum Wiederaufstieg des im Siebenjährigen Krieg schwer in Mitleidenschaft gezogenen Landes beizutragen. Diese Reformen griffen besonders in Chemnitz. Die im Zuge des „Retablissements“ in Chemnitz verfügte Abstellung mittelalterlicher Zunftgebrechen, die Einführung neuer Rohstoffe, Arbeitstechniken, Bildungsinhalte und produktionstechnischer Organisationsformen, die daraus resultierende Konzentration von Kapital und Arbeitskräften in der Stadt und im Umland, führten noch Ende des 18. Jahrhunderts dazu, dass wesentliche Grundlagen für den Übergang zum Industriezeitalter geschaffen werden konnten.
Prinz Xaver sah sich aber während seiner Administration in einer schwierigen Lage zwischen einer zerstrittenen Dynastie und einem machtbewusst auftretenden sächsischen Adel. Angesichts dieser Probleme zog sich der Prinz nach dem Ende der Administration in Dresden 1768 in die Champagne zurück. Erst nach Ausbruch der Französischen Revolution kam er wieder nach Sachsen. Bei seiner erzwungenen Abreise aus Frankreich hatte Prinz Xaver den größten Teil seines Archivs, seine Bibliothek und seine Kunstsammlungen der revolutionären Regierung überlassen müssen. Sie wurden dort 1793 von der Republik zum Nationaleigentum erklärt. Heute verwaltet die ostfranzösische Stadt Troyes diesen Schatz, der nun - zumindest für eine Zeitlang - nach Sachsen zurückkehrt. Die Kunstsammlungen Chemnitz – Schloßbergmuseum tragen damit zur Erhellung einer spezifischen und bedeutenden Facette deutsch- französischer bzw. sächsisch-französischer Beziehungsgeschichte bei, die in Deutschland und Sachsen bisher weitgehend unbekannt ist.

Als Vertreter des europäischen Hochadels der Zeit des Ancien Régime pflegte Prinz Xaver von Sachsen enge Kontakte zu zahlreichen europäischen Fürstenhöfen, vor allem zum Haus Bourbon in Frankreich und in Spanien, aber auch zu den Häusern Habsburg und Wittelsbach in Österreich und Bayern. Diese dynastischen Verbindungen folgten nicht zuletzt der Sachlogik einer gezielten Heiratspolitik, in die auch das Haus Wettin eingebunden war. So heiratete Xavers Schwester Maria Josepha (1731–1767) den Sohn Ludwigs XV. Louis Ferdinand; drei ihrer Söhne, Ludwig XVI., Ludwig XVIII. und Karl X. waren später französische Könige. Seine Schwester Maria Amalia (1724–1760) hatte den späteren König Karl III. von Spanien geheiratet. Prinz Xaver selbst heiratete die Italienerin Chiara Maria Spinucci unstandesgemäß aus Liebe und vergab sich dadurch die Chance auf einen europäischen Thron.

Ausstellung, Publikation und das 2008 in Chemnitz durchgeführte internationale Kolloquium „Dynastie, Rétablissement, Revolution. Xaver von Sachsen (1730-1806) und das albertinische Fürstenhaus in Europa” wurden in Kooperation mit der Technischen Universität Chemnitz, der Universität Erlangen-Nürnberg, der Universität Reims und dem Maison de Patrimoine Troyes vorbereitet.

„Die Gesellschaft des Fürsten. Prinz Xaver von Sachsen und seine Zeit“ reiht sich in die „Epochen“- Ausstellungen des Schloßbergmuseums ein, die 2005 mit „Das Feuer der Renaissance“ begonnen und 2008 mit „Der Kelch der bittersten Leiden“ fortgesetzt wurde. Auch in der aktuellen Ausstellung steht ein Thema im Mittelpunkt, das europäische wie lokale Geschichte in sich vereint.

Katalog:
Hrsg. von Uwe Fiedler, Thomas Niklas und Hendrik Thoss, 228 Seiten, ca. 150 Farbabbildungen, 29, 6 X 21, 8 cm, Softcover mit Klappe, 24,95 Euro, Bestellung: service.kunstsammlungen@stadt-chemnitz.de.
Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag, Feiertag 11 - 18 Uhr

Kunstsammlungen Chemnitz

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