GEORGES ADÉAGBO. Die Kolonisation und die Geschichte der Kolonisierten
01. April – 13. September 2009
MAK-Galerie / Wien
Georges Adéagbo, 1942 in Cotonou, Benin, geboren, zählt zu den wichtigsten Künstlern Westafrikas. 1999 nahm er an der 48. Biennale di Venezia, wo seine Arbeit mit dem „Premio della giuria“ ausgezeichnet wurde, und 2002 an der documenta 11 (unter Okwui Enwezor) teil. Als erster zeitgenössischer Künstler konnte er 2008 in den Räumen des Museo di Palazzo Vecchio in Florenz eine Intervention durchführen.
Das MAK zeigt ab 1. April 2009 „archivarische“ Installationen des für seine Assemblagen bekannten Künstlers, in denen er unterschiedliche Informationsträger wie Bücher, handgeschriebene Notizen, Fotos, Textilien, kultische Objekte etc. zusammenfügt und sie zu neuen Erzählräumen verwebt. Wenn Adéagbo Skulpturen in seine Arbeit integriert, die aus europäischer Perspektive mit den Begriffen „Stammeskunst“ oder „Primitivismus“ etikettiert sind, dann geht es dabei jeweils um symbolische Wiederaneignungen und Inbesitznahmen von bereits „kolonialisierten“ Objekten. Sein aufwendiges künstlerisches Verfahren überschreitet Grenzen zwischen Epochen, Kontinenten, Kulturen und Genres, ausgehend von der Geschichte der Kunst Afrikas und Ozeaniens, wobei er Themen wie Religion, Krieg, Sozialismus, Sklaverei, Kunst und die Geschichte – meist männlicher – Persönlichkeiten aufgreift.
Für die MAK-Galerie plant Adéagbo Wände und Boden mit einer „assemblage-artigen“ Installation auszustatten und so die Geschichte der Kolonisation und der Kolonisierten in seltener Materialdichte zu visualisieren. Darüber hinaus erweitert er seine Ausstellung, indem er unmittelbar in Teile der MAK-Schausammlung eingreift und sie auf allfällige koloniale Implikationen überprüft. So reagiert er zum Beispiel in der Schausammlung Barock Rokoko Klassizismus (künstlerische Intervention von Donald Judd) konkret auf einen Kabinettschrank aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, ein Geschenk der Stadt Eger an Kaiser Karl VI.
Als sogenanntes Repräsentationsmöbel stellt dieser in Symbolen den hegemonialen Herrschaftsanspruch über alle Kontinente dar, dessen Bedeutung Adéagbo vielschichtig untersucht, hinterfragt und transformiert.
Adéagbo ist sich der Bestimmtheit der Objekte bewusst, erzeugt aber gerade dadurch, dass er diese in neue Kontexte stellt bzw. neue Zusammenhänge herstellt und den Mut aufbringt Geschichte anders zu erzählen, die notwendige künstlerische Transformation. Seine Arbeitsmethodik basiert auf der Zusammenführung von Objekten, die der Künstler im Benin herstellen lässt, und solchen, die er jeweils im Umfeld des Ausstellungsortes vorfindet und einbezieht; die so geschaffenen Arbeiten stellen jeweils konkrete Bezüge her.
Georges Adéagbo wurde als ältester von elf Geschwistern 1942 in Westafrika geboren. Entgegen den Wünschen seiner Familie absolvierte er ein Jusstudium in Abidjan, Elfenbeinküste, und in Rouen, Frankreich. Nach dem Tod seines Vaters musste er 1971 auf Druck der Familie nach Benin zurückkehren, wo er in ärmlichen Verhältnissen lebte. Ab dieser Zeit bis 1993 entstanden in seinem Haus zahlreiche Installationen, auf die ein französischer Kurator zufällig aufmerksam wurde. Viele wichtige Ausstellungen sollten folgen: „Big City: Artists from Africa”, Serpentine Gallery, London, 1995; „La mort et la résurrection”, Galerie Nathalie Obadia, Paris, 1997; Johannesburg Biennale, Johannesburg, 1997; „Roteiros. Roteiros. Roteiros …“, Biennale São Paulo, São Paulo, 1998; „Kunstwelten im Dialog”, Museum Ludwig, Köln, 1999; Biennale di Venezia, Venedig, 1999 („Premio della giuria“ für „The Story of the Lion“); „Abraham – the Friend of God“, P.S.1, New York, 2000; „Das Pythagoreische Zeitalter“, Galerie im Taxispalais, Innsbruck, 2001; documenta 11, Kassel, 2002; „Le théâtre du monde..!“, Museum Ludwig, Köln, 2004; „Abraham, l’ami de Dieu. Philadelphia version”, Philadelphia Museum of Art, Philadelphia, 2006; „Tout de Moi à Tous”, Galerie des DAAD, Berlin, 2007; „La rencontre..! Venise – Florence..!“, Museo di Palazzo Vecchio, Florenz, 2008.
Press preview Dienstag, 31. März 2009, 10.30 Uhr
Eröffnung Dienstag, 31. März 2009, 20.00 Uhr
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