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wechselausstellungen.de | 31. August 2009

Leuchtende Beispiele - Zeichnungen für Glasgemälde aus Renaissance und Manierismus

12. September - 15. November 2009
Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

„Leuchtende Beispiele. Zeichnungen für Glasgemälde aus Renaissance und Manierismus“ ist die erste umfassende Ausstellung von Entwurfszeichnungen zu Glasgemälden in Deutschland. Die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe gibt damit einen Einblick in die Entwicklung einer kaum bekannten Zeichnungsgattung, den Scheibenriss, und der dazugehörigen Glasgemälde, den Kabinettscheiben. Einer Scheibenschenkung kam in der Zeit vom Ende des 15. bis zum Beginn des 17. Jahrhundert erhebliche gesellschaftliche Bedeutung zu, denn sie dokumentierte – in Rathaussälen oder in Zunftstuben angebracht – das Selbstverständnis der Stifter oder die aktuellen Herrschaftsverhältnisse. Glanzstücke der Ausstellung stammen aus dem Umkreis von Hans Baldung Grien und Hans Holbein d. J. sowie von Tobias Stimmer und Christoph Murer. Vom 12. September bis 15. November 2009 bietet die Ausstellung die seltene Möglichkeit, die üblicherweise voneinander getrennt aufbewahrten Entwürfe und ausgeführten Glasbilder nebeneinander zu studieren.

Mit über 1000 Blatt stellt der Bestand der Scheibenrisse der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe weltweit die umfangreichste Sammlung dar. Im Rahmen eines Forschungsprojekts der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) wurde diese einzigartige Sammlung von 2006 bis 2008 wissenschaftlich bearbeitet und katalogisiert. Als Finale des Projekts zeigt die Ausstellung mit rund 100 Zeichnungen die Highlights der Karlsruher Scheibenriss-Sammlung. Sie werden durch eine kleine Auswahl an Glasgemälden ergänzt, welche die ursprüngliche Funktion der Zeichnungen als Entwürfe veranschaulichen.

Im 16. und zu Beginn des 17. Jahrhunderts erlebte die Glasmalerei in den Niederlanden, in Süddeutschland, im Elsass und in der Schweiz eine große Blüte. Zahlreiche bedeutende Zeichner der Zeit – allen voran Albrecht Dürer – waren als Entwerfer für Glasgemälde tätig. Eine Ursache für diesen Aufschwung war der Brauch, sich gegenseitig kleine Glasbilder, Kabinettscheiben, zu stiften, um Bündnisse, Ehe-Allianzen oder Freundschaften anzuzeigen. Während sich von den Glasbildern nur wenige erhalten haben, existiert heute noch eine große Anzahl an Vorzeichnungen, die eine Vorstellung von der reichen Vielfalt der einstigen Glasgemälde vermitteln. Die Bandbreite der Werke reicht dabei von lavierten Federzeichnungen bis zu linearen Umrisszeichnungen, von Detailstudien bis zu kompletten Arbeitsvorlagen.

Die Darstellungen auf Vorzeichnungen und Glasgemälden sind vielfältig: Ein wichtiges Motiv war das Wappen des Stifters, das durch Szenen aus Alltag und Handwerk sowie durch Heiligendarstellungen ergänzt wird. Besonders beliebt waren moralisierende Allegorien und Exempla – jene „leuchtenden Beispiele“, die die Menschen zu einem tugendhaften Leben anhalten sollten. In den dargestellten Szenen spiegeln sich gesellschaftliche Ideale und alltägliches Leben gleichermaßen wider.

Die Scheibenrisse der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe zählen zu den ältesten Sammlungsbeständen des Hauses und wurde vermutlich durch Markgraf Friedrich V. von Baden-Durlach (1594–1659) während seines Straßburger Exils in den 1630er Jahren erworben. Die Zeichnungen stammen wahrscheinlich aus einer Glasmaler-Werkstatt, wo sie gesammelt und als Vorlagenfundus verwendet wurden.

Begleitend zur Ausstellung erscheint im Ernst Wasmuth Verlag ein Katalog mit Texten von Ariane Mensger, der die erste umfassende Publikation zum Thema der Scheibenrisse in Deutschland darstellt.

Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

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