Lisa Truttmann & Marta Armengol. what’s the deal? Preis der Kunsthalle Wien 2009
16. Dezember 2009 - 24. Januar 2010
Kunsthalle Wien
Argentinien? Dieses Land gibt es nicht. Es ist pure Prahlerei. Die Argentinier, und besonders die Bewohner von Buenos Aires sind oberflächlich, frivol und snobistisch.
Jorge Luis Borges
Der Hunger auf Namen, die man Europa entgegenhalten kann, ist so groß, dass dieser Borges in ganz Südamerika verehrt wird, obwohl er, wie ich fürchte, nur wenig wirkliche Leser hat. Aber sie schwingen ihn wie eine Fahne.
Witold Gombrowicz
„Z.Ficks“, die zentrale Arbeit der Ausstellung ist das ästhetische Protokoll einer geographischen und geistigen Annäherung und gleichzeitig eine Etüde über Kommunikations-Chaos und semantische Ambiguitäten. Die Multi-Screen Doppelprojektion entstand in Buenos Aires und versucht, das Aroma dieser Metropole über den Code der Sprache zu transportieren, historisch-politische Zusammenhänge in Fragmenten aufblitzen zu lassen und Konventionen und Klischees transparent zu machen. Lisa Truttmann und die Übersetzerin Marta Armengol, beide nur Gäste in der Stadt, arbeiteten verschiedene Themenbereiche aus, die von dem Argentinier Marcos Zapata Ficks vor dem Hintergrund seiner eigenen Geschichte interpretiert wurden. In harter Montage prallen diese narrativen Partikel aufeinander. Der Monolog, auf acht Bildschirme verteilt, wird zum Schizo-Selbstgespräch voller Pointen, Widersprüche und polemischer Volten. In einem zweiten Schritt kommentieren und diskutieren Betrachter, die auf einer gegenüberliegenden Video-Wall zu sehen sind, die Arbeit und spreizen Semantik und Kontext noch weiter auf. „Mir ging es nicht so sehr um Argentinien als Land,“ sagt Lisa Truttmann, „mehr um Argentinien als exemplarischen Fall für die Schwierigkeit von Annäherung an ein fremdes Milieu und von Entzifferung der Codes, mit denen ein ‚Outsider’ konfrontiert wird. Als ich in Buenos Aires ankam, konnte ich nicht einmal die Sprache. Ich brauchte einige Monate, bis ich mich einigermaßen zurechtfand. Und ich hatte den Eindruck, dass das Problem der Identitätsfindung oder, besser noch: der Identitätskonstruktionen ein zentraler Fokus ist, um etwas vom argentinischen Selbstverständnis begreifen zu können.“
„Z.Ficks“ ist eine Meditation über die Form-Inhalt-Dialektik und gleichzeitig der Versuch, den Möglichkeiten und Grenzen von Wahrheit im alltäglichen Kommunikationsverhalten nachzuspüren. Sex, Lies and Videotape, durch das Prisma lateinamerikanischer Sensibilität gefiltert und mit fremdem Blick von außen betrachtet.
Lisa Truttmann geboren 1983, lebt in Wien. Studium an der Universität für angewandte Kunst, Transmediale Kunst bei Brigitte Kowanz 2009; Studienaufenthalt in Buenos Aires 2007/08.
Kurator: Thomas Mießgang
Unterstützt von DORDA BRUGGER JORDIS Rechtanwälte in Kooperation mit der Universität für angewandte Kunst Wien
Eröffnung: Dienstag, 15. Dezember 2009, 19 Uhr
Katalog: Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit einem Gespräch der Künstlerin Lisa Truttmann mit Thomas Mießgang, einem Essay von Synne Genzmer und einem Vorwort von Gerald Matt.
Kunsthalle Wien
project space karlsplatz
Treitlstraße 2, 1040 Wien, Infoline +43-1-52189-33, www.kunsthallewien.at
Täglich 16 - 24 Uhr, So/Mo 13 - 19 Uhr
Stichwörter / Tags: Österreich, Kunsthalle Wien, Lisa Truttmann, Marta Armengol, Wien


