Meisterwerke im Fokus: Anton Romako – Tegetthoff in der Seeschlacht bei Lissa
29. April - 25. Juli 2010
Belvedere | Wien
Seit 2009 präsentiert das Belvedere die Ausstellungsserie Meisterwerke im Fokus: Jeweils im Frühjahr und Herbst demonstrieren Sonderpräsentationen ausgewählter Werke der Sammlung die hohe Qualität der Bestände - etwa der internationalen Klassischen Moderne, der deutschen Romantik oder des französischen Impressionismus. Gezeigt werden sowohl Retrospektiven einzelner Künstler als auch Schlüsselwerke wichtiger stilistischer Entwicklungen von der Gotik bis in die Gegenwart.
Die Ausstellung Anton Romako - Tegetthoff in der Seeschlacht bei Lissa ist die dritte Präsentation im Rahmen der Reihe Meisterwerke im Fokus. Diesmal steht ein einziges Werk im Brennpunkt der Auseinandersetzung, zu der Kunstwissenschaftler und Historiker ebenso beitrugen wie Experten auf den Gebieten der Fotografie und der österreichischen Marine. Ausstellung und Katalog feiern die außergewöhnliche Modernität dieses Historienbildes, die präzise Konzentration auf den entscheidenden Augenblick der Schlacht, und werfen zugleich einen neuen Blick auf Anton Romako: Der Künstler, der heute vor allem als Porträtist bekannt ist, sah sich selbst als Historienmaler und wollte als solcher reüssieren.
Das Belvedere besitzt mit 50 Gemälden die weltweit bedeutendste Sammlung von Werken des Malers.
Obwohl früh verwaist, konnte der junge Anton Romako auf die Unterstützung seines Vormunds Christian Satzger bauen, der ihm ein Studium an der Wiener und an der Münchner Akademie ermöglichte. Zu weiteren Studienzwecken reiste Romako nach Venedig und schließlich nach Rom, wo er fast 20 Jahre lebte. Den Kontakt nach Wien ließ er in diesen Jahren niemals abreißen, er wurde Mitglied im Künstlerverein „Eintracht“ und beschickte regelmäßig die Ausstellungen des Künstlerhauses. Seine anfänglichen Erfolge wandelten sich jedoch mit der Zeit in eine Folge von bitteren Rückschlägen, da seine Zeitgenossen kein Verständnis für seine zunehmend eigenwilligeren Werke aufbrachten.
Auch sein heute berühmtestes Bild Tegetthoff in der Seeschlacht bei Lissa wurde in Wien abgelehnt, obwohl der Kaiser eine zweite Fassung für sich privat ankaufte. Heute gehört das Gemälde zum Kanon der europäischen Kunstgeschichte des 19. Jahrhunderts.
Um die künstlerische Dimension des Gemäldes und seine revolutionäre Auffassung erfassen zu können, ist es notwendig, es in den Kontext der zeitgenössischen Historien- und Schlachtenmalerei zu stellen, aber auch den militärhistorischen Hintergrund eingehend zu beleuchten.
Romako, der mit der Materie besonders gut vertraut war, da sein Bruder Josef einige der Panzerfregatten, die in dieser Schlacht eingesetzt wurden, konstruiert hatte, ließ alle Konventionen historischer Schlachtenmalerei hinter sich und setzte das Wissen des Publikums über den Ablauf des Seegefechts und den entscheidenden Rammstoß voraus. Er verlegte die dramatische Spannung des Geschehens ganz in die Phantasie des Betrachters. Damit war ein fundamentaler Wandel vollzogen: Nicht mehr die historische Tat an sich wird berichtet, sondern das Fühlen und Erleben der handelnden Personen während eines einzigen Augenblicks. Romakos Tegetthoff in der Seeschlacht bei Lissa I kann somit als legitimer Vorläufer unserer heutigen Erzähltechniken von „Suspense“ gesehen werden.
So wird Romakos Malerei nicht nur in ihrer konsequenten Subjektivität, sondern gerade auch in dieser exaltierten Betonung des Psychischen, dem er ja auch in seinen Porträts Raum zu geben versuchte, zum Vorläufer des österreichischen Expressionismus. Vor allem Oskar Kokoschka knüpft in seinen Bildnissen unmittelbar an Romako an.
Die Bedeutung der Historienmalerei im Selbstverständnis des 19. Jahrhunderts, Romakos Stellung als Historienmaler, die Rezeptionsgeschichte des Bildes und schließlich das Bild selbst in seiner revolutionären Auffassung der Schilderung eines geschichtlichen Ereignisses sind die Themen der Ausstellung. Neben dem Bild Romakos dokumentieren weitere Gemälde, zeitgenössische Fotografien, das Modell des österreichischen Flaggenschiffs Erzherzog Ferdinand Max sowie Waffen und Instrumente der damals beteiligten Offiziere diese für Österreich so bedeutende Seeschlacht.
Zur Ausstellung erscheinen ein Katalog und eine Monografie mit neuem Werkverzeichnis.
Kunstvermittlungsprogramm zur Ausstellung
MEISTERWERKE IM FOKUS: ANTON ROMAKO
ÜBERBLICKSFÜHRUNGEN
Samstag, 15. Mai und 19. Juni, um 16 Uhr
Dauer: 1 Stunde, Führungsbeitrag: € 4
NACHMITTAGSTREFF IM BELVEDERE
Kurzweilige Führungen zu herausragenden Kunstschätzen des Belvedere sind besonders auf die Bedürfnisse älterer Besucher abgestimmt (mit Sitzgelegenheiten). Anschließend besteht bei Kaffee und Mehlspeise die Möglichkeit zum vertiefenden Gespräch.
Anton Romako. Einzelgänger und Wegbereiter
Dienstag, 11. und 25. Mai, um 15 Uhr
Veranstaltungsbeitrag (inkl. Eintritt, Führung, Heißgetränk und Mehlspeise):
Erwachsene (60 plus): € 15, (60 minus): € 18, Mitglieder des Vereins Freunde des Belvedere: € 10
Dauer: 2 Stunden, Anmeldung erforderlich
GESPRÄCHSREIHE: IM VISIER
Anton Romako und die Kunstkritiker
Expertenführung mit Cornelia Reiter, Akademie der bildenden Künste Wien
Donnerstag, 10. Juni, um 16.30 Uhr
Admiral Tegetthoff und die Schlacht bei Lissa
Expertenführung mit M. Christian Ortner, Direktor des Heeresgeschichtlichen Museums Wien, anlässlich des Jahrestages der historischen Seeschlacht.
Dienstag, 20. Juli, um 17 Uhr
Dauer: 1 Stunde, kostenlos mit gültigem Ticket, Anmeldung erforderlich
Für alle Termine gilt: Treffpunkt Oberes Belvedere, Eingangshalle
Belvedere
Kunstvermittlung
T + 43 1 795 57-134
public@belvedere.at
AUSSTELLUNGSDATEN
Ausstellungstitel MEISTERWERKE IM FOKUS
ANTON ROMAKO - TEGETTHOFF IN DER SEESCHLACHT BEI LISSA
Ausstellungsdauer 29. April bis 25. Juli 2010
Ausstellungsort Oberes Belvedere
Prinz Eugen-Straße 27, 1030 Wien
Exponate 80 Objekte
Kurator Stephan Koja
Katalog zur Ausstellung MEISTERWERKE IM FOKUS
Anton Romako – Tegetthoff in der Seeschlacht bei Lissa
Hrsg. Agnes Husslein-Arco
Mit Texten von Ralph Gleis, Stephan Koja, M. Christian Ortner, Dietrun Otten, Cornelia Reiter, Helmut Rumpler und Uwe Schögl sowie einem Vorwort von Agnes Husslein-Arco.
Hirmer Verlag, München, 2010 ISBN 978-3-7774-2761-4 (Deutsch)
SBN 978-3-7774-2771-3 (Englisch), 144 Seiten
€ 19 (erhältlich in den Shops des Belvedere, shop@belvedere.at)
Publikation Anton Romako (1832-1889). Pionier und Außenseiter der Malerei des 19. Jahrhunderts. Monografie mit Werkverzeichnis
Hrsg. Agnes Husslein-Arco
Mit Texten von Cornelia Reiter und einem Vorwort von Agnes Husslein-Arco.
Verlag Bibliothek der Provinz, Weitra, 2010
ISBN 978-3-900000-83-7 (Deutsch), 336 Seiten
€ 38 (erhältlich in den Shops des Belvedere, shop@belvedere.at)
Kontakt Belvedere, Prinz Eugen-Straße 27, 1030 Wien
T +43 (01) 795 57-0, info@belvedere.at, www.belvedere.at
Öffnungszeiten Täglich 10 bis 18 Uhr
Eintritt € 9,50
Presse Lena Maurer
T +43 (01) 795 57-178, M +43 (0)664 800 141 178, l.maurer@belvedere.at
Medienmitteilung
Belvedere
Die Nutzung der Kommentierungsfunktion ist als Gast ohne Registrierung möglich. Nach Eingabe eines Nutzernamens und einer E-Mail-Adresse können Sie einen Kommentar hinterlassen.
Alternativ können Sie sich bei Disqus registrieren oder sich über Ihre Facebook-, Twitter-, Google-, Yahoo- oder OpenID-Accounts anmelden. blog comments powered by Disqus