Monet bis Picasso. Meisterwerke aus der Albertina, Sammlung Batliner
29. November 2008 - 21. Dezember 2008
Albertina / Wien
DIE AUSSTELLUNG
„MONET bis PICASSO. Die Sammlung BATLINER“
Die Ausstellung „Monet bis Picasso“ bietet einen informativen Überblick über eines der spannendsten Kapitel in der Kunstgeschichte: die Wende von der figurativen zur abstrakten Kunst, die fortschreitende Dekonstruktion traditioneller Bildformen. Anhand von ca. 250 Werken – Gemälden, Zeichnungen, Druckgrafiken und Skulpturen – der wichtigsten, gleichsam revolutionären Stilepochen der letzten hundert Jahre kann das kontinuierliche Fortschreiten vom Impressionismus zur Moderne anschaulich nachvollzogen werden. Durch die glückliche Verzahnung der Sammlungen Batliner und Forberg mit Beständen der Albertina kamen umfassende Werkblöcke bahnbrechender Künstler zustande, die es ermöglichen, erstmals eine Zusammenschau über die vielfältigen „Ismen“ der Moderne zu geben. Im Zentrum dieser Präsentation steht die Sammlung Batliner, die von der Stiftung Herbert und Rita Batliner im Mai 2007 der Albertina übergeben wurde.
Impressionismus und „Blauer Reiter“
Der Bogen setzt an beim französischen Impressionismus mit herausragenden Alterswerken von Monet („Seerosenteich“) und Degas („Zwei Tänzerinnen“) und dem Postimpressionismus, hauptsächlich vertreten durch Künstler wie Toulouse-Lautrec und Cézanne, Letzter mit seinen Lieblingsthemen wie dem Arc-Tal, dem Gebirge Sainte-Victoire oder den Badenden. Er srtzt sich fort über die Gruppe der Nabis mit Bonnard und Vuillard, deren Vorliebe für flächenhafte ornamentale Gestaltung sich vor allem in der Lithografie manifestiert. Die „wilden“, farbintensiven Arbeiten von Matisse, Vlaminck und Derain können als exemplarisch für die Strömung des Fauvismus, die pointillistische Malweise Signacs für die des Neo-Impressionismus betrachtet werden. Der Orphismus ist mit Hauptwerken von Delaunay und Kupka ebenso präsent wie die von diesem „Ismus“ maßgeblich beeinflussten Künstler des Blauen Reiters in Deutschland, Marc, Macke oder der frühe Kandinsky.
Kubismus und russische Avantgarde
Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Abstraktion stellt der Kubismus dar, der mit Braque und Picasso fulminant vertreten ist. Das Spätwerk Picassos, der wohl wie kein anderer die Kunst des 20. Jahrhunderts nachhaltig geprägt hat, bildet einen weiteren Höhepunkt der Ausstellung. Verfremdung und Mystifikation des Absurden finden in den surrealistischen Arbeiten von Ernst, Miró, Klee, Arp, Magritte und Delvaux ihren Niederschlag. Ein eigenes, nicht unbedeutendes Kapitel stellt die russische Avantgarde dar mit Lissitzky und Malewitsch als ihren herausragendsten Künstlern. Der Bogen schließt mit beeindruckenden Beispielen des Abstrakten Expressionismus, mit Appel, Rothko, Newman, bis hin zum Neuen Realismus eines Ives Klein.
DIE SAMMLUNG BATLINER
Herbert und Rita Batliner haben bereits vor fast 50 Jahren begonnen, Kunst zu sammeln. Aufgrund ihrer engen Freundschaft zu Ernst Beyeler bildete von Beginn an die Malerei des französischen Impressionismus und Postimpressionismus einen spezifischen Sammlungsschwerpunkt. Daneben konzentrierte sich das Sammlerpaar ebenfalls von Anfang an auf Pablo Picasso, von dem sich heute über 40 Werke in der Sammlung Batliner befinden, darunter allein zehn Gemälde sowie viele Zeichnungen und Unikat-Keramiken.
Dank seiner vielfältigen Reisetätigkeit lernte Herbert Batliner, langjähriger Präsident des Staatsgerichthofes von Liechtenstein und geschäftsführender Gesellschafter einer großen Anwaltskanzlei in Vaduz/Liechtenstein, die russische Avantgarde kennen und schätzen, wobei insbesondere die Bestände der russischen Avantgarde im Stedelijk Museum/Amsterdam, dem Guggenheim Museum/ New York, dem Ludwig Museum/Köln und dem Russischen Museum/Sankt Petersburg das Sammlerpaar faszinierte. Über Jahre wurde konsequent und mit großer Kennerschaft eine eigene Sammlung der Kunst der russischen Avantgarde zwischen 1905 und 1935 aufgebaut. Neben dem Schwerpunkt der Kunst von Marc Chagall stechen insbesondere die Werkgruppen von Natalia Gontscharowa, Ljubow Popowa und Michael Larionow hervor sowie ein Hauptwerk von Kasimir Malewitsch, das dieser als Erinnerungs- und Widerstandsbild unmittelbar nach seiner Freilassung aus dem stalinistischen Gefängnis gemalt hat.
Das Vermächtnis eines Sammlerpaares
Diese in vielen Jahrzehnten gewachsene Sammlung genießt höchstes Ansehen bei Kennern und Museen. Als Leihgeber sind Herbert und Rita Batliner seit langem bekannt, findet doch kaum eine Picasso-, Monet-, Modigliani- oder Giacometti-Ausstellung ohne Leihgaben der Sammlung Batliner statt.
Seit einigen Jahren verfolgte das Ehepaar Batliner den Plan, diese große Privatsammlung in ihrer Einheit geschlossen zu erhalten und als Vermächtnis in ihrer Gesamtheit einem Museum zu übergeben. Überzeugt davon, dass jegliche substantielle Kunstsammlung ebenso unverwechselbar und darum erhaltenswert ist wie ein einzelnes bedeutendes Kunstwerk, haben Herbert und Rita Batliner beschlossen, die Sammlung bereits zu Lebzeiten der Öffentlichkeit zu übergeben. So sehr die vielen Gemälde, Pastelle, Gouachen und Skulpturen in den letzten Jahrzehnten die Sammler täglich „erfreut“ und „gedanklich herausgefordert“ haben, so sehr wünschen sie sich jetzt eine sinnliche und intellektuelle Bereicherung einer breiten Öffentlichkeit durch ihre Sammlung.
Die Sammlung Batliner in der Albertina
Um die Unteilbarkeit und prinzipielle Unveräußerlichkeit dieser großen Privatsammlung sicherzustellen, haben Herbert und Rita Batliner ihre Kunstwerke in eine Stiftung eingebracht: die Herbert und Rita Batliner Art Foundation. Diese ist Dauerleihgeber an die Albertina. Damit ergibt sich eine ähnliche Situation wie bei der österreichischen Stiftung Ludwig, deren Werke ebenfalls als unveräußerliches Eigentum der Stiftung in den Besitz der Albertina (sowie des MUMOK) übergegangen sind.
„Dass sich das Ehepaar Batliner nun entschieden hat, seine Kunststiftung dauerhaft und in ihrer Gesamtheit geschlossen in der Bundeshauptstadt Wien zu etablieren, verdient unseren größten Dank. Das ist nicht nur eine weitere Aufwertung für die Albertina, sondern auch ein unschätzbarer Zugewinn für den gesamten Kunst- und Kulturstandort Österreich.“ (Mag. Wilhelm Molterer, Vizekanzler und Finanzminister der Republik Österreich)
Die wissenschaftliche Autonomie der Albertina
Die Albertina hat das alleinige Recht, über die Präsentation, Verleihung, Veröffentlichung und wissenschaftliche Bearbeitung zu entscheiden. Das Museum ist in seinen Entscheidungen über die Art und Weise der Ausstellungen der Sammlung Batliner unabhängig von der Stiftung. Es ist jedoch in gegenseitigem Interesse, dass dem Willen und Wunsch der Sammler, die Kunstwerke in bestmöglicher Form auszustellen, entsprochen wird, um den Zweck der Stiftung, die Privatsammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, erfüllen zu können. „Kunst kann man besitzen. Sie ist aber an sich ein öffentliches Gut“, so Herbert Batliner.
Die Dauerausstellung dieser großen europäischen Kunstsammlung wird den Sammlern Herbert und Rita Batliner als deren Vermächtnis gewidmet sein. Damit reiht sich die Sammlung Batliner in jene Museumsstiftungen ein, die wie die Sammlung Berggruen als Teil der Nationalgalerie Berlin, die Sammlung Walter Annenberg als Teil des Metropolitan Museum/New York, die Thannhauser Collection im Guggenheim Museum bestehende Museumskollektionen markant verstärkt und erweitert haben. In jüngster Zeit gesellten sich die Sammlung Brandhorst in München und die Sammlungen Hahn und Ludwig in Wien dazu.
DIE SAMMLUNG FORBERG
Zugleich mit der Übergabe der Kunststiftung von Rita und Herbert Batliner wurde der Albertina die Sammlung Forberg als unbefristete Dauerleihgabe übergeben: Die Sammlung Forberg ist eine sehr persönliche Sammlung, deren Grundstock unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg von Kurt Forberg, einem Bankier, der mit vielen Künstlern seiner Zeit eng befreundet war, gelegt wurde. Heute führen sein Sohn Matthias und dessen Frau Eva Forberg die Sammlung fort, die sie in den letzten Jahren um wichtige Werke, insbesondere von Paul Klee, erweitert haben. Die Sammlung Forberg ergänzt die bestehende Sammlung der Albertina vor allem im Bereich des deutschen Expressionismus mit den beiden Künstlergruppen „Der Blaue Reiter“ und „Die Brücke“.
Herbert Batliner über das Sammeln und seine Sammlung
„Für mich ist Sammeln von Kunst ein Teil der Ethik der Erinnerung: ein zutiefst humanes Gut der Menschlichkeit. Meine Frau Rita und ich sehen unsere Sammlung als unser eigentliches Vermächtnis. Selbst die großen Kunstsammler wie die Medici sind heute nicht für ihr Wirken als Bankiers bekannt, sondern für ihr kunstsinniges Mäzenatentum. Was von ihnen blieb, ist die bedeutendste Renaissancesammlung der Welt. Nicht zufällig verdanken die großen imperialen Museen in Madrid, Paris und Wien ihren heutigen Weltruhm einer fürstlichen Sammlungstätigkeit. Sie alle verweisen auf einen zutiefst subjektiven menschlichen Kern, von Rudolf VI. über Erzherzog Leopold Wilhelm bis hin zu Herzog Albrecht von Sachsen-Teschen. Und ebenso ist es wohl nicht Zufall, dass viele Persönlichkeiten durch ihre Sammlungen in unser kollektives Gedächtnis übergegangen sind: vom Wallraf-Richartz-Museum und Ludwig-Museum in Köln über die Berliner Sammlungen Berggruen und Beyeler bis zu Brandhorst in München.
Die Sammlung ist in eine Stiftung eingebracht; sie wird über meinen Tod hinaus Bestand haben. Dafür war es wichtig, ein großes und traditionsreiches Museum als dauerhaften Partner zu gewinnen. In Österreich kam für meine Frau und mich nur die Albertina in Frage, nicht zuletzt aufgrund ihrer Bedeutung und des Vertrauens, das diese große Institution bei ihren Besuchern genießt.
Meine Frau und ich trennen uns mit einem weinenden und einem lachenden Auge von den Bildern, die uns über Jahrzehnte sowohl in der Anwaltskanzlei als auch zu Hause begleitet und uns Inspiration, aber auch inneren Frieden gegeben haben. Das Wissen, dass diese Bilder nun in der Albertina erstmals einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können, erfüllt uns mit besonderer Freude.
Meine Sammlung landet letzten Endes dort, wo meine Begeisterung für die Kunst ihren Ausgang genommen hat oder zumindest wesentlich befruchtet wurde. Wann immer es meine und seine Zeit erlaubt hat, hat mir mein alter Freund Walter Koschatzky Meisterwerke der Albertina gezeigt, die für mich Maßstab, Ansporn und Vorbild für die eigene Sammlungstätigkeit waren.“
Stichwörter / Tags: Albertina, Österreich, Sammlung Batliner, Wien
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