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wechselausstellungen.de | 9. Oktober 2009

Obscur - Klaus Hegewisch zum 90. Geburtstag

2. Oktober - 10. Januar 2010
Hamburger Kunsthalle

Mit der Ausstellung Obscur ehrt die Hamburger Kunsthalle den Hamburger Sammler Klaus Hegewisch, der dem Haus seit vielen Jahren eng verbunden ist, hier zahlreiche Ausstellungen ermöglichte und in diesem Jahr seinen 90. Geburtstag feiert. Aus der umfangreichen Sammlung von Klaus und Erika Hegewisch werden mehr als 120 Graphiken und Zeichnungen gezeigt – schaurige Phantasmagorien von Künstlern wie Albrecht Dürer, Jacques Callot, Francisco de Goya, Giovanni Battista Piranesi, Odilon Redon, James Ensor, Max Klinger und Edvard Munch.

Clair-obscur bezeichnet in der Malerei und Graphik das Gestalten in Helldunkel-Kontrasten. Im Deutschen wird das Wort obskur seit dem 17. Jahrhundert auch in der Bedeutung von dunkel, unbekannt, verdächtig oder zweifelhaft verwendet. Diese dunklen, geheimnisvollen und unergründlichen Tiefen des Lebens und die phantastischen Welten der Tag und Nachtträume zogen Künstler, die geborenen Melancholiker, immer wieder in ihren Bann. Das Irrationale, das Dämonische und morbide Stimmungen charakterisieren die gezeigten „obskuren“ Werke ebenso wie bizarre Schönheiten. Die Zeichnungen und Drucke konfrontieren mit persönlichen Seelenqualen, Tod und Melancholie, aber auch mit gesellschaftlichen Ängsten, Gewalt und Krieg.

Für diese mehrfache Bedeutung des Wortes obscur liefert Francisco de Goya besonders eindrucksvolle Beispiele. „Entzückende Klänge von Grau zu Schwarz“ notiert Paul Klee zu Goyas Graphiken 1905 in seinem Tagebuch und Ernest Hemingway bemerkt zu Recht: „Goya … glaubte an Schwarz und Grau und ihre Nuancen, an Dämmerung und an Licht“. Charles Baudelaire hingegen schreibt 1857 zum obskuren Sinn und schwarzen Humor der Graphiken in tiefem Schwarz und blendendem Weiß: „Das große Verdienst Goyas besteht darin, das wahrscheinlich Monströse geschaffen zu haben. … Niemand hat in der Richtung des möglichen Absurden mehr als er gewagt. All diese Verzerrungen, diese tierischen Gesichter, diese teuflischen Grimassen sind von Menschlichem durchdrungen.“ In ein ambivalentes Wechselspiel aus Anziehung und Abstoßung wird der Betrachter aber auch gezogen durch das Menschliche in den schaurigen Phantasmagorien Ensors, durch das Rätselhafte in den Nachtkulissen Redons oder durch die labyrinthischen Schreckensvisionen Piranesis.

Zur Ausstellung erscheint ein 16-seitiges Begleitheft als Geschenk des Sammlers an die Besucher.

Kuratoren der Ausstellung: Prof. Dr. Hubertus Gaßner und Dr. Dorothee Gerkens

Hamburger Kunsthalle

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