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wechselausstellungen.de | 18. August 2009

Raqib Shaw. Absence of God

19. August - 27. September 2009
Kunsthalle Wien

Are most of us not stimulated by the tension of opposites? Is it not human nature to be stimulated by the unusual as opposed to the familiar?
Raqib Shaw

Raqib Shaws Werk ist gleichzeitig Paradies und Hölle – überbordende Weltenschöpfung in Abwesenheit von religiösen Systemen. „Gott ist tot“ wäre wohl das abendländische Äquivalent der nietzscheanischen Philosophie zu Shaws Moral befreiter Kunst der Gottesabwesenheit.
Aufgewachsen im muslimischen Kaschmir wurde Raqib Shaw in einer christlichen Schule von hinduistischen Lehrern unterrichtet bevor er 1998 in London an der Central St. Martin’s School of Art studierte. Der Sohn einer Händlerfamilie lässt sich von asiatischem und arabischem Dekor wie etwa Kimonotextilien, antiken Teppichen, persischem Schmuck und japanischen Holzschnitten genauso inspirieren wie von Objekten im Natural History Museum in London. Seine Phantasmagorien und Suchbilder, deren Oberflächen sich mit feinen Ziselierungen, Email, Glitter und Gold ins Blickfeld drängen, werden von hybriden Mensch-Tierwesen und fabelhaften Gestalten wie etwa dem blinden Schmetterlingsfänger bevölkert. Gewalt und Perversion, Exzess und Exzentrizität geben sich in den ornamental und akribisch ausgearbeiteten Werken des 1974 in Kalkutta geborenen Künstlers die Hand. Nur wer Kunst mit solch einer ausufernden Schönheit macht, kann behaupten: „I do not know what beauty means in contemporary art“. Raqib Shaws „art of exquisite anxiety“, seine visuellen Überreizungen spielen Flächigkeit und Tiefenräumlichkeit, Figuration und Abstraktion, kompositorischen Überblick und Detailverliebtheit gegeneinander aus. Arabeske Musterformationen verlieren sich an der Grenze zum ästhetisch Bekannten.
Die orgiastischen Werke von Raqib Shaw sagen sich von der Welt los und erschaffen ein Arkadien, das sich mit Vergangenem beruhigt: Sie erinnern an die Dekadenz des Fin de siècle, beziehen sich auf historische Positionen wie Hans Holbein d. Jüngere, Giovanni Battista Piranesis unheimliche Architekturfiktionen und Hieronymus Boschs Garten der Lüste.

Die Schau im project space der Kunsthalle wien präsentiert neue Arbeiten aus der Serie Absence of God in Gegenüberstellung mit der hyperrealistischen Skulptur Adam. Adam könnte man als das Alter Ego des exzentrisch lebenden Künstlers lesen – ein lebensgroßer Menschenkörper mit Vogelkopf. Gefangen in den Scheren eines Hummers stellt er die gewaltsame Paarung des Vogelmenschen (eine Verschmelzung von Erde und Luft) mit dem Hummer (Wasser) dar. Mit seinem weit aufgerissenen Schnabel bevölkert von Würmern und Maden erinnert er an den im Oeuvre Shaws leitmotivisch wiederkehrenden Schrei von Francis Bacon. Er symbolisiert den in der Tradition der Psychoanalyse stehenden nicht erfüllbaren Mangel der menschlichen Existenz.

Teilnahme an Gruppenausstellungen wie Without Boundary: Seventeen Ways of Looking (2006), The Museum of Modern Art, New York, Around the world in Eighty Days (2006), ICA, London, 6. Gwangju Biennale (2006), South Korea.
Einzelpräsentationen u.a. in der Tate Britain bei Art Now (2006) und Raqib Shaw at the Met (2008), Metropolitan Museum of Art, New York, White Cube, London, (2009).

Kuratorin: Angela Stief
Katalog: Es erscheint ein Ausstellungskatalog, hg. von Kunsthalle Wien und White Cube (London), mit einem Text von Homi K. Bhabha und einem Künstlerinterview von Gerald Matt und Angela Stief.
Eröffnung: Dienstag, 18. August 2009, 19 Uhr

Kunsthalle Wien
project space
karlsplatz
Treitlstraße 2, 1040 Wien
Infoline +43-1-52189-33, www.kunsthallewien.at
täglich 16 - 24 Uhr, So/Mo 13 - 19 Uhr

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