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wechselausstellungen.de | 10. Mai 2010

Rosemarie Trockel - Zeichnungen, Collagen und Buchentwürfe

30. Mai – 5. September 2010
Kunstmuseum Basel

Das Kupferstichkabinett des Kunstmuseums Basel zeigt mit über 200 Zeichnungen, Collagen und Buchentwürfen die bisher umfangreichste Ausstellung von Rosemarie Trockels Arbeiten auf Papier und ermöglicht einen spannenden Einblick in ihr vielseitiges zeichnerisches Schaffen von über 30 Jahren.

Die in Köln lebende Künstlerin machte Mitte der 1980er-Jahre mit Zeichnungen, Skulpturen und besonders mit ihren berühmt gewordenen Strickbildern erstmals Furore. Mittlerweile gehört sie zu den bekanntesten Kunstschaffenden der Gegenwart. So vielfältig das Werk von Rosemarie Trockel mit Videos, Wollbildern, Keramiken und vielem anderem auch ist, so haben doch die Zeichnungen immer eine zentrale Konstante in ihrer Arbeit gebildet. Diese dienen ebenso dem Festhalten flüchtiger Gedanken, wie dem Ausarbeiten gereifter Überlegungen. Auf Papier lassen sich all die inhaltlichen Ansätze finden, die sie in anderen Techniken weiterentwickelt. Die Hauptstrategie der Künstlerin besteht im ironisierenden Hinterfragen von gesellschaftlichen Gemeinplätzen und künstlerischen Normen über das Verhältnis Mann/Frau, Mensch/Tier oder Politik/Kunst. Speziell in den Zeichnungen unterläuft sie besonders gern die Unterscheidung von Original und Kopie.

Zeichnen findet bei Rosemarie Trockel in der Zurückgezogenheit statt, es bedingt eine gewisse Selbstvergessenheit, die auf Könnerschaft beruht. Die aber wird meist zugunsten einer vorgeschobenen Ungelenkigkeit, eines kontinuierlichen Ausweichens auf diverse Ausdrucksformen kaschiert, derer sie sich unbeschwert bedient. Gerade weil die Zeichnungen weniger von formalen als von inhaltlichen Fragen geleitet sind, merkt man ihnen die Lust am Experimentieren auf Papier an. Dies kommt besonders in den neusten Arbeiten mit Acryl und Graphit zum Ausdruck, die eigens im Hinblick auf diese Ausstellung entstanden sind.
Die Buchentwürfe für nicht realisierte Vorhaben, die mit 85 Beispielen erstmals so umfangreich zu sehen sind, können als Ideen-Archiv verstanden werden. Sie versinnbildlichen das Potential von Projekten ebenso wie das Scheitern derselben. Neben den Zeichnungen und Buchentwürfen sind neue Collagen ausgestellt, die seit 2004 entstehen. Mit der Collage hat Trockel eine Form gefunden, ihre Zeichnungen und anderes Material aus verschiedensten Phasen ihrer Arbeit zusammenzufügen und damit unabhängig von einer Chronologie dauerhafte Konstellationen zu schaffen. Die Collagen verdeutlichen auf ungewöhnliche Art und Weise, dass die Zeichnungen trotz ihrer autonomen Qualität vielfältig verschränkt sind mit Trockels anderen Tätigkeiten.

1991 hat Dieter Koepplin, damals Leiter des Basler Kupferstichkabinetts, mit 171 Papierarbeiten die erste umfangreiche Zeichnungsausstellung von Rosemarie Trockel organisiert und durch zahlreiche Ankäufe einen Sammlungsschwerpunkt mit Werken der Künstlerin begründet. Daher ist es kein Zufall, dass auch die aktuelle Ausstellung der Zeichnungen, Collagen und Buchentwürfe ihren Ausgangspunkt im Kunstmuseum Basel gefunden hat. Die Ausstellung wurde gemeinsam vom Kunstmuseum Basel und dem Kunstmuseum Bonn organisiert. 2011 wird sie auch in der Talbot Rice Gallery, University of Edinburgh zu sehen sein.

Kuratorin: Anita Haldemann, Konservatorin am Kupferstichkabinett

Katalog:
Hrsg. von Anita Haldemann und Christoph Schreier, Rosemarie Trockel – Zeichnungen, Collagen und Buchentwürfe, mit Beiträgen der Herausgeber sowie von Brigid Doherty und Gregory Williams, 164 Seiten, 234 Abbildungen, Verlag Hatje Cantz, 2010, CHF 56.-

Medienmitteilung
Kunstmuseum Basel

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