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wechselausstellungen.de | 15. Dezember 2009

Slow Paintings

24. November 2009 – 07. Februar 2010
Museum Morsbroich / Leverkusen

Die Ausstellung Slow Paintings zeigt mit mehr als 60 Werken von 32 Künstlern einen repräsentativen Überblick über eine Entwicklung in der zeitgenössischen Malerei von 1960 bis heute: Dabei handelt es sich um Gemälde, die mit einem außergewöhnlich hohen zeitlichen Aufwand hergestellt worden sind. Der extremen Langsamkeit der Produktion entspricht auf der Seite des Betrachters eine gleichermaßen radikale Entschleunigung der Rezeption. Das langsame Bild verarbeitet wesentliche Elemente der Konzeptkunst und entwickelt daraus eine Sprache, die eindrucksvoll die fortdauernde Innovationsfähigkeit des Mediums Malerei belegt.

Slow Paintings sind komplexe Bilder. Langsamkeit ist hier kein Mangel, sondern bildet die Grundlage für ein aufwendiges, prozessuales Arbeiten. Dieser besondere Aufwand kann sich auf verschiedene Dimensionen beziehen: auf die maltechnische Verfertigung des Bildes wie bei Ad Reinhardt, der seine Paintings aus einer stupenden Vielzahl von Farblasuren sukzessive aufbaute; auf die Einschreibung des einzelnen Gemäldes in ein übergreifendes Projekt, das Jahrzehnte umfassen kann wie bei Roman Opalka oder On Kawara; oder auch auf logistische Komponenten wie bei Jonathan Monk, der den Akt des Malens an zahlreiche, geografisch maximal entfernte Kollegen delegiert und die Gesamtheit der Aktivitäten eher wie ein Unternehmer managt.

Slow Painting ist daher viel stärker mit dem Begriff der konzeptuellen Kunst als mit einer traditionellen Auffassung von handwerklicher Ausführung verbunden. War das Handwerkliche in der traditionellen Malerei ein vor allem notwendiger und der Idee des Bildes dadurch vorgelagerter Aspekt, ist der Aufwand, den die heutigen Maler des langsamen Bildes betreiben, eine untrennbare Komponente der Idee, die sie in dem Gemälde realisieren möchten. Wolfgang Ullrich spricht aus diesem Grund in seinem Katalog-Essay auch von Werken, denen „die Idee gleichsam einmassiert worden“ ist – „als solche nicht mehr sichtbar, sondern aufgehoben in der Gestaltung“.

Die Ausstellung möchte keine Konkurrenz zwischen traditioneller, schneller und langsamer Malerei konstruieren. Vielmehr will Slow Paintings das Augenmerk auf die besondere Verbindung aus Konzeptualität und aufwendiger Gestaltung legen, die eine einzigartige Erfahrung für den Betrachter mit sich bringt. Dabei handelt es sich nicht allein um die extrem entschleunigte Rezeption, die mit der Zeit korreliert, die zur Verfertigung des Bildes benötigt wurde. Mehr noch fasziniert die Erfahrung, wie sich die komplexen Ideen und die unendlichen Lasuren des Aufwands gegenseitig überlagern, sogar verdecken, und schließlich die scharfen intellektuellen Konturen ihres Ursprungs zugunsten einer unerwartet reichen, neuen körperlichen Identität preisgeben. Slow Paintings zeigt uns idealtypisch die Potenziale und die andauernde Neuerfindung der Malerei.

Mit Arbeiten von Tomma Abts, Ross Bleckner, Alighiero e Boetti, Michaël Borremans, Gillian Carnegie, Raúl Codero, John Currin, Alexander Esters, Bernard Frize, Franz Gertsch, Andrew Grassie, On Kawara, Konrad Klapheck, Jochen Kuhn, Sebastian Ludwig, Michel Majerus, Fabian Marcaccio, Rodney McMillian, Jonathan Monk, Reinhard Mucha, Manuel Ocampo, Roman Opalka, Laura Owens, Magnus Plessen, Ad Reinhardt, Bernd Ribbeck, Adrian Schiess, Pablo Siquier, Andreas Slominski, Cheyney Thompson, Corinne Wasmuht und Ekrem Yalçindağ.

Slow Paintings wird kuratiert von Fritz Emslander, Markus Heinzelmann und Stefanie Kreuzer.

Es erscheint ein Katalog im Verlag für moderne Kunst Nürnberg, hrsg. von Markus Heinzelmann, 160 S., Hardcover, 63 Farbabb., mit Beiträgen von Heinz Knobeloch und Wolfgang Ullrich sowie ausführlichen Künstlertexten, ISBN 978-3-941185-99-9, € 25,00 an der Museumskasse, € 29,00 im Buchhandel.

Die Ausstellung wurde ermöglicht durch großzügige Zuwendungen des Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen und der Lanxess AG.

Die Sparda-Bank West eG und die Energieversorgung Leverkusen GmbH & Co. KG (EVL) haben darüber hinaus das Projekt freundlich unterstützt.

Öffnungszeiten der Ausstellung: Dienstag 11 bis 21 Uhr, Mittwoch bis Sonntag 11 bis 17 Uhr. 01.11.2009: 11 bis 17 Uhr, 24. und 25.12.2009: geschlossen, 26. und 27.12.2009: 11 bis 17 Uhr, 31.12.2009: geschlossen, 01.01.2010: 11 bis 17 Uhr;
Gruppenführungen nach Vereinbarung; Sonderführungen Kunst60+: Termine auf der Website

Pressemitteilung
Museum Morsbroich

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