Wechselausstellungen.de

Kunstausstellungen und Pressenews aus Kunstmuseen, Kunsthallen und Galerien
Anzeige
Anzeige
wechselausstellungen.de | 2. Januar 2009

Tony Cragg - Second Nature

14.02.2009 - 03.05.2009, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

Tony Cragg zählt zu den bedeutendsten Bildhauern der Gegenwart. Das plastische Oeuvre des 1949 in Liverpool geborenen Künstlers, das anfänglich Impulse aus der Auseinandersetzung mit der englischen Land Art und körperbetonten Arbeitsmethoden aufnahm, zeichnet sich durch einen immensen Reichtum an überraschenden Formerfindungen aus, die sich auch in den Zeichnungen widerspiegeln. Metamorphosen von Wahrnehmungen der Gegenstandswelt, der Landschaft und der Figur gehen in Craggs Werke ein. Seit einigen Jahren entstehen neben den Skulpturen auch Zeichnungen, Aquarelle und Radierungen. Die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe zeigt mit gut 120 Arbeiten auf Papier einen Querschnitt des zeichnerischen, aquarellistischen und grafischen Werks des Künstlers, das bis in die siebziger Jahre zurückreicht. Außerdem vereint sie im Hauptgebäude und der Orangerie mehr als zwanzig der wichtigsten Skulpturen Craggs, die seit dem Jahr 2000 entstanden.

In den achtziger Jahren wurde Cragg für seine Installationen aus Plastik-Fragmenten weltberühmt, die er mosaikartig zu farbigen Reliefs und Bodenarbeiten arrangierte und mit denen er ästhetisch provokativ Ikonen und Klischees der Gegenwart befragte. Stapelung, Schichtung und Häufung – Strategien, die er auch in Zeichnungen durch federnde Formwiederholungen nachempfindet und auch heute noch für seine plastischen Arbeiten einsetzt – waren damals schon werk-konstitutive tektonische Verfahren, mit denen sich Cragg verschiedenster Altmaterialien bemächtigte und sie überraschend umdeutete. Neben der monumentalen Vergrößerung von Alltagsgegenständen erarbeitete er in den achtziger Jahren seine rein abstrakten „Early Forms“, die als autonome Formgebilde aus einer Haut entwickelt sind, die sich dramatisch einstülpt und ausbuchtet, zu rasanten Kurven aufschwingt, wiederum Gefäßhaftes in sich aufnimmt und mehrdeutig an Körperhöhlungen und –innenräume, an Frühformen der Entwicklung des Organischen erinnert. Plastiken von frappanter Geschmeidigkeit entstehen in dieser Werkgruppe bis heute.

Wirbelsäulenstrukturen waren in den neunziger Jahren produktive Ausgangskonstellationen für die Entwicklung weiterer Werkreihen. Stelen erwachsen in jüngerer Zeit vor allem auch aus Reihungen und Deformationen von Gesichtern und Köp-fen, die sich vielfach verzerrt und wie in rotierender Bewegung im Raum entfalten. In der Horizontalen vereinigen sich Köpfe, Gesichter mit geschlossenen Augen und aus ihnen hervorgehende plastische Brückenformen zu „Mental landscapes“, Kopf- und Denk-Landschaften, die sich visionär und traumverloren auffächern, scheinbar sukzessive in Phasen festgehaltene Bewegungen in die Skulptur überführen.

Cragg selbst bezeichnet sich gerne als „Materialisten“, der die Möglichkeiten seiner immer wieder neuen Werkstoffe erforscht und zu erweitern sucht. Tatsächlich setzt er sich in seinen Werken aus Glas, Holz, Kunststoff, Bronze, Gips, Fiberglas, Aluminium und Stein aber auch mit Raum und Zeit auseinander, mit Bewegung und Präsenz, mit Mikrostrukturen und Makrozusammenhängen, mit dem, was Le-bendigkeit ausmacht. Naturwissenschaftliche Erkenntnisse bilden dabei häufig die Basis seiner ästhetischen Überlegungen.

Dabei kommt dem Begriff der Energie – auch für die Zeichnungen und die Aqua-relle Tony Craggs – eine besondere Bedeutung zu. Die Karlsruher Ausstellung vermittelt einen repräsentativen und vielfältigen Eindruck davon, welche Sujets und Strukturen für das bildnerische Denken Craggs eine zentrale Rolle spielen und wie er sie über die Jahrzehnte hinweg verwandelt aufgreift, überformt, ver-schränkt und fruchtbar macht. Zeichnung und Skulptur stehen sich im Schaffen dieses Künstlers, der seit 1988 an der Düsseldorfer Kunstakademie als Professor lehrt und kürzlich in Wuppertal den eindrucksvollen Skulpturenpark „Waldfrieden“ eröffnete, weitgehend autonom gegenüber. Die Zeichnung mit ihren vibrierenden, rotierenden, die Gegenstände auflösenden Gesten lässt auch jene Dimensionen erahnen, die Cragg nur in diesem Medium sichtbar machen kann: Welle und Teilchen, Partikel und Strahlung, Schwingung, Strömung und das Geschehen im Zwi-schenraum zwischen den Körpern, der erfüllt ist von unsichtbaren Kräften.

Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

Anzeige

Die Nutzung der Kommentierungsfunktion ist als Gast ohne Registrierung möglich. Nach Eingabe eines Nutzernamens und einer E-Mail-Adresse können Sie einen Kommentar hinterlassen.
Alternativ können Sie sich bei Disqus registrieren oder sich über Ihre Facebook-, Twitter-, Google-, Yahoo- oder OpenID-Accounts anmelden.
blog comments powered by Disqus