Zuzanna Janin. Majka from the Movie
18. – 31. August 2010
Kunsthalle Wien
Im Zentrum der multimedialen Arbeiten von Zuzanna Janin – seien es Filme, Installationen oder Objekte – stehen Formen gesellschaftlich sozialer Konstruktionen sowie Entstehungsprozesse von individuellen und kollektiven Identitäten.
Ihre sechsteilige Videoinstallation Majka from the Movie (Szaleństwo Majki Skowron/Madness of Majka Skowron, 1975), 2009 basiert auf dem Found Footage Material der TV Serie „Szaleństwo Majki Skowron“, die im kommunistischen Polen der 70er Jahre gedreht wurde. Im deutschsprachigen Raum wurde die Serie unter dem Titel Das Mädchen Maika bekannt.
Das Material aus der Serie durchsetzt Janin mit Filmszenen aus dem amerikanischen und europäischen Kino der letzten vierzig Jahre, sowie mit eigenen Aufnahmen, die die Künstlerin an verschiedenen Orten in Polen, England, den USA und Japan in den letzten Jahren gedreht hatte. So schickt sie ihre Protagonistin Majka auf eine Reise durch Zeit und Raum, eine Reise zwischen verschiedenen Orten, Geschichten und Kulturen. Majka, ein vierzehnjähriges Mädchen, das in den 70er Jahren von der jungen Zuzanna Janin (Zuzanna Antoszkiewicz) gespielt worden war, symbolisierte eine rebellische Jugend im kommunistischen Polen und war eine Art Kultfigur für die Teenager der späten 70er und frühen 80er Jahre. Die Rolle der Majka heute spielt die Tochter der Künstlerin, die sie in verschiedene Situationen geraten lässt: Majka trifft bei ihren Exkursionen reale Personen aber auch fiktive Filmcharaktere und findet sich immer wieder als Protagonistin unterschiedlicher Filmszenen wieder. Sie identifiziert sich mit ihnen und führt Gespräche mit prominenten Figuren aus Wissenschaft und Philosophie wie z. B. mit Slavoj Žižek, aber auch aus der Popkultur, wie mit dem Schauspieler Marlon Brando und den Sängern Iggy Pop und Tom Waits. Majka beobachtet, hört zu und fragt nach, so Zuzanna Janin über ihre Filmfigur: “She appears in places she neither has ever been nor she could even be before. For example, she couldn’t have met Colonel Kurtz / Marlon Brando in Vietnamese forests. Now she is there and witnesses his death. She was not on the desert in Zabriskie Point, where a girl – the film protagonist – wandered with her boyfriend and where she blew up a villa she regarded a symbol of capitalism and its values.“ Majka ist auf der Suche nach ihrer eigenen Identität und hofft Antworten auf die Fragen zu finden, „woher sie kommt?“ und „wo sie ankommen wird?“.
Zuzanna Janin bildet ihre Erinnerungen an das kommunistische Polen, in dem sie aufgewachsen ist ab und konfrontiert ihre Erfahrungen mit denen ihrer Tochter und der heutigen Jugend: „It seemed interesting to me to draw on Majka again, to release her from the „prison“ of communist Poland, from the place designated for her. In my video series composed of episodes, she moves beyond the framework of the series and starts to wonder around the cultures.“
Majka from the Movie zeigt wie ähnlich die Erfahrungen der Jugend im realsozialistischen Polen mit jenen der Jugendlichen in westlich kapitalistischen Kulturen waren. In diesem Film werden die Parallelen der Jugendkulturen jenseits von Eisernem Vorhang und ideologischen Grenzen seh und erlebbar. Parallelen, die auch in der Musik Entsprechungen finden, sei es zwischen dem polnischen Sänger Marek Grechuta und der britischen Rockband Pink Floyd, oder zwischen der polnischen Sängerin Mira Kubasińska und der amerikanischen Gruppe The Doors. Letztendlich spiegeln sich hier wie dort dieselben Hoffnungen und Träume.
Mit diesem Projekt ergänzt die Kunsthalle Wien ihren letztjährigen Themenschwerpunkt. Die Ausstellung „1989″ hatte sich dem 20 Jahre Jubiläum des Falls des Eisernen Vorhangs gewidmet und den damit einhergehenden künstlerischen, sozialen und politischen Veränderungen.
Das Werk entstand in Zusammenarbeit mit Tomasz Kozak.
Die Ausstellung wurde vom polnischen Kulturinstitut unterstützt.
Weitere Arbeiten von Zuzanna Janin können über das ursula blickle videoarchiv abgerufen werden.
Zuzanna Janin wurde 1964 in Warschau, Polen geboren. Sie lebt und arbeitet in Warschau.
Kuratorin: Katarzyna Uszyńska
Eröffnung: Dienstag, 17. August 2010, 19 Uhr
Medienmitteilung
Kunsthalle Wien
Stichwörter / Tags: Österreich, Kunsthalle Wien, Multimedia, Video & Film, Wien, Zuzanna Janin
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